Verlangsamtes Denken, Konzentrations- und Wortfindungsstörungen bei Angst
Marie hat zum Video „Erste Hilfe bei Derealisation und Depersonalisation" gefragt: Gehören verlangsamtes Denken, starke Konzentrationsprobleme und Wortfindungsstörungen auch dazu? Das sind unangenehme, eher diffuse Symptome. Ich greife sie bewusst auf, um zu erklären, warum sie durchaus zu Derealisations- und Depersonalisationserlebnissen gehören können und wie man sich eine andere Denkweise antrainiert, damit sie nicht mehr im Fokus stehen.
Erlebnis, nicht Störung
Die meisten Betroffenen haben keine Derealisationsstörung im engeren Sinne, sondern im Alltag sogenannte Derealisationserlebnisse. Ein Beispiel ist die Alltagsderealisation beim Autofahren, wenn man merkt, ich bin schon so weit gekommen, ohne sich an die Strecke zu erinnern, dem schreibt man keinen Krankheitswert zu. Hier geht es nicht um psychiatrisch auffällige Erlebnisse etwa aus dem Formenkreis der Schizophrenie, sondern um den typischen Panik- oder Stresspatienten, bei dem Ängste, Unzufriedenheiten und melancholische Muster durch den Alltag ziehen. Es ist also keine Derealisation nach ICD-10, sondern eine andere Problematik, bei der solche Gefühle mit auftreten.
Warum Stress das Denken verlangsamt
Stressoren setzen den Körper in Alarmbereitschaft, er meldet Lebensgefahr, Puls und Atmung steigen, damit wir kämpfen oder flüchten könnten, evolutionär sinnvoll, heute meist unpassend. Diese Stresshormonausschüttung wird nicht nur durch Stressoren ausgelöst, sondern auch durch zu viel Koffein, Nikotin, ungesunde Ernährung und zu wenig Wasser. Konkret kommt es zu einer Vasokonstriktion der hirnversorgenden Gefäße, sie ziehen sich leicht zusammen, und einzelne Hirnareale werden weniger durchblutet.
Das kennt man aus Prüfungen: Der Körper steht unter Stresshormonen, man muss aber ruhig sitzen bleiben und kann sie nicht durch Bewegung abbauen, dann kommt der Prüfungsblackout, weil das Wissen durch das „heruntergefahrene" Gehirn nicht mehr abrufbar ist. Genau in diesen Kontext gehören verlangsamtes Denken, Konzentrations- und Wortfindungsstörungen, gemeinsam mit Schwindel, Benommenheit und Panikgefühlen.
Zuerst abklären, dann den Hintergrund anschauen
Weil es diffuse Symptome sind, sollten sie fachärztlich abgeklärt werden, einfach um bestätigt zu bekommen, dass keine organische Ursache dahintersteckt, der Hausarzt ist meist der erste Ansprechpartner. Danach hast du die Grundlage zu sagen: Alles in Ordnung, diese Symptome kommen aus dem Stressorenhintergrund. Der kann Unzufriedenheit sein, fehlende Problemlösungskompetenz, eine Partnerschaft, die du so nicht leben möchtest, oder der Stress als alleinerziehende Mutter, dazu vielleicht noch äußere Belastungen, all das kumuliert sich schnell.
Warum der Fokus die Symptome vergrößert
Bei vielen Betroffenen ist zudem die Introspektionsfähigkeit stark heraufgesetzt, wir bekommen viel stärker mit, was in uns vorgeht. Je mehr wir den Fokus auf ein Phänomen lenken, desto größer wird es in unserer Wahrnehmung. Filterst du aus dem ersten Schreck heraus ständig, habe ich gerade eine Denkverlangsamung, ist das vielleicht organisch, dann bist du schnell in einem dominoartigen Prozess. Und googelst du dann noch, hast du das Problem rundgemacht.
Was du tun kannst
Egal was im Hintergrund steht, die Leuchttürme bleiben gleich: Lässt du dich von deinem dramatisch denkenden Gehirn kontrollieren, wirst du depressiv, es geht darum, dieses Denken selbst zu kontrollieren. Also Befürchtungen erkennen und aufgreifen, Ziele formulieren, innere Bedürfnisse anschauen, dich gegen Stress bewegen, vieles wiederholt sich an den Schnittstellen. Und wenn ärztlich alles abgeklärt ist, lerne, den Fokus bewusst auf andere Dinge zu richten. In der Psychiatrie sagt man, den Fokus auf unverfängliche Areale zu lenken: Du bemerkst eine Konzentrationsstörung? Trink ein Glas Wasser und fokussiere dich wieder auf das Nächste, das außerhalb deiner eigenen Wahrnehmungssphäre liegt.
Diese Phänomene sind ganz typisch für den Kontext Schwindel, Panik und Benommenheit, und sie sind meist die Ersten, die wieder verschwinden, sobald du lernst, deinen Fokus eigenständig auf die Dinge zu richten, die dir gute Gefühle machen und dich deinem Ziel näherbringen.
Wie Stress, Wahrnehmung und diese Denkblockaden zusammenhängen und wie du deinen Fokus umtrainierst, beschreibe ich ausführlich in meinen Büchern und Hörbüchern → hier ansehen.
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