Die wichtigsten Werkzeuge auf einen Blick

Du bist am Ende dieses Buches angekommen. Wir haben einen Weg zurückgelegt, der vom Verstehen über das Erkennen der Mechanismen bis zur konkreten Praxis und zur Anwendung auf einzelne Symptombilder reichte. Das ist mehr, als sich an einem Stück verarbeiten lässt. Deshalb gibt es dieses Schlusskapitel: Es enthält keinen neuen Stoff, sondern eine Verdichtung auf wenige Seiten, die du immer wieder zur Hand nehmen kannst, als Anker, Erinnerung und kompakter Wegweiser. Fünf Bereiche: die drei tragenden Modelle, der Vier-Begriffe-Kompass, das Aufschreiben in drei Formen, das Motto des Buches und einige Sätze für schwierige Tage.

Die drei tragenden Modelle

Das erste Modell ist die Annahme des Schweigens. Legt dir dein Kopf eine Behauptung vor, eine Befürchtung, eine Sorge, eine Selbstbewertung, und du schweigst darauf, dann gilt sie als angenommen. Sie wird gespeichert, verfestigt sich und kommt morgen mit etwas mehr Selbstverständlichkeit wieder. Schweigen ist nicht neutral, es wirkt als Zustimmung. Der wichtigste Schritt dieses Buches ist der Übergang vom Schweigen zum Antworten. Die Antwort muss nicht klug, endgültig oder widerlegend sein, nur kurz, ruhig und realistisch, das genügt, um die Behauptung in der Schwebe zu halten, statt sie als Tatsache zu verbuchen.

Das zweite Modell: Energie folgt dem Fokus. Was Aufmerksamkeit bekommt, wird verstärkt. Organisierst du deinen Tag um deine Symptome, wachsen die Symptome, organisierst du ihn um das, was du willst und brauchst, wachsen deine Möglichkeiten. Diese Verschiebung geschieht nicht von selbst, sondern durch bewusste Entscheidung und tägliche Übung.

Das dritte Modell: Verantwortung als Antwortfähigkeit. Das englische Responsibility lässt sich auflösen in Response Ability, die Fähigkeit zu antworten. Verantwortung in diesem Sinne ist nicht Schuld und nicht Vorwurf, sondern die Position, von der aus Veränderung möglich wird. Solange du wartest, dass jemand anderes dein Leben in Ordnung bringt, geschieht wenig, sobald du antwortfähig wirst, beginnst du zu handeln und wirst zur Hauptperson deiner eigenen Veränderung.

Weißt du an einem schwierigen Punkt nicht weiter, frag dich, welches dieser drei Modelle gerade hilft: Hast du geschwiegen, wo du hättest antworten sollen? Hast du den Fokus auf etwas gerichtet, das du nicht verstärken willst? Hast du dich in eine passive Wartehaltung zurückgezogen?

Der Vier-Begriffe-Kompass

Quote ist die Häufigkeit, mit der du tatsächlich in dein Denken eingreifst, Hauptsache über null Prozent. Lieber zehnmal eine kurze Antwort als einmal eine perfekte und neunundneunzigmal vergessen, Quote ist oft wichtiger als Qualität. Kontinuität: Dein Gehirn fordert Veränderung nur, wenn es dir schlecht geht, geht es besser, sinkt die Quote von allein, und der Rückfall beginnt, deshalb weitermachen, gerade wenn es besser geht. Präsenzen sind die äußeren Erinnerer, Notizen am Schreibtisch, eine Karte im Portemonnaie, ein Bild auf dem Handy, kleine Anker, die für dich arbeiten. Wozu ist der Sinn, der das Tun trägt, ohne ein Wozu hältst du nicht durch. Ist die Praxis ins Stocken geraten, frag dich, an welchem dieser vier Begriffe es lag.

