„Wenn ich es mir lange genug einrede": Was an dem Spruch dran ist

Markus aus der Schweiz schreibt, seine Oma habe schon gesagt: Wenn ich mir etwas nur lange genug einrede, dann habe ich es auch. Scheinbar hatte sie recht. Was steckt da dran?

Nicht nur weg vom Problem

Für mich stellt sich die Frage, was wir eigentlich ändern wollen. Klar, die meisten wollen ihre Symptome weghaben. Aber es geht nicht nur ums Wegmachen. Stell dir eine Skala vor: Was wir nicht wollen, ist eine Weg-von-Bewegung, weg vom Schlechten. Was wir wollen, ist ein Hin-zu, besser und besser. Oft hat ein Problem sowieso erst dadurch Einzug ins Leben gehalten, weil etwas anderes fehlte. Mancher sagt, meine Vergangenheit drängt sich ständig in meine Gegenwart. Bei den meisten ist es eher umgekehrt: Die Vergangenheit ist gar nicht so kraftvoll, aber der Gegenwart und vor allem einer gewünschten Zukunft haben wir noch nicht genug entgegengestellt.

Self-fulfilling Prophecy und ihre Grenzen

Das hat viel mit self-fulfilling prophecies zu tun. Ich sage gern, wir bekommen so viel Geld, wie wir brauchen, also sollten wir nicht verändern, wie viel wir bekommen, sondern wie viel wir brauchen, halten wir an unseren Zielen und Bildern fest, kommt der Rest leichter. Das geht Richtung The Secret. Würde ich mich betriebswirtschaftlich darauf verlassen? Nein. Kann man das als Formel auf alles übertragen? Nein. Aber man darf solche Aussagen für sich sinnvoll nutzen. Und: Unsere Energie folgt immer unserem Fokus. Der Motorradfahrer, der zu schnell in die Kurve geht, fährt geradeaus in die Leitplanke, weil er aus Angst nicht dorthin schaut, wohin er will. The Secret finde ich nicht uninteressant, aber verlassen will ich mich auf nachvollziehbare, greifbare Faktoren.

Verhalten verändert Gefühl

Schau auf meinem Kanal nach dem Löwenbild-Video, sinngemäß, so veränderst du mit deinem Verhalten dein Gefühl. Die Kernidee ist die James-Lange-Theorie aus dem 19. Jahrhundert: Je nachdem, wie wir uns verhalten, entsteht ein Gefühl, im Englischen fake it until you make it. Das lässt sich an vielen Punkten im Leben aktiv einsetzen.

Du kannst viel verändern, aber nicht alles

Man könnte meinen, man könne mit verändertem Denken alles erreichen. So sehe ich das nicht ganz, es gibt Grenzen. Ich kann lernen, Dinge schön oder sinnvoll zu finden, die es vorher nicht waren. Aber alles lässt sich nicht schönreden, das wäre, als streute man Zimt auf einen Hundehaufen. Es geht nicht darum, ein Extrem zu erreichen, in dem wir alles kontrollieren, dagegen hat unser Gehirn etwas, es will automatisch dramatisch und negativ denken. Es geht darum, vom alten, erlebten Extrem ein Stück wegzukommen, ein Stück Kontrolle zu haben und Veränderung planbar zu machen, indem wir Exzellenz modellieren.

Das heißt auch: Wer eine ausgeprägte Symptomatik hat, muss nicht sein Leben lang alles aufschreiben, jede Befürchtung notieren oder ständig Affirmationen üben. Auch mir geht es gut, ohne das ständig zu tun. Ich arbeite seit über zehn Jahren erfolgreich mit diesen Modellen, und trotzdem kommt auch bei mir mal der Gedanke, bin ich morgen pleite? Er wird nicht wahr, aber er kommt, und es geht darum, wie ich damit umgehe.

Ein persönliches Wort

Weil es da draußen viele Neugierige gibt und manche schreiben, das habe wohl nicht für ein richtiges Studium gereicht: Ich bin Hochschulabsolvent der Business Economics, unter anderem mit Banking and Finance sowie Arbeits- und Organisationspsychologie, habe Psychologie studiert, bin systemisch und familientherapeutisch ausgebildet und war auf dem Weg zum kassenzugelassenen Psychotherapeuten. Diesen Weg habe ich bewusst abgebrochen, weil ich gemerkt habe, dass „kassenzugelassener Psychotherapeut werden" und „Menschen helfen, sich wohlzufühlen" für mich zwei verschiedene Dinge sind. Kinder- und Jugendlichentherapie würde ich für mich nie machen, Respekt vor allen, die das tun, aber als Kindertherapeut sitzt man oft mit den Folgen nicht funktionierender Beziehungs- und Kommunikationsmuster der Erwachsenen zusammen, das ist nichts für mich.

Was ich sagen kann: Wir können eine ganze Menge im Kopf verändern. Wir müssen dabei nicht alles verändern. Und wenn wir ein Stück weit investieren, finden wir mit der Zeit eine gute Linie, auf der wir die meiste Zeit entspannt im Automatikmodus unterwegs sind.

Wie du mit Fokus, Verhalten und realistischen Grenzen dein Erleben veränderst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.

Du willst viel verändern, ohne dich zu verlieren, und eine gute Linie für deinen Alltag finden? Ich begleite dich in der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

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