Warum werden wir im Alter ängstlicher?
Ich bin gerade ein paar Pisten gefahren, erst ein Stück hier runter, dann rübergezogen, über die Kreuzung und mit dem Lift wieder hoch. Unterwegs mit drei sehr höflichen Briten, man lernt hier nette Leute kennen. Zuletzt war es viel eisig, drückt mir die Daumen für eine gute Abfahrt. Dann über den Gipfel komplett abgefahren und mit dem Bus zurück, weil das Kind Lust auf die Skischule hatte. Ich hatte zweieinhalb Stunden und habe alles geschafft.
Und dazu wollte ich etwas erzählen: Wie kommt es eigentlich, dass wir mit zunehmendem Alter ängstlicher werden oder mehr zum Besorgnisträger werden? Diese Frage bekomme ich im Praxiskontext häufiger gestellt, und ich glaube, ich habe dafür mittlerweile eine noch elegantere Antwort.
Der Kopf denkt in Szenarien
Schau dir das Video an, in dem es um Szenarien geht. Unser Kopf hat unter anderem die Aufgabe, automatisch negativ, dramatisch und misserfolgsorientiert zu denken und zu bewerten, und unser Gehirn denkt in Szenarien. Diese Szenarien sind im Prinzip nur ein Arbeitsprozess des Gehirns, es konfrontiert sich mit der Frage, was ist, wenn etwas Schlimmes, Ungünstiges oder Gefährliches passiert.
In dieser Szenarienthematik können wir plump davon ausgehen: Mit zunehmendem Alter haben wir zunehmend mehr Erfahrung, mehr „auf der Platte", die in diese Szenarien eingebaut wird. Dinge, die in meinem Kopf irgendwann eine Rolle gespielt haben und hochkommen, treten wiederum ein Szenario los, speichern sich ab und sind die Grundlage für das nächste Szenario. Theoretisch kann sich so ein Szenarienweg immer weiter extremisieren, das sieht man auch an manchen Menschen, die sich immer tiefer in ein Szenario hineinschrauben.
Mehr Erfahrung, mehr Input, andere Aufgaben
Mit zunehmendem Alter haben wir mehr Erfahrungsmuster und mehr Erlebnisse, also mehr Input, aus dem ein Szenario erarbeitet werden kann. Dazu kommt, dass wir mit fortschreitendem Lebensalter und fortschreitender Lebenserfahrung andere Aufgaben haben, andere Dinge, mit denen wir uns konfrontieren müssen. Ein Beispiel: Heute habe ich nicht groß nachgedacht, ich habe die Zeit genutzt. Aber als ich drüben war, ging mir der Gedanke durch den Kopf, was ist, wenn dem Kind etwas passiert und ich bin nicht da. Der war nicht dauernd da, und ich habe mich davon auch nicht abhalten lassen. Vor zehn Jahren hätte ich mir diese Frage gar nicht stellen können, denn da hatte ich kein Kind.
Deshalb können wir sagen: Mit zunehmendem Lebensalter werden wir ängstlicher, weil wir mehr Szenarien und mehr Erfahrungswerte haben und weil wir andere Aufgaben um uns herum haben, für die wir andere Reaktionsmuster im Kopf brauchen, die letztlich immer etwas mit Sicherheit zu tun haben.
Wie du erkennst, wie dein Kopf Szenarien baut, und anders damit umgehst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
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