Warum bekommt man eine Angststörung?
Eine Frage zum Video „haben Ängste eine Bedeutung": Folgendes verstehe ich nicht, warum entwickeln manche Menschen Angststörungen und andere nicht? Die ängstlichen Gedanken, zum Beispiel „Kind unter Lawine", haben vielleicht alle Eltern, aber nicht jeder wird dadurch verrückt vor Angst. Gehen wir der Frage nach, warum der eine Ängste bekommt und der andere nicht.
Die meisten Angstgedanken sind kein Krankheitshintergrund
Aus meiner Sicht und nach dem aktuellen Stand der Hirnforschung sind die meisten angstauslösenden Dinge, die wir im normalen Alltag wahrnehmen, kein Krankheitshintergrund und keine krankheitsbezogenen Gedanken. Ein Großteil dessen, was wir auf der gedanklichen Ebene erleben, dürfen wir zunächst differenzieren. Schau dir das Video an, wie ein Gefühl entsteht: Unser Gehirn verarbeitet Informationen vorrangig in Bildern und im Auditiven. Schenken wir diesen Wahrnehmungskanälen Beachtung, welche Bilder hat jemand, der viel Angst angibt, welche inneren Stimmen jemand, der unter Sorgen leidet, finden wir in der Regel eine adäquate Anknüpfung an das, was die Symptome beschreiben.
Bei so gut wie jedem Betroffenen in meiner Praxis finden wir einen adäquaten Zusammenhang zwischen den Gedanken und dem Symptom, das entsteht. Sagt jemand „mir geht es nicht gut", sind seine Symptome in der Regel wegen seiner Denkmuster da. Das gilt nicht für jeden Extremzustand, aber in den meisten Fällen bestimmen die Gedanken die Symptomatik.
Zur Rolle der Antidepressiva
Nimmt jemand ein Antidepressivum und es geht ihm am Ende gut, weil er weniger Symptome hat, läge das dann an veränderten Denkmustern? Lass diese Theorie kurz durch den Kopf gehen: Dann würden wir eine Art Gedankenmanipulation betreiben, weil Antidepressiva die Leute anders denken ließen. So funktioniert es nicht. Antidepressiva dämpfen in der Regel vorübergehend die emotionale Bewertung, die idealerweise wieder nachlässt, wenn man sie in Absprache mit dem Arzt absetzt, sie verändern nicht, was du inhaltlich denkst, und dein Gehirn kann mit der Zeit umtrainieren. (Dazu mache ich noch ein eigenes Video. Entscheidungen zu Medikamenten triffst du immer mit dem verschreibenden Arzt.)
Wir sitzen alle im gleichen Boot
Gehen wir der Frage nach, warum der eine Ängste bekommt und der andere nicht, dann ist die Ausgangslage: Wir sitzen alle im gleichen Boot, jeder von uns hat angstauslösende gedankliche Mechanismen, Gedanken, die uns Lasten, Sorgen und Misserfolge aufzeigen. Jeder hat ungefähr die gleichen auslösenden Befürchtungen, das ist der Grundstatus.
Du bist hier nicht als Patient beim Psychiater gelandet, ich arbeite nicht im Kontext „ich bin gesund, du bist krank". Und wir sind bewusst nicht im Kontext, in dem ich sage „ich bin klug, weil ich etwas studiert habe". Wir sind in einem Kontext, in dem der entscheidende Unterschied zwischen dir und mir Coping-Strategien und Kompetenztechniken sind, die ich bereits kann und mir erarbeitet habe, in zehn Jahren, 11.600 Stunden Gesprächen, über 750 Klienten, denen ich helfen konnte, sich glücklicher, gesünder und wohler zu fühlen. Wir tauschen hier gemeinsam Kompetenzen aus.
Der Unterschied liegt in der Übung
Erlebt jemand die gleichen Impulse und Umweltstrukturen, warum bekommt der eine ein erhöhtes Maß an Angst bis hin zu einer diagnostizierbaren Angststörung, und der andere kommt gut zurecht? Das liegt in der Regel nicht in der Natur des Menschen, sondern in der Übung, in den Coping-Strategien, also wie er mit den Dingen umgeht, die auftauchen. Der entscheidende Unterschied liegt nicht darin, ob jemand Befürchtungsgedanken hat, sondern darin, wie er damit umgeht.
Wie du die Coping-Strategien und Kompetenztechniken aufbaust, die den Unterschied machen, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
Du möchtest lernen, besser mit deinen Befürchtungsgedanken umzugehen, statt dass sie dich überrollen? Ich begleite dich gern. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.