Durchfall und Verdauungsbeschwerden durch Stress?

Ein Zuschauer schreibt: Ich habe seit einem Jahr Durchfall, Stechen und Ziehen im Bauch, gelben Stuhl. Ultraschall und zwei Stuhlproben wurden genommen, alles in Ordnung, mir wurde Stress gesagt. Wenn ich daran denke und dem Problem Aufmerksamkeit gebe, wird es schlimmer. Werde ich bekloppt?

Beobachtung oder Introspektion?

Hier geht es um somatische Beschwerden, also körperlich spürbare, Durchfall und eine Stuhlverfärbung. Wichtig ist zu unterscheiden, ob jemand ein Symptom einfach bemerkt hat oder ob er es vor allem deshalb mitbekommt, weil er sehr stark auf seine körperlichen Vorgänge achtet. Je stärker wir auf etwas achten, desto eher bekommen wir es mit.

Die Google-Falle

Du schreibst von einer Verfärbung Richtung gelblich. Da ist klar, hier wurde gegoogelt und man ist beim Begriff Fettstuhl gelandet. Gibt man „gelblich verfärbter Stuhl, ockerfarben" ein, kommt schnell der Fettstuhl, der auf eine Verdauungsstörung hindeuten kann, die ärztlich abgeklärt gehört, etwa eine Pankreasinsuffizienz, die sich mit Medikamenten relativ gut und schnell behandeln lässt. Das ist nicht so wild, aber googeln und dann in Panik geraten macht keinen Spaß.

Wichtig bleibt: Bei solchen Symptomen lohnt sich die ärztliche Abklärung. Heißt das, jedes neue Symptom sofort abklären? Nein, es gibt einen Algorithmus, wie man das steuert, man kann auch mal zwei Tage aushalten.

Wie Stress auf Magen und Darm schlägt

Die beschriebenen Symptome passen zu Stress. Bei ständigen Problemen, unlösbaren Aufgaben, Druck schüttet der Körper immer weiter Stresshormone aus, der Puls steigt, die Atmung geht schneller, der Blutdruck wird stabilisiert, unter anderem über eine Vasokonstriktion der blutzuführenden Gefäße. Dieselben Hormone sorgen auch für mehr Magensäure. Mehr Magensäure bedeutet häufiger latentes Unwohlsein, Magendrücken, Schleimhautentzündungen am Morgen bis hin zu Magengeschwüren. So können aus dem Druck, der Stresshormone ausschüttet, mit der Zeit solche Symptome entstehen.

Woher der gelbe Stuhl?

Nicht direkt von den Stresshormonen, die färben den Stuhl nach meinem Wissen nicht gelb. Aber die Stressaffinität führt bei vielen zu einer erhöhten Introspektionsfähigkeit, und deine frühere Ernährung hat vielleicht ohnehin schon zu einem eher gelblichen Stuhl geführt, der dir jetzt erst richtig auffällt.

Nach Wahrscheinlichkeit vorgehen

Kann das vom Stress kommen? Grundsätzlich ja. Es werden sich einige melden, bei denen der Arzt doch etwas gefunden hat, das gibt es auch, ist aber relativ selten. Deshalb lohnt es, nach Wahrscheinlichkeitsmustern vorzugehen, statt sofort zu entscheiden, „psychisch" oder „nur organisch". Dazu gibt es das Video, ist mein Problem psychisch oder organisch bedingt, mit einer Vier-Felder-Matrix. Wer eine gedankliche Belastung mitbringt und organisch diffuse Symptome hat, sollte der Reihenfolge nach zuerst das näher anschauen und daran arbeiten, und wenn die körperliche Symptomatik dann noch besteht, das Organische weiter abklären.

Wie du einordnest, ob dein Problem eher psychisch oder organisch bedingt ist, und an den Mustern dahinter arbeitest, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.

Dein Magen-Darm-Thema ist abgeklärt und du vermutest Stress dahinter? Ich begleite dich gern. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

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Was tun bei einem ständigen Krankheitsgefühl?