Warum Symptome nach der Therapie bleiben, und was wirklich hilft
Ein Zuschauer schreibt: Ich war bis März etwa anderthalb Jahre in Therapie, davor wurden große Emotionen freigesetzt. Wann beruhigt sich das Ganze wieder? Ich erlebe alle Emotionen immer noch sehr stark, das fordert mich heraus und verunsichert mich. Eine gute Frage, und zwar aus mehreren Gründen.
Emotion, Denkstruktur, Veränderung
Wir dürfen hier trennen zwischen Emotion, Denkstrukturen und der Frage, ab wann Veränderung eintritt. Viele finden sich darin wieder: Sie bekommen einen Therapieplatz, machen eine Therapie, gehen heraus und haben trotzdem noch Symptome, und fragen sich, wann das wirkt. Zuerst muss man schauen, woran man überhaupt merkt, dass sich etwas verändert. Oft heißt es, ich habe doch negative Gedanken, Ängste, Panikattacken. Da ist eine Abgrenzung wichtig: Nicht weil jemand an einer Panikstörung erkrankt ist, hat er Panikattacken, mit solchen Diagnosen beschreiben wir immer nur eine Symptomatik.
Szenarien sind normal
Ein wichtiger Hintergrund hinter Angst, Depression und Panik: Unser Gehirn denkt gern in Szenarien und fordert sich damit heraus. Die Grundaufgabe ist, Erlebtes noch einmal zu erleben und wieder erlebbar zu machen, auch in gefährlich. Diese Szenarien gehören zum normalen Denken dazu wie das Atmen. Wenn ich im siebten Stock stehe und mein Kopf sagt, was wäre, wenn du jetzt herunterspringst, ist das kein Zeichen von Krankheit, sondern ein normales Szenario. Krankhaft wird es erst durch die katalogisierende Bewertung „das ist doch nicht normal", dadurch baut sich die Pathologie wieder auf. Die meisten psychischen Probleme resultieren entweder aus Unzufriedenheit oder aus den Szenarien, die der Kopf hineinbringt und die wir als krankhaft bewerten.
Was „geheilt" wirklich heißt
Wer als Kriterium nimmt, ich bin geheilt, wenn ich keine Szenarien und keine negativen Gedanken mehr habe, wartet vergeblich, denn diese Dinge sind normal. Möglicherweise steckt man auch anderthalb Jahre nach der Therapie noch in Szenarien und wundert sich, dabei beobachtet man physiologische, normale Prozesse. Schau dir das Video zu mentaler Gesundheit an: Es geht nicht darum, nach Therapie, Medikamenten oder Klinik „geheilt" ohne negative Gedanken dazustehen, sondern darum, Strategien zu lernen, um mit diesen Dingen besser umzugehen. Mentale Gesundheit ist kein Endzustand, sie entsteht jeden Tag neu, indem du Coping-Strategien erlernst, im Prinzip das, was wir hier in jedem Video machen.
Emotion allein verändert die Struktur nicht
Zur eigentlichen Frage: Ich unterscheide zwischen Emotionen und Denkstrukturen. Gehst du in Therapie, Klinik oder nimmst Medikamente, ist zu erwarten, dass etwas passiert, dafür macht man es. Im klinischen Bereich hast du oft nur ein Gespräch pro Woche, der Rest ist Gruppentherapie. Ziel ist, Strategien und Wissen aufzubauen. Beschäftigst du dich mit den Problembereichen, idealerweise sehr konkret mit deinen gedanklichen Präsenzen, das ist der Kern, wirst du emotional etwas erleben (siehe das Video, wie ein Gefühl entsteht, Bilder und innere Stimmen werden emotional verarbeitet). Warum hilft das nicht automatisch? Weil entscheidend ist, was nachhaltig verändert.
Über bewusst gewordene Gedankenpräsenzen, mit denen man arbeitet, kann emotionales Erleben Dinge abpuffern, entschärfen und Erleichterung bringen. Aber durch das bloße Prozedere, du erlebst etwas, reagierst mit einem Gefühl, und dann weiß keiner, was als Nächstes kommt, passiert für die Lernstrukturen im Kopf im Zweifel nichts. Denn wir glauben, was wir am häufigsten gehört und erlebt haben, nicht das Qualitative ist entscheidend, sondern das Quantitative. Willst du Strukturen wirklich verändern, geht es um Neuroplastizität: Das Gehirn arbeitet mit dem, wo die sechsspurige Datenautobahn liegt. Konfrontation und ein normales emotionales Reagieren legen nicht unbedingt eine neue an. Wenn sich also trotz Therapie wenig verändert, obwohl du ständig darauf wartest, hat dein Gehirn vielleicht nichts zum Trainieren.
Hinterfrag deshalb die Prozesse: Was erwartest du, was sich tut, und was ist eigentlich der Prozess, mit dem du glaubst, das zu bewirken? Stell das in einen Kontrast, dann lässt sich die Frage, wann du mit einer positiven Veränderung rechnen kannst, besser beantworten.
Wie du über das Training deiner Denkstrukturen echte Veränderung erreichst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
Du wartest nach einer Therapie darauf, dass es endlich besser wird? Lass uns an den Denkstrukturen arbeiten. Ich begleite dich in der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.
Dies ist ein sensibles Thema. Wenn es dir psychisch gerade sehr schlecht geht, wende dich bitte an deinen Arzt, deine Therapeutin oder eine Beratungsstelle.