Wie du dein Problem mit Zittern und Tremor in den Griff bekommst

Ein Zuschauer schreibt: Ich stehe auf dem Schlauch, mein Symptom ist Zittern. Was kann da ein Ziel sein, „nicht zu zittern" üben? Und wie schafft man es, nicht direkt in Panik zu verfallen, wenn man eine Auffälligkeit am Körper findet? Solche Fragen sind wertvoll, weil sie sich nicht schnell beantworten lassen, auch wenn man sich als Betroffener genau das erhofft.

Antrainiert, nicht krank

Der Wunsch ist, mach mal so, und ohne einen Finger krumm zu machen ist alles gut. Die Realität sieht meist anders aus: Du lebst einen Zustand, weil du mit der Zeit gedanklich darauf trainiert bist. Und noch einmal, in den meisten Fällen hast du keine psychische Störung und erlebst deshalb Symptome, sondern du hast dir Phänomene und Symptome mit der Zeit antrainiert, auf Grundlage mehr oder weniger normaler, gesunder physiologischer Prozesse. Dahin wollen wir: dass du lernst, das umzutrainieren.

Zuerst körperlich abklären und differenzieren

Beim Zittern gibt es zunächst körperliche Grundlagen, die man abklären lässt. Man differenziert: Ist es ein Intentionstremor, der beim Zeigen auf Dinge auftritt, ist er immer da, ist er fein- oder grobschlägig? Verschiedene Merkmale deuten auf verschiedene Ursachen hin. Manchmal lässt sich erkennen, ob jemand wirklich eine Krankheit hat, die behandelbar ist, oder ob man über eine bestimmte Stoffwechsellage positiv eingreifen kann. Es gibt Erkrankungen wie die Parkinson-Krankheit oder ein Parkinson-Syndrom, bei denen das Zittern eine Rolle spielt. Der Fragesteller ist wahrscheinlich körperlich ohne Befund, hat aber das Phänomen. Was macht man da? (In meiner Praxis gab es etwa einen Medizinproduktevertreter, der Chirurgen am Präparat vorführt, wie man es in situ einbaut, und der in diesen Situationen zu zittern begann, das ist alles andere als angenehm.)

Nicht das Zittern, die Bewertung

Zittern an sich ist Zittern. Wichtig ist, auf die Bewertungsebene zu kommen, also darauf, was unser Gehirn uns automatisch zu unseren Sensationen anbietet. Wir gehen meist nicht wegen der Beschwerde selbst zum Arzt, sondern wegen der Bewertung, die der Kopf oben draufsetzt: „Das war mir peinlich, jetzt denken die schlecht über mich." Damit können wir arbeiten. Was genau sagt dein Kopf dazu, welche Befürchtung kommt oben drauf? Bring das in eine tabellarische Übersicht, so erlebst du beim Aufschreiben eine situative Entlastung und findest einen strategischen Umgang. Dafür gibt es die Befürchtungstabellen-Videos, in denen wir Schritt für Schritt durchgehen, du ersetzt einfach das Thema durch deines.

Worauf ich hinaus will: Wir kommen unweigerlich an den Punkt, welche Relevanz das Zittern im Alltag konkret spielt. Nach meiner Erfahrung steht bei vielen gar nicht das Zittern im Vordergrund, sondern die Gedanken darüber, obwohl das Zittern im Alltag kaum auftaucht. Es geht also nicht darum, das Zittern abzustellen, sondern die Gedanken rund um das Zittern zu verändern. Das ist der wichtige Unterschied: Das Zittern ist nicht das Thema, sondern die Gedanken drumherum.

Nicht in Panik verfallen: der Blick nach vorn

Zur zweiten Frage. Wir denken am Tag etwa 60.000 Gedanken, von denen nur rund 3000 neu sind, 95 Prozent dessen, was ich heute erlebe, ist wie gestern, und gestern wie vorgestern. Deshalb konzentriere ich mich mit Klienten nicht auf Vergangenheit oder Kindheit, sondern auf das heutige Erleben und den Blick nach vorn: Bauen wir heute keine Unterschiede ein, wird morgen größtenteils wie heute. Plane, was morgen anstelle der negativ erlebten Präsenzen da sein soll. Ist morgens der erste Gedanke ein Suchgedanke nach dem Symptom, warum ist das da, wird es wahrscheinlich keinen erkennbaren Auslöser und keine Antwort geben, die das Suchen stoppt. Hast du gestern nichts anderes formuliert, bist du noch auf Autopilot und suchst morgen nach dem Symptom, weil du den Autopiloten noch nicht überschrieben hast.

Wenn du morgen früh (stellvertretend für morgen Mittag, morgen Abend, Zukunft) nicht an die Symptome denken willst, woran dann? Ein Beispiel: Meine Kinder erzählen beim Spielen manchmal nur von Nintendo, und ich frage mich, wie ich mich als Vorbild anders verhalten kann, damit sie andere Themen anbieten. Ich würde gern wieder Klavier spielen, als ehemaliger Berufsmusiker und Musikschullehrer, dafür müsste ich mir die Zeit schaffen, und wenn das Kind mitbekommt, wie ich an den Tasten werke, entsteht vielleicht Motivation, sich selbst hinzusetzen.

Was kannst du heute tun, um dein Gehirn so umzuprogrammieren, dass du morgen ein anderes Feedback bekommst? Ein NLP-Grundsatz: Wir dürfen unser Verhalten so lange verändern, bis wir bekommen, was wir wollen, auch uns selbst gegenüber. Frag dich also: Woran möchtest du morgen beim Aufwachen denken, wenn nicht an ein Symptom? Definier Ziele im Anwesenheitszustand des Erwünschten. Nicht „ich will nicht im Stau stehen", denn welches Bild hast du dann im Kopf, sondern „freie Straße". Nicht „kein Nashorn mit rotem Lippenstift und Perlenkette", Bild, Bild, Bild, sondern „ich komme auf freien Straßen zügig und sicher ans Ziel". Es geht um Bilder, die dich in Bewegung bringen, der Inhalt ist weniger wichtig als die Struktur, und die Struktur braucht Quantität. Dafür stell dir heute einen Wecker, von allein machst du es nicht, weil kein Impuls kommt (siehe das Video zu Selbstmotivation und Ehrgeiz, warte nicht darauf, dass dein Gehirn den Impuls setzt, setz ihn selbst). Ein Wecker, der fünfmal am Tag klingelt, und wenn er klingelt, sagst du dir, dass du an diesem Tag etwas Schönes erleben wirst, und teilst dir das ein, auch wenn du findest, dass der Tag nicht besonders schön werden wird, damit du anfängst, ihn anders zu erleben.

Wie du vom Zittern weg zu den Gedanken darüber kommst und deinen Fokus nach vorn lenkst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.

Dich belastet das Zittern vor allem über die Gedanken drumherum, und du möchtest daran arbeiten? Nach ärztlicher Abklärung begleite ich dich gern. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

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