Warum Begeisterung besser ist als Ehrgeiz
Du wünschst dir manchmal, ehrgeiziger, disziplinierter oder motivierter für etwas zu sein? Das Thema Ehrgeiz läuft mir in der Praxis häufiger über den Weg. Da kommt etwa ein Klient und sagt, schauen Sie sich meine Frau an, die ist so ehrgeizig, die schreibt an einem Tag zehn Seiten für ihre Doktorarbeit, ich bekomme in der Zeit eine Seite für meine Masterthesis fertig. Wenn jemand mehr Ehrgeiz haben möchte, gibt es meist ein Vorbild, auf das er sich bezieht, den einen Kollegen, ein Vorbild aus dem Fernsehen oder auf Instagram.
Die dunkle Seite von Ehrgeiz
Ehrgeiz ist ein wichtiger Charakterzug, aber er hat auch eine dunkle Seite. Zeigt jemand ein extrem hohes Maß an Ehrgeiz, Disziplin oder Motivation ohne ersichtlichen Grund, könnte das in der psychiatrischen Definition als Krankheit gesehen werden. Wer ohne Grund ein hohes Maß an Disziplin zeigt, könnte eine Zwangsstörung haben, wer extrem hoch motiviert ist, vielleicht in eine manische Episode geraten. Das heißt, Ehrgeiz, Disziplin und Motivation sind Kriterien, die in unserem Kopf als eine Art Reaktion auftreten.
Zwei Größen, die uns bewegen
Es gibt nur zwei Größen, die uns Menschen in Bewegung halten: die Flucht vor Schmerzen und das Streben nach positiven Zielen. Schaut man sich eine Person an, die Ehrgeiz vorlebt, zeigt sich oft, dass ihr Ehrgeiz nicht aus großen, guten Zielen resultiert, sondern daraus, dass sie mögliche Schmerzen vermeiden will. Oft ist es ein Vermeidungsverhalten: Der Manager hat Angst, seinen Job zu verlieren, wenn er nicht 120 Prozent performt. Sein Ehrgeiz entsteht also aus Vermeidung und ist deshalb oft mit negativen Gefühlen verbunden. Dasselbe gilt für Disziplin oder Motivation.
Begeisterung statt Ehrgeiz
Was wir im Hintergrund eigentlich wollen, ist, mehr in Bewegung zu kommen. Dafür muss jemand nicht unbedingt ehrgeiziger oder motivierter werden. Ich schlage lieber die Alternative der Begeisterung vor, denn indem man sich für Dinge begeistert, kommt man im positiven Sinne in Bewegung. Begeisterung entsteht nicht durch Vermeidung von Schmerzen, sondern durch das Entwickeln großartiger Zielbilder, die uns Energie geben und in Bewegung setzen. Ziele, die mir guttun, erfreuen mich und geben Energie zurück, ich sehne mich regelrecht nach ihnen.
Wenn du gerne ehrgeiziger oder disziplinierter sein möchtest, frag dich deshalb: Wozu möchtest du diese Bewegung einsetzen, auf welches Ergebnis arbeitest du hin? Und achte vor allem darauf, wen du dir zum Vorbild nimmst. Nimmst du dir jemanden zum Vorbild, der auf einer tieferen Ebene vor Schmerzen flüchtet, oder jemanden, der auf große, gute Ziele hinarbeitet?
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