„Was, wenn es doch körperlich ist?" Der Zweifel und was wirklich hilft
Ein Zuschauer schreibt, sein Kommentar sei keine Kritik, sondern eine Diskussionsanregung. Sein Einwand: Es gibt in der Medizin Erkrankungen, bei denen der Arzt bei Routineuntersuchungen nichts findet und man trotzdem körperlich etwas hat, deren Ursache nicht allein psychisch ist. Oft ist die genaue Ursache ungeklärt, etwa bei Migräne oder dem Restless-Legs-Syndrom. Außerdem wurden früher organische Erkrankungen als psychisch fehlinterpretiert, etwa die multiple Sklerose, bevor man das organische Korrelat fand, oder bis weit ins 20. Jahrhundert Homosexualität als psychische Störung. Wie kann man vor diesem Hintergrund darauf vertrauen, dass es rein psychisch ist? Und wenn teils etwas Körperliches dahintersteckt, wird es durch Psychotherapie nie geheilt, wie soll man damit umgehen?
Der Zweifel ist selbst Teil des Musters
Das sind berechtigte Punkte, und in den meisten Fällen wird eine Erkrankung zumindest psychisch verstärkt. Aber schau dir diese Angst „es ist doch was Körperliches" genauer an. Du gehst beim Arzt heraus, er sagt, Sie sind gesund, und dir geht es gut. Aber es geht dir nicht gut, weil der Arzt es gesagt hat und weil es stimmt, sondern weil du darauf aufbauend für zwei Wochen deine Befürchtungsgedanken zu diesem Thema nicht mehr hast. Manchmal löst sich das ganz. Meist kommt nach zwei Wochen das Gehirn zurück: Was, wenn er sich vertan hat, etwas übersehen hat, was, wenn seitdem etwas gewachsen ist, was, wenn ich eine Krankheit habe, die man noch gar nicht kennt. Das hat jeder, wir sitzen alle im gleichen Boot.
Wir glauben an das, was wir am häufigsten gehört haben. Sagt der Arzt einmal „gesund", dein Kopf aber 99-mal „krank", dann taucht die Problematik schnell wieder auf, und das macht der Kopf nicht, weil es wirklich so ist, eine mögliche organische Krankheit ist ja nicht mit einem Sprachzentrum im Gehirn verbunden. Du bist in einem Zustand, den du zugelassen hast, noch nicht aufgestanden und hast gesagt, ich möchte anders denken.
Keine 100-Prozent-Garantie, aber zwei Wege
Ich kann dir keine hundertprozentige Garantie geben, dass nicht doch eine organische Störung dahintersteckt. Aber schauen wir die Möglichkeiten an. Möglichkeit eins: Du bleibst im negativen Zustand, hast weiter Symptome, es geht dir schlecht, und suchst weiter nach einer organischen Ursache. Möglichkeit zwei: Du behältst eine weitergehende organische Abklärung im Hinterkopf, fängst aber an, dich um deine Psyche zu kümmern, über diese Videos, über Kontakt zu mir, über therapeutische Gespräche. Von der Logik her macht es keinen Sinn, immer weiter nur zu verfolgen, ob es doch organisch ist, und die eigene Kopfgesundheit zu vernachlässigen. Und selbst wenn die Symptome irgendwann weg sind: Hast du deine Bewertungsmechanismen und Muster nicht umtrainiert, bist du damit noch kein glücklicher Mensch.
Die Wahrscheinlichkeit, dass es wirklich organisch ist, ist bei guter diagnostischer Abklärung gering. Maximale Sicherheit kann dir niemand geben, wir leben nicht in einer Welt der Garantien, und dass man erkranken kann, ist das Lebensrisiko. Es kann sein, dass doch etwas Organisches dahintersteckt, aber es macht keinen Sinn, nur nach organischen Hintergründen zu suchen und eine gesunde Psyche außer Acht zu lassen. Fang parallel damit an, wenn es dir guttut. Oder, um es zugespitzt zu sagen: Ein gesunder Körper ist keine Garantie für einen gesunden Geist.
Wie du den Restzweifel „es ist doch was Körperliches" einordnest und deine Bewertungsmuster umtrainierst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
Dich hält der Zweifel gefangen, es könnte doch etwas Körperliches sein? Nach guter ärztlicher Abklärung begleite ich dich gern dabei, dich um deine Psyche zu kümmern. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.