Was halte ich von Homöopathie? Eine klare, wissenschaftliche Antwort
Eine Zuschauerin hat gefragt, was ich von homöopathischen Präparaten halte. Darauf habe ich eine recht klare Antwort, was eine Empfehlung angeht.
Mein wissenschaftlicher Zugang
Ich bin in meiner Herangehensweise, medizinisch, psychologisch und betriebswirtschaftlich, einfach sehr wissenschaftlich eingestellt. Ich komme aus der Medizin und der Notfallrettung und bin von Hause aus auch Betriebswirtschaftler, unter anderem mit dem Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie. Ich möchte meinen Eindruck gern über eine Fußnote verifizieren können, deshalb achte ich auch hier auf die Studienlage. Und die sagt seit Jahrzehnten reproduzierbar: Es hilft, aber nicht mehr als der Selbstheilungseffekt des Körpers.
Ich finde Homöopathie trotzdem nicht grundsätzlich schlecht. Die Studienlage zeigt zum Beispiel, dass sie den verfrühten Einsatz von Antibiotika verzögern kann, und das ist gut, denn der großzügige Antibiotika-Einsatz hat viel geleistet, aber auch Probleme wie Resistenzen begünstigt.
Was die Akupunktur-Studien zeigen
Formate wie Homöopathie und Akupunktur beruhen auf dem Selbstheilungs- beziehungsweise Placebo-Effekt. Ein Beispiel: Man hat untersucht, ob Akupunktur so sinnvoll ist wie eine Schmerztherapie, um sie von den Kassen übernehmen zu lassen. Bei einigen Patienten half sie genauso gut. Dann hat man Akupunktur gegen Akupunktur gestellt, eine Gruppe regulär, eine Gruppe ohne Rücksicht auf die Meridianlehre, also einfach irgendwohin genadelt, und kam zum nahezu gleichen Ergebnis. Das heißt: Es ist egal, wohin man nadelt, das Setting bringt den Vorteil. Ähnlich bei der Homöopathie, die ohnehin keinen Wirksamkeitsnachweis im Sinne von Wirkstoffen hat. Vielen hilft es, aber im Sinne eines Placebo-Effekts.
Der große Fehler
Grundsätzlich spricht also nichts dagegen, diese Präparate auszuprobieren. Kritisieren würde ich nicht die Präparate an sich, das ist ja vor allem Laktose, sondern die Vermarktung, das teils sehr aggressive Marketing bis hin zu Klageandrohungen gegen Ärztinnen seitens größerer Produzenten.
Wichtig ist die oft genannte „Erstverschlechterung". Die ist im Grunde nur der Prozess, dass du etwas gegen ein Problem tust und dann das Symptom stärker beobachtest, durch diesen Fokus machst du es größer und präsenter. Sie passiert nicht, weil es immer so ist, du kannst gar keine Erstverschlechterung haben, wenn du das Präparat nimmst und an etwas ganz anderes denkst. Genau daraus resultiert auch der Wirksamkeitsaspekt: Du bist mit deinen Gedanken woanders.
Das ist der eigentliche Fehler, neben dem Geld, das man ausgeben kann: sich mit einem Präparat zu behandeln und genau das Symptom zu beobachten, das man beeinflussen will. Wer das zu lange macht, dem kann kein Homöopathikum und keine Akupunktur der Welt helfen, denn Energie folgt immer dem Fokus.
Deshalb: Wenn du Homöopathie oder Akupunktur nutzt, achte erstens darauf, durchaus daran zu glauben, dass es funktioniert, und zweitens, deinen gedanklichen Fokus nachhaltig weg vom Symptom hin zu anderen Gedanken zu richten, was auch immer das ist, Hauptsache, es bindet deine Aufmerksamkeit woanders.
Wie Fokus und Erwartung Wirkung erzeugen und wie du deine Aufmerksamkeit bewusst lenkst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
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