Warum du mehr Kontrolle über deine Gefühle hast, als du denkst
So kannst du deine Gefühle beeinflussen, indem du Dinge in deiner Umwelt veränderst. Zunächst ist wichtig: Jedes Gefühl ist in der Regel untrennbar mit einem Gedanken verbunden. Gefühle sind Feedbackmechanismen auf das, was wir vor dem inneren Auge sehen, was wir uns innerlich sagen und wie wir uns verhalten. Je nachdem, was auf der gedanklichen oder der Verhaltensebene präsent ist, entsteht ein entsprechendes Gefühl, und das läuft oft in Kreislaufprozessen.
Wir und unsere Umwelt
Wir Menschen stehen in einem engen Austausch mit unserer Umwelt und reagieren stark auf das, was auf uns einwirkt, gutes Wetter, eine Corona-Krise, vieles, was mit unseren Gedanken wechselwirkt und so unsere Gefühle beeinflusst. Normalerweise sind wir Meister darin, unsere Umwelt nach unseren Bedürfnissen anzupassen, wir sind die erste Spezies mit einem irreversiblen Effekt auf diesem Planeten. In der Krise haben viele auch deshalb ein Problem, weil wir gerade nicht in gewohnter Freiheit die Umwelt an uns anpassen können, sondern uns ihr anpassen müssen.
Im Normalfall aber können wir unsere Umwelt günstig beeinflussen: Ich entscheide, welche Dinge ich um mich positioniere, wie ich mein Büro gestalte, welche Farbe an der Schlafzimmerwand ist, welche Bilder ich aufhänge. Und je nachdem, was um mich herum positioniert ist, beeinflusst das meine Gedanken, und die Gedanken meine Gefühle.
Vom gewünschten Verhalten rückwärts denken
Warum wollen wir die Gefühlsebene überhaupt beeinflussen? Oft, weil sich daraus Verhalten ableitet: mehr für die Uni tun, mehr Sport, die Familie mehr genießen. Ist das entsprechende Gefühl da, sehe ich mich eher in diesem Verhalten. Wichtig: nicht auf Willenskraft setzen. Wenn ich mich überwinden muss, mehr für die Uni zu tun, kommt am Ende oft nur Käse raus. Besser geht man den Weg rückwärts: Welches Gefühl wäre für dieses Verhalten gut? Und welche Gedanken, welche Bilder vor dem inneren Auge und Selbstgespräche, erzeugen dieses Gefühl?
Das Usability-Prinzip
Noch ein Schritt weiter: Welche Dinge kannst du konkret in deine Umwelt stellen, die dir helfen, auf die gewünschten Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen zu kommen? Hier wirkt ein Prinzip aus dem Marketing, die Usability. Ein iPhone hat eine extrem hohe Usability, ein altes Nokia mit T9-Tastenerkennung eine niedrige, darauf hat man keine Lust. Wir tun Dinge, wenn sie einfach sind. Ein Handgriff, wunderbar, beim zweiten oder dritten wird es kompliziert. Wenn ich in drei Läden fahren muss, um Klopapier zu kaufen, lasse ich es lieber.
Also: Positioniere Dinge in deiner Umwelt, die einfach greifbar sind, hohe Usability haben und dich zu den gewünschten Gedanken und Gefühlen führen. Willst du mehr für die Uni tun, stell dir Sichtbares in den Alltag, ein Buch, etwas, das dich an den Beruf erinnert, auf den du hinarbeitest. Genauso in der Krise: Gestalte deine persönliche Umwelt so, dass es dir leichtfällt, nach Dingen zu greifen, die dich auf andere Gedanken bringen und dir helfen, besser zurechtzukommen.
Und je nachdem, wie wir uns fühlen, verhalten wir uns, und je nachdem, wie wir uns verhalten, fühlen wir uns, dazu passt das Video zur James-Lange-Theorie. Wir können also etwas an unserer Situation tun, indem wir Dinge mit hoher Usability positionieren, die uns in ein gewünschtes Verhalten und in einen guten Kreislauf bringen.
Die Kernaussage: Du hast über viele Dinge, die deine Gefühle betreffen, viel mehr Kontrolle, als du glaubst. Eine konkrete Möglichkeit ist, mit hoher Usability Dinge in deiner Umwelt zu positionieren, die dir helfen, auf gute Gedanken zu kommen und dich leichter durch den Alltag zu bewegen.
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