Warum verschwindet die Motivation so schnell wieder?

Ein Zuschauer hat unter den Ehrgeiz-Videos gefragt: Warum verschwindet die Motivation so schnell wieder? Isoliert finde ich die Frage richtig gut.

Motivation ist ein Reaktionskonstrukt

Aus Sicht der modernen Hirnforschung, nicht der klassischen Psychoanalyse oder Tiefenpsychologie, ist Motivation ein Reaktionsgebilde, ein Reaktionskonstrukt, das nicht einfach so da ist. Ich formuliere es gern so: Es gibt keine Faulheit. Jeder Mensch verhält sich immer so, wie es in diesem Moment seines Lebens die beste Alternative ist. Und es gibt viele Menschen, die gerade wenig Grund haben, in Bewegung zu kommen, keine großen Ziele, aber auch keine Schmerzen, warum sollten sie dann in Bewegung kommen?

Es bringt wenig, sich am scheinbar dauermotivierten Nachbarn zu messen. Wichtiger ist, die Hintergründe zu verstehen, was Menschen motiviert, diszipliniert, ehrgeizig macht. Und man darf sich fragen, ob man das überhaupt nachbilden möchte. Wer mit hochrotem Kopf 150 Prozent durch die Firma rennt, hat oft gar keine großen Ziele, zu denen er sich hingezogen fühlt, sondern glaubt, einen Kopf kürzer gemacht zu werden, wenn er nicht 150 Prozent gibt. Das ist Schmerzvermeidung und macht unter anderem kardiovaskuläre Erkrankungen mit aus. Ich möchte hin-zu sein, nicht weg-von. Deshalb geht es vielleicht gar nicht so sehr um Motivation (lateinisch movere, bewegen), sondern um Begeisterung. Denn wenn ich mich für etwas begeistere, lässt sich kaum eine Vermeidung dahinter finden.

Warum die Motivation so schnell wieder weg ist

Erstens: Motivation oder Begeisterung ist die Reaktion auf etwas. Du hast ein gutes Bild im Kopf, wenn ich das erreiche, mega, und dein Gehirn gibt dir Energie, in diese Richtung zu streben. Im Alltag verblasst das Bild aber wieder. Bilder sind oft binär, an oder aus. Und wenn die Motivation auf dem Bild aufbaut und das Bild abfällt, muss auch die Motivation abfallen. Achte deshalb darauf, auf welche Kriterien hin du Begeisterung hast, und vor allem auf die Bilder und Präsenzen in deiner inneren Verarbeitung.

Zweitens: Unser Kopf sortiert im Gegenbeispiel-Modus. Ich habe ein Ziel, mein Kopf sagt, mach es nicht. Ich plane einen Urlaub, mein Kopf liefert sofort Gegenargumente, und entscheide ich mich dagegen, kommt prompt, aber überleg mal, was du Tolles verpasst. Das ist der Kopf, der in diesem Format agiert und uns vom Ziel wegzieht, Gegenargumente setzt, damit wir das Gewollte vielleicht doch nicht erreichen.

Das kognitive Ideen-Polytrauma

Beide Strukturen sind je für sich tödlich für unsere Energie. In der Notfallmedizin spricht man von einem Polytrauma, wenn jemand mehrere Verletzungen hat, von denen jede einzelne für sich tödlich ist. Übertragen: Die Motivation verschwindet schon, weil das Bild verschwindet, und sie verschwindet auch, weil der Kopf gegenargumentiert, jedes für sich ein tödlicher Hintergrund für die Motivation. Kommen beide zusammen, ist es ein kognitives Ideen-Polytrauma, mehr als der doppelte negative Einfluss. Das ist die Erklärung: Die auslösenden Bilder verschwinden schnell, und der Kopf bringt sogar Energie dagegen auf.

Was du tun kannst

Die besten Dinge sind meist einfach, auch wenn die wenigsten einfachen Dinge wirklich gut sind. Was hier einfach und gut ist: Greif die Bilder auf, die du erlebst, halte sie konstanter, lass sie überhaupt erst mehr selbst entstehen, greif Ideen mehr auf. Das ist eine Art Bodyhacking, Brainhacking: Verstehst du besser, wie dein Gehirn funktioniert, kannst du enorm davon profitieren.

Und weil dein Kopf dich von Veränderung abhalten will, indem er gegenargumentiert: Halte erstens deine motivierenden Bilder (Aufschreiben ist dabei immer willkommen), und beachte zweitens aktiv den Nicht-Veränderungs-Impuls, indem du anfängst, dich wirklich mit deinem Kopf zu unterhalten. Wo er ein scheinbares Gegenargument gibt, führ ihm entsprechende Pro-Argumente vor, damit dein Gehirn Impulse bekommt und mehr versteht, dass du derjenige bist, der die Kontrolle übernimmt, und du aufhörst, dich von deinem dramatischen Gehirn kontrollieren zu lassen.

Wie du deine motivierenden Bilder hältst und die Gegenargumente deines Kopfes nutzt, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.

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Warum die Motivation so schnell wieder verschwindet: Motivation ist ein Reaktionskonstrukt und baut auf einem inneren Bild auf, das im Alltag verblasst, und zusätzlich arbeitet der Kopf im Gegenbeispiel-Modus und zieht uns vom Ziel weg. Beide Faktoren zusammen bilden ein kognitives Ideen-Polytrauma. Warum Begeisterung stärker trägt als Schmerzvermeidung und wie du deine motivierenden Bilder hältst und auf Gegenargumente Pro-Argumente setzt.

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