Aufschreiben in drei Formen

Das Aufschreiben ist das wichtigste Werkzeug dieses Buches. Das strategische Aufschreiben am Abend ist die regelmäßige, geplante Form: Du listest auf, was dich beschäftigt hat, und gehst es mit der Befürchtungstabelle durch, über Wochen zeigt sie deinem Gehirn, dass Befürchtungen meist nicht eintreten oder besser bewältigt werden als gedacht. Das situative Aufschreiben im Moment sind drei Sätze für akute Situationen: Was empfinde ich gerade? Was denkt mein Gehirn dazu? Was ist die wahrscheinlichste Realität? Das hebt dich aus dem Mittendrin in die Beobachterposition. Das reaktionsbezogene Aufschreiben pflegt deine Zuneigungen und räumt Befürchtungen aus dem Weg: Mikromomente, die dich angesprochen haben, was dir gutgetan hat, Unzufriedenheiten, Wünsche, die Quelle, aus der sich deine Lebensbewegung speist. Bei allen dreien: Mach es dir leicht, halt das Werkzeug in Reichweite, lieber zehn Sekunden im Stehen als gar nicht, und lies deine alten Aufzeichnungen ab und zu nach.

Das Motto

Über allem steht ein Satz: Was will ich und was brauche ich dafür? „Was ich will" öffnet die Frage nach deinen Zuneigungen, „was ich dafür brauche" die nach den konkreten Schritten zwischen Wollen und Tun. Weißt du morgens nicht, wie du den Tag angehst, frag dich diese beiden Sätze. Die Antwort darf klein und konkret sein, aber sie ist deine, nicht die Erwartung von außen. Die meisten Menschen leben, ohne sich diese Fragen zu stellen, sie reagieren auf Anforderungen und verlieren die Verbindung zu sich selbst. Stellst du dich diesen Fragen, kehrt etwas zurück: eine eigene Richtung, ein eigener Sinn, eine eigene Stimme. Lebensqualität entsteht nicht durch Symptombekämpfung, sondern durch Zuwendung zu dem, was du willst, und durch das Räumen der Hindernisse. Die Symptome verschwinden nicht, weil du sie bekämpfst, sondern weil du sie nicht mehr brauchst, um dir zu sagen, dass etwas im Argen liegt.

Sätze für schwierige Tage

Für Tage, an denen dein Kopf zurück will: Mein Kopf macht gerade seinen Job, mehr nicht, das ist sein Programm, nicht meine Wirklichkeit. Ich darf antworten, statt zu schweigen. Was Aufmerksamkeit bekommt, wird verstärkt, wo soll meine Aufmerksamkeit heute hingehen? Ich bin nicht schuld, aber ich bin antwortfähig. Quote ist oft wichtiger als Qualität. Kontinuität ist der Schlüssel, gerade weil es geht. Was will ich heute, was brauche ich dafür? Die Symptome sind nicht der Feind, sie sind ein Bote, was sagen sie mir gerade? Ich gehe einen Weg, von dem ich noch nicht weiß, wohin er führt, aber ich bewege mich. Liest du diese Sätze immer wieder, werden sie zur Datenautobahn, die in Krisenmomenten bereitsteht.

Was bleibt

Du hast kein fertiges Repertoire mitgenommen, sondern einen Werkzeugkasten, den du füllen darfst. Es wird Tage geben, an denen du nicht weiterkommst, und Phasen, in denen die Symptome lauter werden, obwohl du alles richtig machst, das ist nicht das Scheitern deiner Praxis, sondern ein Bestandteil davon. Bleib dran, was du säst, wächst, auch wenn du es nicht jeden Tag siehst. Vor allem wirst du eine andere Beziehung zu dir selbst finden: Du erlebst dich nicht mehr als Patient deiner Symptomatik, sondern als jemanden, der einen Weg geht. Diese Selbstwahrnehmung ist mehr wert als das Verschwinden jedes einzelnen Symptoms. Was ich dir wünsche, ist kein Leben ohne Symptome, sondern eines, in dem Symptome nicht das Zentrum bilden, sondern eine Stimme unter vielen sind, die sich melden darf, ohne dass sie dich beherrscht.

Dieses Schlusskapitel stammt aus meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen". Das ganze Konzept findest du hier:

COVER_BILD_URL_EINSETZEN

→ Buch & Hörbuch ansehen

Du möchtest diese Werkzeuge mit Begleitung in deinen Alltag bringen? Ich begleite dich in der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

Zurück
Zurück

„Was, wenn es doch körperlich ist?" Der Zweifel und was wirklich hilft

Weiter
Weiter

Was dein Alltag wirklich mit dir macht