Wissen ist nicht Denken: Warum du dein Denken überkompensatorisch trainieren musst

In diesem Beitrag machen wir einen kurzen Ausflug dahin, warum es so wichtig ist, auf der gedanklichen Ebene zu trainieren. Grundsätzlich greifen wir dort ein, wo unser Denken die Emotionen am meisten beeinflusst: bei den Bildern vor dem inneren Auge, den inneren Stimmen und der eigenen Stimme, mit der wir zu uns sprechen.

Diskussion mit sich selbst?

Die meisten Befürchtungen, ich nenne sie auch Szenarien, kommen automatisch, wir haben sie nicht selbst formuliert. Jemand sagte mir, die Diskussion mit sich selbst sei das Schwierigste. Ich sehe das anders. Eine Diskussion heißt, zwei Parteien setzen Argumente gegeneinander. In unserem Kopf findet dieses Hin und Her aber meist ohne uns statt, es ist nicht so, dass mein Kopf sagt „was ist, wenn du krank bist", ich sage „was, wenn ich gesund bleibe", und er kontert wieder. Genau da dürfen wir lernen, wirklich mitzudiskutieren. Wenn dein Gehirn sagt „was ist, wenn du krank bist", schreib es auf und antworte: Was wäre denn, wenn ich gesund bleibe? Es ist erstaunlich, wie schnell der Kopf auf dieses Eingreifen reagiert, meist gibt er Ruhe oder liefert die nächste Befürchtung, mit der du wieder interagieren kannst.

Das Hormesis-Prinzip

Warum sollten wir das trainieren? In der Medizin gibt es das Hormesis-Prinzip. Dabei geht es um das Anstoßen von Prozessen im Körper. Beispiel Salat: Ein Salat vom Feld ist gesünder als seine in Tabletten gepressten Nährstoffe. Warum? Weil im Salat sekundäre Pflanzenstoffe mitwachsen, als Schutz gegen Fressfeinde und widrige Einflüsse. Unser Körper registriert sie als leichte Noxe und stößt Reparaturmechanismen an, die überkompensatorisch ablaufen.

Das sehen wir an mehreren Stellen. Kontrovers diskutiert ist die Strahlenhormesis: Menschen, die einer leicht erhöhten Strahlendosis ausgesetzt sind, sollen ein etwas niedrigeres Risiko für bestimmte Tumorarten haben, weil der Körper in den überkompensatorischen Reparaturprozess geht. Am nachvollziehbarsten ist es beim Sport: Wir fordern den Muskel stärker, als er leisten will, fügen ihm Mikroverletzungen zu, und er repariert sich überkompensatorisch, er wird stärker und größer. Auch Lernen läuft überkompensatorisch, einmal etwas zu lesen oder zu verstehen heißt nicht, es als abrufbares Wissen gespeichert zu haben.

Wissen ist nicht Denken

Es hilft uns wenig, zu wissen und zu verstehen, warum Dinge sind, wie sie sind, denn der emotionale Prozess entsteht aus Denkinhalten. Viele fragen: Ich weiß doch, dass es ungefährlich ist, warum geht mein Körper trotzdem so ab? Es geht nicht darum, was du weißt, sondern was du denkst. Erlebst du in dem Moment eine gefährliche Interpretation, folgt die Reaktion. Es hilft wenig, einmal an der Hantel zu ziehen oder einmal etwas verstanden zu haben. Wir dürfen überkompensatorisch agieren, weil unser Gehirn so funktioniert.

Wenn du deine Situation verändern willst, andere Symptome, weniger Symptome, andere Denkmuster oder Bewertungen, dann darfst du das trainieren, und zwar überkompensatorisch. Dazu passt mein erstes Befürchtungsvideo: Negative Gedanken wirken fünf bis zehnmal stärker als positive. Bildlich: Du müsstest im Casino etwa 1000 Euro gewinnen, um 100 Euro Verlust emotional auszugleichen. Wir müssten also häufiger positiv denken als negativ, und das macht der Kopf nicht von allein, dafür ist er nicht gebaut. Ich sage übrigens nicht „denk positiv", sondern zielorientiert. Aus der Kriterienlandschaft deines Lebens lässt sich extrapolieren, wie es sein soll, und daran dürfen wir arbeiten.

Behalte im Kopf: Du darfst dich mit anstrengen, überkompensatorisch, damit dir Denken und Leben mit der Zeit leichter fallen. Denn es gilt: Wir glauben nicht an das, was richtig ist, wir glauben an das, was wir am häufigsten gehört haben.

Warum Wiederholung und überkompensatorisches Training den Unterschied machen, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.

Du weißt, dass deine Symptome harmlos sind, und reagierst trotzdem und möchtest das ändern? Ich begleite dich in der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

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