Wir wurden in der Seilbahn vergessen, Schwindel, Panik und Benommenheit
Ich wollte euch mal meine Geschichte erzählen. Warum erzähle ich Geschichten? Weil Geschichten helfen, weil sie Lösungsmöglichkeiten aufzeigen und Modelle darstellen, an denen wir uns orientieren. Ich kann gut Geschichten erzählen, weil ich viel erlebt, viel mit Menschen gesprochen und viel von ihnen und von mir selbst gelernt habe.
Die Idee hinter diesen Videos
Ich hatte mal ein Video gemacht, das ich Gute Zeiten genannt habe. Dahinter steckt eine Idee: Wie wäre es, wenn es eine Soap gäbe, in der nur die typischen Alltagsprobleme von Menschen gezeigt werden, erwartbare Probleme, die jeder im Leben einmal bekommen kann, und man sieht nichts anderes als Menschen, die sich lösungsorientiert mit ihrer Problematik auseinandersetzen und uns im Sinne von Modell-Lernen kompetente Strategien beibringen. Ich glaube, das wäre ziemlich cool, aber das produziert wohl keiner außer mir, und deshalb mache ich diese Videos.
Die Geschichte: in der Gondel vergessen
Also, wie ich mal in einer Gondel vergessen wurde, echt wahr, ein paar Jahre her, im Harz, genauer in Thale. Ich war mit meiner hochschwangeren Frau im Sommer unterwegs, erstes Kind, wir sind viel gelaufen, an dem Tag auf dem Blocksberg, an der Sommerrodelbahn vorbei. Abends sagte ich, hier ist eine Seilbahn, lass uns gucken, ob die noch fährt, dann nehmen wir ein paar Höhenmeter und gehen zu Fuß zurück. Guten Tag, fahren Sie noch? Selbstverständlich. Wir fragen nur, weil es kurz vor sechs ist und draußen Betriebszeit bis 18 Uhr steht. Was soll denn passieren, als ob Sie jemand vergessen würde, sagte er, ich mache den jetzt.
Und plötzlich kriege ich Puls. Ich habe mein Handy noch nie mit so einer Kraft aus dem Rucksack geholt, damit es nicht den Berg runterfällt. Erst dachte ich, wart ab, aber es war schon fünf Minuten rum. Ich hatte Akku, Internet, saß safe, und dachte, google doch mal diese Gondelfirma. Angerufen: Kontaktstation Thale, guten Abend. Ich sage, meine schwangere Verlobte und ich sitzen noch in der Gondel und haben das Gefühl, der Kollege unten hat uns vergessen. Antwort: Der Kollege unten hat mir Bescheid gegeben, die Gondel ist komplett personenfrei, ich kann nach Hause, Sie haben Glück, dass ich gerade noch ans Telefon ging. Bleiben Sie ruhig, ich regel das. Gefühlte 200 Millionen Jahre später ging es langsam hoch. Oben stand die Kollegin ganz schuldbewusst und hat sich nett entschuldigt. Seit zehn Jahren sage ich, die kriegen von mir noch eine Google-Bewertung, habe ich bis heute nicht gemacht, weil ich die Hintergründe nicht kenne. Bei Kindern sagt man ja, Reglementierungen sollten zeitsynchron erfolgen, nach zehn Jahren eine Bewertung zu drücken, weiß ich nicht. Aber ab dem Moment war Gondelfahren für mich nicht mehr so entspannt wie früher.
Wie eine Erfahrung Stress weckt
Auch in der Gondel, in der ich gerade sitze, ist das so. Wenn in den Stationen Kinderwagen oder Fahrräder eingeladen werden, drückt jemand einen Knopf, und die Gondel wird langsamer, dann wieder schneller. Sitze ich locker da, und sie wird ohne ersichtlichen Grund eine Sekunde langsamer, dann habe ich etwas, was bei jemand anderem durchaus in eine Panikattacke eskalieren könnte, und früher auch bei mir. Ich bleibe äußerlich ruhig, innerlich bin ich nervös, Panikmodus, Flucht, total unangenehm, und ich kann nichts dagegen tun, das steckt in uns Menschen drin und wurde durch diese eine Erfahrung ein Stück weit erweckt. In einer geschlossenen Gondel finde ich es übrigens weniger anspannend als in einem Sessellift, wo ich mittendrin stecken bleiben könnte, auch wenn ich noch nie ein Skelett in einer Gondel gesehen habe.
Was das bedeutet
Es gibt Situationen, in denen wir mit bestimmten körperlichen Empfindungen, Reaktionen und Stressneigungen reagieren. Und es ist okay, dass diese Stressneigungen hochkommen. Es geht nicht darum, Stress zu verhindern, sondern sich mit der eigenen Situation auseinanderzusetzen, sich seinen Befürchtungen ein Stück weit zu stellen und Lösungsstrategien zu erarbeiten. In meinem Fall lautet die Strategie: Kommt vorher eine Befürchtung, was typischerweise schiefgehen könnte, stelle ich mir vor, wie ich oben mit einem ganz entspannten Lächeln ankomme.
Wie du dich deinen Befürchtungen stellst und Lösungsstrategien aufbaust, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
Bestimmte Situationen lösen bei dir Stressreaktionen aus, und du möchtest einen guten Umgang finden? Ich begleite dich in der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.