„Ich weiß doch, dass nichts passiert", warum hilft das Wissen nicht?

Ella hat ein Video kommentiert, das ich zur Frage gemacht hatte, ob Ängste eine Bedeutung haben. Sie versteht die Ausführungen gut, merkt aber, dass die Angst trotzdem bleibt, vor allem in Bezug auf den Schwindel und die Angst, umzukippen und nicht wieder aufstehen zu können. Und sie stellt heraus, dass ihr das gesamte in verschiedenen Therapien erworbene Wissen bisher nicht geholfen hat.

Wissen hilft meistens nicht weiter

Den Begriff des Wissens finde ich spannend. Oft hören wir: Ich weiß es doch besser, warum geht es mir dann nicht besser? Ich weiß doch, was mein Problem ist, ich weiß, was die Lösung ist, aber mir geht es nicht besser, oder ich verhalte mich nicht anders. Und tatsächlich hilft uns Wissen meistens gar nicht weiter.

Ein Gefühl ist in aller Regel ein Feedbackmechanismus auf Erlebnisse, Gedanken, Bilder und innere Stimmen, die wir im Kopf haben, nicht auf die Dinge, die um uns herum passieren. Auch Angst ist ein Feedbackmechanismus darauf, was vorher bei mir im Kopf war. Dass ich weiß, mir passiert nichts Schlimmes, hindert meinen Kopf nicht daran, in seinem antrainierten Modus Gedanken zu liefern, auf die ich von früher gut trainiert bin, die ich gut kenne und die immer wieder Angst auslösen. Das Wissen interessiert den Kopf dabei nicht. Wir glauben nicht an das, was richtig ist, wir glauben an das, was wir am häufigsten gehört haben.

Nicht Wissen, sondern Denken ist die Grundlage

Das bedeutet: Wissen ist nicht die Grundlage eines Gefühls, Denken ist die Grundlage eines Gefühls. Ein Beispiel: Du weißt, welche Schuhgröße du hast, aber im Alltag spielt das auf gedanklicher Ebene keine Rolle, du denkst nicht darüber nach, und dein Wissen über die Schuhgröße beeinflusst deine Emotionen nicht, es sei denn, du hast ein Thema damit. Aber die Dinge, die wir tagtäglich im Denken mit drin haben, lösen ein Gefühl mit aus.

Vom Wissen zum Denken

Deshalb ist der nächste Schritt, dass du einen Übertragungscharakter findest, dass die Dinge, die du weißt, sich mehr und mehr in dein Denken übertragen und du Automatismen entwickelst. Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass du anfängst, wirklich mit dir selbst zu sprechen. Willst du ein anderes Gefühl als die Angst, brauchst du einen anderen Input auf deiner gedanklichen Ebene, der ein anderes Gefühl bringen kann. Jeder Gedanke wird von unserem Gehirn verarbeitet. Willst du also ein anderes Gefühl, musst du andere Gedanken im Kopf haben, und wenn du sie nicht hast, und wir haben keine Garantie, dass irgendeine Therapie dafür sorgt, dass du andere Gedanken im Kopf hast, dann musst du sie dir selber sagen.

Und wenn du einen anderen Gedanken mehr oder weniger automatisiert im Kopf haben möchtest, gilt wieder das Sprichwort: Wir glauben an das, was wir am häufigsten gehört haben. Wissen hilft dir nicht dabei, deine Angst zu überwinden, sondern die Routine, andere Denkmuster mehr und mehr zu denken, die dir helfen, entspannter durchs Leben zu kommen.

Wie du Wissen in Denken und Automatismen überträgst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.

Du weißt vieles über deine Angst, und trotzdem bleibt sie? Lass uns aus Wissen Denken machen. Ich begleite dich in der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

Zurück
Zurück

Dein Gehirn kann nicht nicht lernen: So veränderst du dein Denken

Weiter
Weiter

Warum es nicht um Symptomabbau geht, sondern um Kompetenzaufbau