Du musst keinen Stein ins Rollen bringen, du stehst dir nur selbst im Weg
Hast du schon mal das Sprichwort gehört, du musst einen Stein ins Rollen bringen? Ich bin kein großer Fan von solchen Sprichwörtern, vor allem, wenn mein Gegenüber keine konkrete Handlungsanweisung bekommt, was es umsetzen soll.
Konkret werden statt in Metaphern bleiben
In der Praxis wird das deutlich. Eine Klientin erzählte, jemand habe zu ihr gesagt, schalten Sie einen Gang zurück und fahren Sie auf die rechte Spur, sie fand das sinnig, blieb aber bei der Frage hängen, was sie konkret damit anfangen soll. Das sind Metaphern, in denen wir sprechen, etwa, ich fühle mich wie mit einem Gummiband fixiert und komme nicht weg. Ich bin ein großer Verfechter davon, konkret zu werden. So eine Metapher drückt zwar etwas Bildhaftes aus, aber sie zeigt mir noch nicht, was der eigentliche Konflikt ist. Ich habe mir erklären lassen, woran sie das Gummiband merkt: Sie sitzt am Online-Banking, will eine Rechnung überweisen und weiß zugleich, dass kein Geld mehr auf dem Konto ist, sie müsste also womöglich Schulden machen. In so einer Situation fällt es jedem schwer, in den Prozess hineinzukommen.
Lieber eine Dose als ein Stein
Hinter „einen Stein ins Rollen bringen" steht, dass jemand sich schon in einem defizitären Kontext befindet und Energie ins Modell gesteckt werden muss, damit über erlernbare Werkzeuge endlich ein Prozess ins Rollen kommt. So weit ist das Sprichwort hilfreich. Aber ein Stein ist gar nicht zum Rollen gemacht, es braucht viel Energie, ihn ins Rollen zu bringen und im Rollen zu halten. Ich verbessere die Idee: Wir bringen eine Dose oder einen Ball ins Rollen, das braucht viel weniger Energie, für den Impuls und für die Bewegung.
Übertragen heißt das: Ich entwickle mit dem Klienten Werkzeuge, die einfach und leicht sind. Braucht etwas zwei Handgriffe, machen wir es oft nicht, ist etwas zu kompliziert, ist es für unser Gehirn kaputt, und wir beschäftigen uns nicht mehr damit. Und wenn wir schon mit Fantasie solche Übungsszenarien bauen, setzen wir die Dose sogar vor eine schiefe Ebene, dann braucht es nur einen Impuls, und das System läuft von allein weiter. Werkzeuge sollen einfach sein, zum Menschen passen und Spaß machen, Veränderung soll Spaß machen.
Der eigentliche Punkt: die Hand wegziehen
Bisher ging es darum, Energie einzubringen, damit etwas ins Laufen kommt. Interessant ist aber: Viele Menschen suchen seit Langem nach dem Punkt, an dem endlich etwas in Bewegung kommt, dabei machen sie etwas ganz anderes. Zurück in die Metapher: Die Dose, der Ball für Veränderung, steht längst in der schiefen Ebene und rollt nur deshalb nicht los, weil die Leute ihn festhalten, weil sie ihn noch limitieren.
Damit geht die Metapher in eine andere Richtung. Es geht nicht immer darum, viel Energie durch Werkzeuge ins System zu bringen, sondern auch zu schauen, wo jemand sich einfach selbst im Weg steht. Dann muss er für Veränderung gar keine Energie aufbringen, sondern nur die Hand ein Stück wegziehen, und es läuft von ganz allein.
Wie du einfache Werkzeuge findest und erkennst, wo du dir selbst im Weg stehst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
Du wartest seit Langem darauf, dass sich endlich etwas bewegt? Vielleicht hältst du den Ball nur fest. Ich begleite dich in der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.