Warum du die Logik hinter deiner Angst nicht verstehen musst
Ich habe schon einige Beiträge zum Thema Auslöser von Ängsten gemacht. Im Grunde ist die Wahrheitsfindung schwierig, in der Psychologie streitet man noch, ob Angst ein Reflex ist oder etwas anderes. Es gibt im Prinzip keine standardisierten Therapieverfahren mit Garantie, die gibt es sowieso nicht, aber eine zufriedenstellende Vorhersagbarkeit, dass man einen Umgang mit seinen Ängsten findet.
Warum „einmal lösen" nicht funktioniert
Viele erwarten, sie könnten ihre Ängste einmalig und ohne eigenes Zutun lösen: einmal Hypnose, und weg. So funktioniert es in aller Regel nicht. Es geht nicht darum, keine Ängste mehr zu haben, sondern Umgangsmöglichkeiten zu finden, anders mit den Ängsten und inneren Erlebnissen umzugehen. Wir haben häufig Angst ohne klaren Auslöser, weil das Gehirn es so abgespeichert hat, und wir haben Angst, weil sie ein gesunder Reaktionsmechanismus auf das ist, was wir auf der inneren Verarbeitungsebene erleben.
Plausibilität herstellen
Täglich sitzt jemand vor mir und sagt, mir sollte es eigentlich gut gehen, tut es aber nicht, warum? Meine erste Herangehensweise ist, Plausibilität herzustellen, also Verständnis darüber, welche Bilder und Themenstrukturen da sind. Dieses Grundverständnis macht es leichter zu akzeptieren, dass wir für Veränderung selbst etwas tun und am Ball bleiben dürfen.
Warum wir vor manchen Dingen Angst haben
Gerade Ängste ohne Auslöser zeigen: Das Gehirn hat irgendwann gelernt, dass etwas gefährlich ist, und schüttet Stresshormone aus, ohne dass ich einen auslösenden Gedanken reflektieren kann. Warum vor manchen Dingen und nicht vor anderen? Wir kommen mit Angst vor Dingen auf die Welt, die groß, laut, hell oder dunkel sind, ein Schutzmechanismus, der mit der Zeit lernt, dass vieles ungefährlich ist. Im Alltag heißt das: Sitzt das Kind quengelnd am Tisch, weil eine Fliege da ist, bleibe ich mit ihm sitzen, damit das Gehirn mitbekommt, die Fliege sitzt da, und es passiert nichts. So sammeln wir Erfahrungswerte.
Die Scheinlogik des Gehirns
Ich bekomme täglich Nachrichten, hast du einen kurzen Tipp? Im Prinzip ja: Egal, warum deine Angst da ist, wichtiger ist, dass du jetzt anfängst, neu zu lernen. Das gefällt den meisten erst nicht, weil sie dann selbst etwas tun müssten.
Dazu ein Beispiel. Ich muss einmal pro Stunde in die Hände klatschen, damit in meiner Straße keine Elefanten auf und ab laufen, in deiner auch nicht. Und es funktioniert, hast du schon Elefanten auf der Straße gesehen? Ich auch nicht. Oder der Käse: Es gibt Käse mit Löchern, je mehr Käse, desto mehr Löcher, je mehr Löcher, desto weniger Käse, also je mehr Käse, desto weniger Käse. Irgendwie unlogisch, irgendwie logisch. Genauso arbeitet unser Kopf: Blauer Himmel, aber fünf Kaffee intus, das System reagiert über, es werden Stresshormone ausgeschüttet, und hinterher schließt das Gehirn, weil ich Stresshormone ausgeschüttet habe, haben wir überlebt. Das stimmt nicht, wir haben überlebt, weil keine Lebensgefahr bestand, nicht wegen der Stresshormone. Das Gehirn merkt sich die falsche Kausalität und macht es wieder so.
Nicht verstehen, sondern umtrainieren
Deshalb kommt ihr nicht weiter, wenn ihr die Logik hinter euren Ängsten verstehen wollt. Die Logik lautet schlicht: Ihr habt etwas auf der inneren Verarbeitungsebene, auf das Angst eine adäquate Reaktion ist, oder euer Kopf hat eine Stresshormonausschüttung für eine Situation abgespeichert, die gar nicht mit Lebensgefahr einhergeht. Mein Fazit: Versucht nicht herauszufinden, warum ihr Angst habt, und verbringt eure Zeit nicht damit, die Logik der Stressreaktion zu verstehen. Legt lieber neue Verbindungen darüber, programmiert neu. Fangt an, wirklich mit euch zu sprechen. Nehmt die Abkürzung und trainiert direkt neue Strukturen.
Wie du direkt neue Denkstrukturen trainierst, statt die Logik deiner Angst zu ergründen, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
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