Welcher Arzt kann wirklich helfen bei Schwindel, Panik und Derealisation?

Eine Zuschauerin aus Österreich schreibt: Seit zwei Jahren Probleme mit Extrasystolen und Schwankschwindel, einen Ärzte-Marathon hinter mir, am Schluss bei der Psychologin gelandet. Sie meinte, ich habe eine Angst- und Panikstörung, und könnte Sertralin verschreiben. Meine Therapeutin, bei der ich seit zwei Jahren bin, hat keine gezielte Therapie, sondern hört mir nur zu. Ich brauche Anhaltspunkte, um mein Leben ändern zu können.

Warum der Ärzte-Marathon systembedingt normal ist

Das ist ein sehr repräsentatives Bild, viele Menschen kennen den Schwankschwindel und das Gefühl, Extrasystolen zu haben (ob es überhaupt Extrasystolen sind und ob man sie spürt, dazu gibt es ein eigenes Video). Man geht zum Hausarzt, der das meiste Ungefährliche gut im Griff hat und ab einer gewissen Schwierigkeit weiterverweist, neurologisch, kardiologisch, orthopädisch, psychiatrisch. Das ist erst mal okay.

Entscheidend ist: Ärzte diagnostizieren nicht von ungefährlich nach gefährlich, sondern von gefährlich nach ungefährlich. Der Hausarzt sagt, Sie sind jung und sonst gesund, Ihre Kopfschmerzen kommen kaum von einem Hirntumor, eine wahrscheinlichkeitsorientierte Herangehensweise. Der Facharzt schaut beim Schwankschwindel zuerst von oben herab auf das Gefährlichste, etwa Morbus Menière, und bei Extrasystolen kardiologisch, ob ein Vorhofflimmern vorliegt, um eine Embolie und einen möglichen Schlaganfall auszuschließen. Die Fachärzte schließen das Gefährliche aus und sagen dann, Gott sei Dank ist es das nicht, alles Gute. Dann stehst du als Betroffene da, das Symptom ist aber noch da.

Genau hier liegt die Symptomebene, die im heutigen Modell der Medizinversorgung von Ärzten nicht adäquat behandelt werden kann, weil Fachärzte das Gefährliche ausschließen, damit ist ihr Job gemacht, und gut gemacht, und der Hausarzt hat weder Zeit noch Budget, sich darum zu kümmern. So, wie du es erlebst, siehst du es richtig. Es ist frustrierend, dass einem keiner vernünftig weiterhelfen kann.

Die Psychologin, die Diagnose und das Antidepressivum

Dass du bei der Psychologin gelandet bist, ist erst mal richtig. Eine psychosomatische Diagnose nach ICD-10 setzt nach den Kriterien eine Symptomdauer von mehr als zwei Jahren voraus. Dass die Ärztin sagt, das könnte psychosomatisch sein, ist eine Richtungsweisung. Oft kommt dann relativ schnell ein Antidepressivum ins Spiel. Sertralin ist ein typisches Standardmittel zu Beginn, ebenso Venlafaxin oder Citalopram, typische Einstiegsmedikamente, grundsätzlich gut verträglich und gut getestet, viele haben damit gute Erfahrungen gemacht. Typisch ist aber auch der Hintergrund: Ich weiß nicht genau, was Sie haben, und vielleicht auch nicht genau, wie ich Ihnen helfen kann, aber etwas muss ich machen, also schreibe ich ein Medikament auf. Hilft das? Manchen ja, denn es gibt genug Menschen, die bei Schwindel, Panik, Angst und Depression gut auf ein Medikament reagieren, manchen nicht.

„Meine Therapeutin hört nur zu"

Das kann sehr gezielt sein, es nennt sich Gesprächspsychotherapie nach Rogers, eine wertschätzende, empathische Grundhaltung, bei der der Patient das Problem und zugleich die Lösung mitbringt und der Therapeut nicht eingreift. Das ist grundsätzlich gut, ich arbeite in den Gesprächen auch viel nach Rogers. Denn jeder Mensch handelt so, wie es in dem jeweiligen Moment seine beste Alternative ist, jemandem zu sagen „das war falsch", hat noch keinem geholfen, durch Kritik werden Menschen nicht besser. Eine rein nach Rogers arbeitende Therapie richtet immer noch deutlich weniger Schaden an als jede psychoanalytische Herangehensweise.

Diese Gesprächspartnerin würde ich nicht unbedingt ersetzen. Wenn du zwei Jahre zu jemandem gehst und eine Basis hast, lohnt es sich, diese Basis zu halten. Ein Therapeutenwechsel ist selten das zentrale Element, das weiterbringt, oft zählt mehr, überhaupt jemanden zu haben, dem man erzählen kann. Schau dir das Video zum Thema Klartext an: Wer mit Menschen kommuniziert, mit denen er nicht Klartext sprechen kann, will oder darf, hat eine gute Grundlage für depressive Zustände, solche Beziehungen fressen Energie.

Was du selbst tun kannst

Es gibt im Alltag Dinge auf sicht- und hörbarer Ebene, für die ein adäquater Reaktionsmechanismus existiert. Vielleicht sind die Extrasystolen gar nicht da und du nimmst etwas anderes wahr, oder sie sind da, und du hast dir eine stark gesteigerte Introspektionsfähigkeit antrainiert, sodass du sie sogar merkst. Ich will nicht sagen „probier mal rum", sondern konkret: Schau dir das Video an, wie ein Gefühl entsteht, Sehen und Hören sind die wichtigsten Kanäle. Fang an, deine Gedanken zu fassen, schreib konkret auf, welche Bilder du vor dem inneren Auge siehst, meist mehr negative, dramatische als positive, und was du dir den ganzen Tag auditiv selbst sagst, meist viele Befürchtungen. Der Schwankschwindel ist kein Problem, das Problem ist deine Bewertung dieser Wahrnehmung (siehe das Video, warum ein Problem da ist). Meinen Tinnitus höre ich nie, außer ich rede über Tinnitus, unsere Problematik besteht oft nicht wegen des Symptoms, sondern wegen unserer Bewertung, wir schreiben den Dingen immer Wert und Bedeutung zu.

Hast du diese Konflikte ans Tageslicht gebracht, male dir ein Problem-Regal auf, grenze deine Problembereiche klar voneinander ab und verstehe: Eine Symptomatik ist nicht Ausdruck einer Krankheit, sondern entstanden auf der Grundlage antrainierter Denkprozesse, wir haben sechsspurige Datenautobahnen im Kopf. Du wirst erkennen, welche antrainierten Strukturen und Inhalte bei dir vorherrschen, und dann geht es darum, dort mehr Kontrolle wirken zu lassen. Das beginnt damit, die eigenen Gedanken zu fassen, in der Hypnotherapie Pacing und Leading: erst spiegeln und Einverständnis erzeugen, dann behutsam führen, ganz getreu dem Motto, dein Kopf denkt doch, was du willst.

Wie du den Weg vom Ärzte-Marathon zur eigenen Arbeit an den Denkmustern findest, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.

Dein Ärzte-Marathon hat nichts Behandelbares ergeben, und du möchtest endlich Anhaltspunkte, um dein Leben zu ändern? Ich begleite dich gern. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online, auch in Österreich. Buch dir hier deinen Termin.

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