Wie lerne ich Ärzten wieder zu vertrauen? Schwindel und die Suche nach Hilfe
Ein Zuschauer fragt zum Thema Hypochondrie: Wie lerne ich Ärzten wieder zu vertrauen? Gerade bei Schwindel sei die Diagnose schwer, und er finde es schwierig, wenn Ärzte im Zweifel „psychisch" sagen. Hausärzte hätten bei vollen Wartezimmern oft keine Zeit, erinnerten sich nicht an vorige Gespräche, man gehe mit vier, fünf Überweisungen raus, Facharzttermine erst in drei bis sechs Monaten, man google die Symptome, bekomme noch mehr Angst und komme mit fertiger Diagnose, was Ärzte nicht mögen.
Schwindel ist schwer zu diagnostizieren
Das ist ein zentrales Thema. Bei Schwindel findet man meist keine klare Diagnose, es sei denn, es liegen ganz typische Beschwerden vor, etwa ein Morbus Menière, ein diagnostizierbarer Schlaganfall oder eine Gefäßfehlanlage im MRT, das sind aber seltene Störungsbilder. Häufig hat man eine ohnehin nicht klar abgrenzbare Symptomatik, keinen glasklaren Drehschwindel, sondern etwas Diffuses, nicht immer Vorhandenes, eher eine Gangunsicherheit. Dazu kommt, dass Ärzte wenig Zeit und bestimmte Budgets haben und sich nicht die Zeit nehmen können, die Menschen eigentlich bräuchten.
Ein monetarisiertes System
Das Gesundheitssystem ist seit zwei Jahrzehnten stark monetär ausgerichtet, es geht vorrangig um Fallpauschalen, und diffuse Symptome passen da schlecht hinein. Eine Untersuchung lässt sich gut abrechnen, aber nicht zehnmal im Quartal, also verweist der Hausarzt weiter, nicht aus Unwillen, sondern weil er an diagnostische Grenzen stößt und es zum Berufsstand gehört, ans jeweilige Fach weiterzuverweisen. Bei Zweifel kommt der Psychologe, und dieser Zweifel ist oft berechtigt: Eine nicht organische Störung ohne klaren Ursachenbezug ist psychosomatisch einzuordnen, und im Gespräch lassen sich die individuellen Hintergründe aufarbeiten.
Zwei große Probleme
Problem eins: die Wartezeiten auf einen kassenfinanzierten Therapieplatz, teils sechs Monate. Verantwortlich sind die gesetzlichen Krankenkassen, denen man unentwegt auf die Füße treten muss. In der Corona-Zeit haben die Wartezeiten noch zugenommen. Es gibt deutlich zu wenige Kassenplätze. Eine Studie nennt knapp 8000 fehlende Kassensitze für eine adäquate Versorgung, Gremien im Gemeinsamen Bundesausschuss kommen in eigenen Berechnungen auf nur 2400 oder sogar weniger, womit niemandem geholfen ist. Trotzdem: Wenn man organisch nichts findet, ist es sinnvoll, jemanden über die psychische Gesamtsituation schauen zu lassen.
Problem zwei: Selbst mit Therapie hilft es oft nicht. In den Kommentaren findet man erschreckend viele, denen schon mehrere Psychotherapien nicht geholfen haben. Ein Klient hatte zwei Therapeutinnen gefragt, woher sein Schwindel komme, die eine sagte, vom Wetter, sie habe viele wetterfühlige Patienten, die andere, man müsse immer über Corona reden. Wenn du zwölf oder 14 Monate gewartet hast und so eine Antwort bekommst, ist das hart.
Warum Googeln und Doctor-Hopping nicht helfen
Der Weg ins Internet ist schnell gegangen, aber Google hat keinen Filter. Bei manchen Symptomen müsste eigentlich dastehen, es sei ein Wunder, dass du das noch googeln kannst, weil du tot sein müsstest oder als Mann schwanger. Googeln ist deshalb keine gute Idee.
Es ist okay, dass der Hausarzt wenig Zeit hat, denn mehr Zeit würde deine Erwartung trotzdem nicht erfüllen. Ärzte sind nicht dafür da, dass du dich wohlfühlst oder dein Schwindel weggeht, sondern dass sie relevante, therapierbare Krankheiten früh erkennen und Therapieoptionen aufzeigen oder weitervermitteln. Rennst du zum zwanzigsten Arzt, ist das Doctor-Hopping, und auch nach dem einundzwanzigsten bekommst du nicht, was du willst, dich besser fühlen.
Vorsicht vor Marketing und Scharlatanerie
Da draußen wird viel Marketing mit „seit ich das mache, geht es mir blendend" betrieben. Das könnte ich auch behaupten, seit ich dreimal täglich Spirulina nehme, sei alles in Ordnung. Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel ist riesig. Vielleicht profitiert der eine oder andere von Vitamin D3 und B12, nördlich der Alpen vertragen das viele, auch Fleischesser. Aber substituierst du, obwohl dir nichts fehlte, geht es dir danach nicht besser, der Körper kompensiert einen kleinen Mangel, und nur ein dauerhafter Mangel hat Folgen. Ein Klient sollte für eine „Quecksilberausleitung" alle drei Stunden Spirulina nehmen, auch nachts, und hat sich so seinen Schlaf-Wach-Rhythmus zerschossen, obwohl er kein nachweisbares Schwermetall hatte. Ihm wird es nach der Ausleitung nicht besser gehen.
Verantwortung selbst übernehmen
Was dir hilft, ist, Verantwortung für dein Leben zu übernehmen. Ärzte sind für deine Krankheiten da, wenn du denn eine hast, für deine Gesundheit bist du selbst zuständig. Renn nicht den Ärzten und keiner Scharlatanerie hinterher, sondern schau dir die Videos zum Schwindel an, wo ich erkläre, woher die körperlich wahrnehmbaren Symptome kommen und wie du sie positiv veränderst. Ärgere dich nicht über das System, sondern greif in dein eigenes Denken ein und nimm das Thema selbst in die Hand. Und schreib deine Erfahrungen in die Kommentare, du wirst das Gefühl der Exklusivität deines Symptoms verlieren. Viele Betroffene glauben, sie seien ganz allein, dabei bekommst du so viel Zuspruch, dass klar wird: Wir sind alle nicht allein mit dem, was uns plagt.
Wie du bei Schwindel und diffusen Symptomen vom Vertrauensverlust ins System zur eigenen Arbeit kommst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
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