Warum es nicht um Symptomabbau geht, sondern um Kompetenzaufbau

Ein Zuschauer fragt nach konkreten Tipps zur Symptombewältigung, etwa um einen Kloß im Hals und starke Nervosität von 100 auf 50 Prozent zu bringen und sich in einer akuten Angstattacke selbst zu helfen. Den Wunsch verstehe ich gut, und zugleich steckt darin eine Problematik.

Warum der pauschale Tipp nicht funktioniert

Wenn du fragst, was gegen die Symptome hilft, geht das davon aus, dass ich dir etwas empfehlen könnte, das dann zuverlässig gegen die Symptome wirkt. Wir gehen hier davon aus, dass kein organischer Auslöser vorliegt, sonst säßest du beim Hausarzt. Auf der gedanklich-kognitiven Ebene müsste ein Tipp aber genau das Richtige bei dir auslösen. Denn die Symptome sind nicht Ausdruck einer Krankheit, sondern die beobachtbare Grundlage, auf der man überhaupt erst einen Krankheitsbegriff aufsetzt. Das Symptom ist Ausdruck entweder eines gedanklichen Prozesses, bei dem dir dein Gehirn immer wieder bestimmte Dinge anbietet, aus denen sich mit der Zeit etwas Symptomatisches aufbaut, oder eines zunehmend starken Fokus auf eine Sache, ein eher psychosomatischer Prozess. Und das beruht auf einer, im Großen zwar vergleichbaren, letztlich aber einzigartigen gedanklichen Vorkonstruktion, deiner. Ein Tipp müsste also genau das Bild auslösen, das auf diese einzigartige Struktur passt und das Symptom lindert, und die Wahrscheinlichkeit, dass das pauschal gelingt, ist gering.

Empfehlung eins und zwei: verstehen und erklären können

Der erste wichtige Punkt: Wir gehen nicht auf die Suche danach, was gegen das Symptom hilft, sondern danach, welche konkreten Grundlagen in deinem Kopf tagein, tagaus ablaufen, die mit den Symptomen einhergehen. Es gibt keine pauschalen Tipps, die immer funktionieren. Natürlich kann ich sagen, mach drei Tage lang das und das, dann hast du vielleicht drei Tage Ruhe, aber irgendwann kommt das Alte wieder.

Der zweite Punkt: Wir können meist gut erzählen, was uns stört und welche Symptome da sind, aber selten, wie sich die Situation im Drumherum abspielt. Wir sollten also gut erklären können, was das Symptom ist, denn die These ist, dass eine gedankliche Vorkonstruktion das Symptom erzeugt oder den Fokus darauf stark setzt, meist vom automatischen Gehirn vorgedacht, und wir lassen es zu oft stehen und greifen es auf. Genau da dürfen wir eingreifen. Deshalb vertiefen wir das Verständnis: nicht nur, das ist ein Symptom, und was ist im Moment der größten Problematik präsent, sondern auch, was passiert den ganzen Tag im Kopf, und vor allem, wie reagiere ich jeweils darauf. Denn es geht nicht um Symptomabbau, sondern um Kompetenzaufbau. Wir müssen nicht alles wissen, aber an den spezifischen Punkten verstehen, wie du dein Problem machst.

Warum Skalieren auf 50 Prozent meist nicht hilft

Manchmal macht eine Skalierung Sinn, überwiegend aber nicht. Wenn dein Symptom auf 50 Prozent runter soll, kannst du das nur bemessen, indem du das Symptom beobachtest, und beim Beobachten ziehst du es wieder in den Wahrnehmungsfokus und machst es damit in der Regel größer. Unsere Symptome sind meist nur deshalb so präsent, weil wir sie immer wieder zentral in der Wahrnehmung stehen lassen, weil der Kopf uns das anbietet. Alles, was mit einer Reduktion einhergeht, die wir dann beobachten wollen, ist deshalb oft eine schlechte Idee, das Beobachten verlängert die Symptompräsenz.

Drei Videos in Reihenfolge

Um das Verständnis in die eigene Denkkonstruktion zu gewinnen, schau dir Live-Therapie 27 an, da habe ich die wichtigsten Basiselemente zusammengefasst. Dann vergrößere das Verständnis für deine Situation mit dem Video zum Thema Vorgeschichte, um nachzuvollziehen, dass immer auch etwas aus deinem Handeln oder Unterlassen dazu beiträgt, dass die Symptome so wahrnehmbar sind. Und drittens das Video zum Modell, chronische Zustände überwinden, um zu verstehen, an welchen Punkten du ins eigene Denken eingreifst, um ein erneutes Abspeichern der Problemstrukturen zu unterbrechen.

Wenn du diese drei Punkte beachtest, Verständnis aufbauen, erweitern und den Kreislauf unterbrechen, wirst du einen Rückgang deiner Symptome wahrscheinlich zumindest im Nachhinein bemerken. Denn live verschwinden Symptome oft nicht, dann würden wir sie ja wieder fokussieren. Vor allem aber wird der Austausch über deine Situation viel leichter: Du kannst dann nicht nur sagen, welche Symptome du wahrnimmst, sondern auch, wie du mit dazu beiträgst, dass sie noch da sind, und daraus leitet sich oft schon ab, was du tun solltest. Mindestens kannst du so konkret kommentieren, dass ich dir sehr viel leichter einen passenden Tipp geben kann.

Wie du die Vorkonstruktionen in deinem Kopf verstehst und den Kreislauf unterbrichst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.

Du suchst den einen Tipp gegen deine Symptome? Lass uns stattdessen verstehen, wie du dein Problem machst. Ich begleite dich in der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

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