Woher kommen psychosomatische Symptome wie Extrasystolen und Herzstolpern?

Heute geht es um das Thema Psychosomatik. Es gibt verschiedene ICD-10-konforme Definitionen und wissenschaftliche Erklärungsversuche. Der ICD-10 fasst eher die beobachtbare Symptomatik zusammen, und die wissenschaftlichen Modelle sind Modelle, man weiß noch gar nicht so viel darüber, man sieht Zusammenhänge, hat aber oft keine für den Patienten befriedigende Erklärung. Ich möchte dir zwei Dinge näher bringen, die in meinen Erklärungsmodellen eine besondere Rolle spielen.

Erstens: die nachvollziehbare Genese über Stresshormone

Prozesse, die sich etwa auf Verdauungsbeschwerden richten, sind nicht so simpel, wie man denkt, ich habe Stress und deshalb Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung. Wir sehen nachvollziehbare Prozesse, vor allem im Bereich der Stresshormonsymptomatik. Warum schütten wir immer wieder Stresshormone aus? Weil unser Körper dazu neigt, Stresshormone als Unterstützung auszuschütten, sobald wir auf der inneren Verarbeitungsebene etwas wahrnehmen, das dem Gehirn problematisch scheint. Daraus erklären sich viele Zustände, innere Unruhe, Paniksymptomatik, Schwindel, weil die vermehrt ausgeschütteten Stresshormone ab einem bestimmten Schwellenpunkt innere Unruhe und Panikneigung erzeugen (siehe das Video mit dem Teller Spaghetti).

Die gleiche Genese zeigt sich beim Magen: Die Stresshormone, die unter anderem den Blutdruck stabilisieren, bedingen auch eine Mehrausschüttung von Magensäure, und diese dauerhafte Belastung der Magenschleimhaut führt irgendwann dazu, dass ein Gastroenterologe hineinschaut und sagt, Sie haben die Magenschleimhaut eines 60-jährigen Fluglotsen, dann weiß man ungefähr, woher es kommt. So gibt es scheinbar psychosomatische Prozesse, ich habe Verdauungsbeschwerden, ohne dass ein Arzt organisch etwas findet, und das kommt eben nicht einfach aus dem Nichts. Psychosomatik lässt sich entmystifizieren: Man hat ein Erklärungsmodell und versteht, ah, so, das ist gar nicht so kompliziert.

Zweitens: die selektive Wahrnehmung

Das zweite Modell stammt aus dem Basisvideo zur Wahrnehmbarkeit von Extrasystolen, lässt sich aber auf jedes andere körperliche Phänomen übertragen. Im Körper-Kopf-Zusammenhang ist alles bidirektional verbunden. Dein Gehirn kann dem Bizeps das Signal geben, spann dich an, der Bizeps spannt sich an und sendet zurück, ich habe mich angespannt. Dein Gehirn empfängt jede Sekunde Millionen Informationswerte aus dem Körper und kann sie verarbeiten, aber nicht als bewusste Wahrnehmung. Die Wissenschaft spricht von selektiver Wahrnehmung: Wir nehmen den absoluten Großteil der eintreffenden Informationen nicht wahr, weit über 99 Prozent werden vorab herausgefiltert, weil das Gehirn sonst überlastet wäre.

Dazu gehören dein Herzschlag, Verdauungsaspekte, deine Mundschleimhaut, deine Finger, dein Knie. Theoretisch könntest du alles spüren, aber Körper und Kopf haben das Agreement, was wir nicht beeinflussen können und was nicht nötig ist, um etwas zu kontrollieren, findet zunächst nicht den Weg in die Wahrnehmung. Deine Nase zum Beispiel ist die ganze Zeit in deinem Blickfeld, dein Gehirn rechnet sie weg, weil sie sich nicht verändert. Deute ich sie an, lässt dein Gehirn diese Wahrnehmung sofort durch.

Das geht mit allem. Dein Gehirn verarbeitet jeden Gedanken (siehe das Video, Medienkonsum macht uns krank) als Lern- und Bewertungsprozess. Hast du also initial den Gedanken, oh, was spüre ich da, war das wieder ein Herzstolpern, eine Extrasystole, dann baut sich, je häufiger du das denkst, eine Verbindung auf, die die Informationen vom Herzen in die selektive Wahrnehmung durchlässt. Je öfter du dich fragst, was habe ich am Bauch, am Knie, am Handgelenk, an der Mundschleimhaut, eine komische Hautrötung, desto mehr trainierst du dein Gehirn, fast alles in die Wahrnehmung zu bringen. Dann sitzt du beim Arzt, ich habe ein komisches Gefühl an der Mundschleimhaut, ist da was, der Arzt sagt, da ist eine leicht entzündete Stelle, ist das schlimm, theoretisch kann alles entarten, und schon denkst du, oh nein, ich habe Krebs, ich bin zu jung zum Sterben, die Szenarien im Kopf setzen dich zusätzlich unter Druck.

Nicht dein Körper, eine antrainierte Wahrnehmung

Für viele Klientinnen und Klienten gilt deshalb: Dein Problem ist nicht dein Körper, dass du Dinge wahrnimmst, sondern eine Art Wahrnehmungsstörung, die auf einem Trainingszustand aufbaut. Viele psychosomatisch kategorisierbare Symptome sind so relativ simpel erklärbar, entweder über Bande gut erklärbar, oder man versteht schnell, dass wir uns ausgehend von einem erstauslösenden Ereignis erfolgreich hintrainiert haben. Der Weg, wie du dir etwas antrainiert hast, und auch der Inhalt, also welches Symptom es ist, sind im Grunde irrelevant, wenn es darum geht, es wieder umzutrainieren.

Wie du umtrainierst, drei Modelle

Erstens der Medienkonsum: Jeder Gedanke wird verarbeitet, du musst es nur schaffen, selbst andere Gedanken dorthinzubringen. Fang an, wirklich mit dir zu sprechen, denn wenn du nicht derjenige bist, der andere Gedanken setzt, macht dein Kopf das nicht von allein. Das ist das größte Problem der meisten Menschen, wir erwarten, dass wir etwas tun und darauf aufbauend vom Gehirn andere Gedanken geliefert bekommen, aber das passiert nicht. Mit dir zu sprechen ist die Grundlage, dass Veränderungsprozesse von dir aus starten.

Zweitens das Modell, darum suchst du nach deinem Symptom, bei dem es um die Automatismen geht, auf die wir uns trainieren.

Drittens, das aus meiner Sicht wichtigste Video, anschalten, nicht abschalten: Immer wenn du merkst, dass im Kopf die Programmierung hochkommt, auf ein Symptom zu achten und etwas zu kontrollieren, setzt du einen Unterbrecher und lenkst deinen Fokus schnell auf etwas anderes.

Beziehst du diese drei Aspekte ein und verstehst besser, was den ganzen Tag in deinem Kopf passiert und in engem Zusammenhang mit den Symptomen steht, bekommst du meist relativ schnell mehr Kontrolle und kannst lockerer damit umgehen.

Wie du die selektive Wahrnehmung für dich nutzt und deine Symptome umtrainierst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.

Du spürst Extrasystolen, Herzstolpern oder andere Körpersignale ständig und möchtest lockerer damit umgehen? Nach ärztlicher Abklärung begleite ich dich gern. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

Neu auftretende körperliche Beschwerden gehören zuerst ärztlich abgeklärt, bevor du von einer psychosomatischen Ursache ausgehst.

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