Unser Kopf hat immer Gegenargumente, und wie du klug damit umgehst
Wenn ich mit Leuten über etwas spreche, sagen viele sinngemäß, ich habe es versucht, das war aber schwierig, und dann fällt oft der Begriff Mut, ich muss mutiger sein. Gehen wir das Thema an, landen wir bei der Frage: Woran würde ich merken, dass ich mutiger bin? Meist an dem Satz, ich mache etwas, was ich mich vorher nicht getraut habe.
Was uns hindert
Der Hauptpunkt ist dann die Frage: Was hindert einen daran? Und die meisten sagen, die Gegenargumentation meines Kopfes. Ich will wieder ins Auto steigen, wo ich sonst Panik hatte, aber mein Gehirn sagt, was ist, wenn etwas schiefgeht. Ich habe also die Gegenargumentation, die ich gerne weghätte. Die spannende Frage: Wie kriege ich die runter?
Zwei falsche Wege
Es gibt zwei Wege, die Menschen gern wählen, um die Gegenargumente leiser zu machen. Der erste ist Gewalt, der zweite sind Substanzen. Alkohol, Cannabis, und auch Kokain wirken da, das ist kein Scherz, auf Kokain hast du keine Gegenargumente mehr und fühlst dich unbesiegbar. Aber da sind wir uns einig, so wollen wir unsere Gegenargumentation nicht herunterfahren.
Und der Weg mit Gewalt: Wenn du dir die Suggestion setzt, ich setze mich ins Auto, ich schaffe das, kannst du zwar etwas dagegenstellen, aber das kann problematisch enden. Die Gegenargumentation einfach leiser zu machen, ist wenig hilfreich, weil dir dann eine stabile Basis fehlt, es gibt ja einen Grund für den Struggle. Auch die verbreitete Definition „Mut ist Angst, und du gehst einen Schritt weiter" ist Quatsch, das ist waghalsig. Unsere Natur hat dafür gesorgt, dass wir nichts Waghalsiges tun. Unter Stress bist du nicht dafür gebaut, dort etwas zu machen, wo du bist, sondern wegzurennen.
Der bessere Weg: Fachwissen und Routine
Mut, etwas zu tun, was du dich vorher nicht getraut hast, baut sich am ehesten darauf auf, dass du Fachwissen entwickelst und dich darin routinierst. Je mehr Fachwissen und Routine du hast, desto schwächer wird die Gegenargumentation, beziehungsweise desto schaffbarer und greifbarer wird es, aus Fachwissen und Routine heraus dagegen zu argumentieren.
Wichtig: Wir wollen nicht, dass der Kopf keine Gegenargumente mehr bringt, dafür ist er gebaut. Wir wollen anders damit umgehen, uns hinsetzen und sagen, doch, ich sollte es machen, weil, und dann kommt die Begründung. Fehlen mir an dieser Stelle Fachwissen und Routine, habe ich ein Problem. Habe ich mir nur suggeriert, ich schaffe das, kann es zwar sein, dass ich im Auto sitze, aber ohne positive Erfahrung raste ich vielleicht schnell mit Tempo 100 durch die Ortschaft nach Hause, um die Panikattacke wieder in den Griff zu bekommen.
Unser Gehirn setzt also gerade gegenüber Neuem immer erst die Gegenargumentation. Die sollten wir nicht mit Gewalt aus unserem Leben drängen, sondern ihr clever gegenübertreten und überlegen, wo uns noch Fachwissen und Routine fehlen, aus denen heraus wir uns eine Selbsterlaubnis geben können. Und diese Selbsterlaubnis löst die scheinbare Gegenargumentation ab.
Wie du über Fachwissen und Routine echte Selbsterlaubnis aufbaust, statt Gegenargumente wegzudrücken, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
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