Welche Mittel können bei Schwindel, Panik und Derealisation helfen?
Die Frage: Gibt es ungefährliche, verschreibungsfreie Medikamente, Vitamine oder Kräuter, die der Symptomatik entgegenwirken, aber deutlich verträglicher sind? Das kann man aus mehreren Perspektiven sehen.
Johanniskraut und Phytopharmaka
Phytopharmakologisch kann man durchaus mit Johanniskraut arbeiten, teils frei verkäuflich als Nahrungsergänzungsmittel. Man sollte relativ hoch dosieren, weil der Wirkeintritt sechs bis zwölf Wochen brauchen kann. Zu bedenken ist: Ein pflanzliches Präparat wie Johanniskraut wirkt ähnlich wie ein synthetisches Produkt, zum Beispiel Citalopram, nämlich als selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. SSRI steht für Serotonin Selective Reuptake Inhibitor, die Idee war, dass mehr Serotonin im synaptischen Spalt für bessere Stimmung sorgt. Phytopharmakologisch heißt übrigens nicht, dass wir in der „Alternativkiste" unterwegs sind. Es gibt keine alternative Medizin, es gibt Alternativen zur Medizin, so wie es keine „Alternativphysik" ohne Schwerkraft gibt. (Wichtig bleibt: Gerade Johanniskraut kann Wechselwirkungen haben, deshalb jede Einnahme vorher mit Arzt oder Apotheker abklären.)
Vitamine
Hochdosierte Vitamine sind kritisch zu betrachten. Zum Thema Ernährung empfehle ich das Werk von Bas Kast, „Der Ernährungskompass", eine Art Metastudie über die relevantesten ernährungsbezogenen Studien, gibt es auch als Hörbuch. Grob für den typischen Durchschnittsdeutschen: Wir brauchen Vitamin B12, auch als Mischköstler, nicht nur als Veganer, und meist Vitamin D, weil nördlich der Alpen besonders im Winter eine Hypovitaminose eine Rolle spielt. Von Vitaminpräparaten darüber hinaus halte ich wenig, solange nicht fachärztlich labormedizinisch abgeklärt ist, dass wirklich ein Mangel an einem Makro- oder Mikronährstoff besteht.
Kräuter, Heilpraktiker und der Wunsch nach dem „Trick"
Hier bin ich zwiegespalten. Heilpraktiker werden auf ihre Wissenskomponente amtsärztlich engmaschig geprüft, das Prozedere habe ich selbst durchlaufen. Aber die Behandlungsmethoden erlebe ich teils als sehr unreflektiert. Wenn jemandem ein „Allergietest" angeboten wird, bei dem etwas auf eine Kupferplatte gelegt und der Patient an ein Gerät angeschlossen wird, dann ist das wissenschaftlich nicht belegt und stammt aus einem fragwürdigen Kontext, was den Leuten oft nicht gesagt wird.
Zwei Probleme sehe ich. Erstens: Der Patient wird in der Hausarztstruktur mit wenigen Minuten pro Termin oft nicht gut abgeholt und geht deshalb zum Heilpraktiker, der sich zwei Stunden Zeit nimmt, auch wenn das viel kostet. Zweitens: Viele suchen „den Trick" („Ärzte hassen diesen Trick"), aber es gibt kein Superfood und kein Allheilmittel. Dahinter steckt oft der Wunsch, dass jemand etwas macht und man danach weiterleben kann wie bisher. Das funktioniert meist nicht. Was Menschen brauchen, ist jemand, der ihnen ehrlich aufzeigt, dass eine bestimmte Lebensweise bestimmte Wechselwirkungen und eine Symptomlage nach sich zieht. Schau dir dazu das Video zum Sinn des Lebens an, wo ich auf die Ernährungsstudie von Bas Kast eingehe: „Ich höre auf meinen Körper" ist Quatsch, denn der Körper leitet uns zu Überleben und Fortpflanzung, nicht zu einem langen, gesunden, glücklichen Leben, das geht mit den typischen Zivilisationskrankheiten einher.
Warum Rituale und Suggestion trotzdem helfen können
Gleichzeitig ist der Einsatz von Homöopathika und ähnlichen Dingen nicht per se verkehrt, wegen des ritualhaften Charakters. Aus der Studienlage: Homöopathie und Akupunktur helfen nicht über den Selbstheilungseffekt hinaus, bei der Akupunktur gibt es keine zu beachtende Meridianlehre. Aber wenn das Setting passt, glaubt der Patient, dass es hilft, und dann geht es ihm besser, viel Suggestion. Du hast dir dein Symptom über suggestive Denkmuster angelacht, und du kannst es über die Veränderung suggestiver Denkmuster auch wieder verändern, da wollen wir hin.
Wenn jemandem dreimal täglich ein homöopathisches Präparat hilft, in dem nichts als gepresster Milchzucker steckt, go for it. Akupunktur kann man machen, aber es kann einiges schiefgehen, etwa bei unsauberen Nadeln. Von hochdosierten Vitaminen würde ich abraten, weil eine Hypervitaminose mit Krankheitsbildern einhergehen kann. Ob Bachblüten oder verschreibungsfreie homöopathische Präparate, geh auf unbedenkliche Sachen. Trink dreimal täglich einen Kräutertee, und denk an die Flüssigkeit, wir trinken zu wenig und zu viel Kaffee, Cola und Alkohol. Guck, was dir hilft, aber mach dir bewusst, worauf es dabei wirklich ankommt.
Wie du über veränderte Denkmuster statt über das eine Mittel an deine Symptome herankommst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
Du suchst ein sanftes Mittel und möchtest zugleich an den Ursachen arbeiten? Entscheidungen zu Präparaten triffst du mit Arzt oder Apotheker, die Arbeit an den Mustern begleite ich gern. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.