Was tun bei einem ständigen Krankheitsgefühl?

Ein Zuschauer schreibt zum Thema Hypochondrie: Ich habe seit Jahren ständig das Gefühl, dass ich krank bin, obwohl mehrere Ärzte mich durchgecheckt haben. Dennoch verspüre ich ein allgemeines Krankheitsgefühl über mehrere Tage, bis es komplett verschwindet. Bei den Corona-Symptomen etwa erkenne ich kaum den Unterschied zu einer normalen Erkältung und steigere mich weiter in negative Gedanken. Liegt es daran, dass ich ständig daran denken muss?

Die Abklärung als Grundlage

Eine ärztliche Abklärung ist bei neu auftretenden Symptomen immer zu empfehlen, auch, um Sicherheit zu haben. Schaut ein erfahrener Arzt auf deine Symptome und erkennt, dass alles in Ordnung ist, haben wir eine gute Grundlage, um uns um dich und deinen Kopf zu kümmern.

Dabei dürfen wir bedenken: Häufig gehen wir nicht wegen der Beschwerden zum Arzt, sondern weil uns die Befürchtungen quälen. Was, wenn es etwas Schlimmes ist oder wird? Wir gehen also nicht, weil es uns schlecht geht, sondern weil wir fürchten, es könnte schlechter werden. Der Arzt sagt, du bist gesund, das entlastet kurz, hält aber oft nicht lange. Schnell kommen die Befürchtungen zurück: Was, wenn er etwas übersehen hat, was, wenn ich inzwischen etwas Neues bekommen habe?

Warum die Entlastung nicht bleibt

Wir glauben nicht an das, was richtig ist, sondern an das, was wir am häufigsten gehört haben. Und unsere Befürchtungen sind oft viel präsenter als die entlastende Bestätigung des Arztes, dass du keine ernsthafte Krankheit hast. Deshalb bleibt das „du bist gesund" nicht lange im Kopf, und es entsteht das Gefühl, dem Arzt nicht glauben oder vertrauen zu können. Das Vertrauen in den eigenen Körper kommt nicht von allein, wir müssen es uns erarbeiten, indem wir unserem Körper immer wieder bewusst Vertrauen aussprechen.

Wichtig ist auch: Die Aufgabe des Arztes ist, dich zu untersuchen, eine mögliche Krankheit früh zu erkennen und gegebenenfalls früh zu behandeln. Manchmal fühlt man sich unwohl, obwohl der Arzt sagt, man sei gesund. Gesundheit und Unwohlsein gehören in vielen Fällen zusammen, ein Krankheitsgefühl steht nicht automatisch für eine Erkrankung.

Nicht das Symptom, die Gedanken darum

Es ist schwierig, allgemein gültige Antworten und schnelle Tipps zu geben, weil sie für jeden unterschiedlich passen. Schau dir die Videos lieber mehrmals an, um die für dich richtigen Stellen zu finden, damit dein Gehirn sie immer wieder erlebt, denn wir glauben an das, was wir am häufigsten hören. Oft können wir das Symptom nicht direkt verändern, weil viele Symptome auf komplexen gedanklichen Strukturen aufbauen, und auch Gefühle lassen sich nicht sofort ändern. Wir können aber lernen, die Gedanken zu verändern, und so mit der Zeit Gefühle, Emotionen und Symptome positiv beeinflussen. Uns fällt es nur schwer, ins eigene Denken einzugreifen, wir lassen zu oft stehen, was das Gehirn uns anbietet, und erleben Widerstand, etwas zu denken, was das Gehirn so noch nicht denken würde.

Akzeptanz der emotionalen Bewertung

Hier kommt Akzeptanz ins Spiel, aber nicht die Akzeptanz der Sache selbst, das funktioniert meist nicht. Es geht um die emotionale Bewertung, die ich akzeptieren lernen darf. Ich soll nicht akzeptieren, dass ich mir einen Kratzer ins Auto gezogen habe, weil es zu nah am Garagentor stand, aber ich darf akzeptieren, dass mich das sehr ärgert. Akzeptiere ich meine Emotionen, fällt es mir leichter, mich davon zu distanzieren, und der Kratzer ist mir bald egal.

An das Krankheitsgefühl selbst kommst du vielleicht nicht direkt heran. Erkennen und beeinflussen können wir aber die vielen Gedanken, die im Alltag rund um dein Krankheitsgefühl auftreten. Man kann nicht pauschal sagen, an was du denken sollst, aber: Versuch, alle Gedanken rund um die Symptomatik zu erfassen, indem du sie aufschreibst. Manche Gedanken lösen die Symptomatik aus, andere folgen auf die Wahrnehmung eines Symptoms, da suchen wir nicht unbedingt den Auslöser, aber den bewertenden Gedanken. Das ist der erste Schritt, um zu verstehen, dass im Alltag viele Gedanken auftreten, die wegen der Problematik da sind, sie aber zugleich erzeugen, fixieren und das Krankheitsgefühl aufrechterhalten.

Dein erster Schritt ist also, dir einen Überblick über all diese Gedanken zu verschaffen. Der zweite Schritt ist, sie zu beeinflussen und gegen andere auszutauschen, die mit einem besseren Gefühl einhergehen. So lernst du mit der Zeit mehr über die Ursachen deines ständigen Krankheitsgefühls und kannst deine Symptome positiv beeinflussen.

Wie du die Gedanken rund um dein Krankheitsgefühl erfasst und austauschst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.

Du fühlst dich ständig krank, obwohl die Ärzte nichts finden? Nach ärztlicher Abklärung begleite ich dich gern. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

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Jedes neue Symptom immer wieder abklären lassen?