Warum dein erster Gedanke selten dein bester ist
Ich gebe euch ein Beispiel aus der Sitzung, weil ich denke, das ist ein gutes Modell, das ihr mal ausprobieren könnt. Eine Klientin, Mitarbeiterin in einem Unternehmen, neigt dazu, manchmal Aufgaben zu machen, die sie eigentlich gar nicht machen möchte und auch nicht müsste. Merkt sie dann, oh, ich habe schon wieder etwas gemacht, was ich nicht wollte und sollte, regt sie sich tierisch auf. Gefühlsmäßig ist das plausibel. Die Frage: Was kann sie tun, um das zu verändern?
Denk immer ein zweites Mal nach
Mein Vorschlag: sich antrainieren, immer ein zweites Mal über eine Sache nachzudenken. Immer? In den Strategien, die wir besprechen, sprechen wir häufig über Extremwerte, nicht im Sinne von extrem belastend, sondern weil wir ja immer versuchen können, Kontrolle über das eigene Denken zu bekommen. Kommen solche Grenzwerte ins Spiel, geht es nicht darum, sie zukünftig perfekt zu erreichen, sondern darum, vom alten Extrem, einfach reflexhaft zu ticken, wegzukommen. Deshalb: Versuch wirklich immer, ein zweites Mal nachzudenken, das hilft, dieses Modell überhaupt im Kopf zu haben.
Warum das zweite Nachdenken so wichtig ist
Ein zweites Mal nachzudenken heißt, über das erste Mal hinauszugehen. Warum ist das wichtig? Weil unsere erste Reaktion fast immer reflexhaft oder aus dem Antrainierten kommt. Oft bestätigt das zweite Nachdenken die Entscheidung, dann verifizieren wir ein gutes Entscheidungsmuster. Manchmal merken wir aber, da kommt ein Reflex um die Ecke, mit dem unser Gehirn seine Ziele durchdrücken will.
Und das Kernziel des Gehirns ist das situative Überleben, nicht, dass wir als seine Träger lange, gesund und glücklich leben. Das macht Sinn, es hat unseren Vorfahren das Überleben gesichert. Aber die Grundeinstellung des Menschen verleitet dazu, salopp gesagt, nackt durch den Wald zu wandern, ungewaschenes Obst zu essen, mit Anfang 20 an einer Mandelentzündung zu sterben, vieles davon entspricht nicht unseren Zielen. Das erste, reflexhafte Reagieren sichert vielleicht das Überleben, aber nicht unbedingt gute Entscheidungen für unsere Ziele.
Was das im Alltag bringt
Ein zweites Mal nachzudenken hilft, einen reflexorientierten Fehler in Bezug auf die eigene Zielebene zu vermeiden. Beispiel: Ein Mandant kommt und fragt, können Sie das noch machen, und mein erster Gedanke ist, ja klar, geben Sie her. In diesem Moment denke ich ein zweites Mal darüber nach. Manchmal entscheide ich, ich mache es, aber erst später, oder, ich mache es nicht, weil es nicht mein Job ist. Und dann wird das Leben einfach entspannter.
Wie du reflexhafte Entscheidungen erkennst und zu deinen Zielen passende triffst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
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