Unbewusst hyperventiliert: Wie du da wieder herauskommst
Ein Zuschauer schreibt: Ich sagte ihm, dass er unbewusst hyperventiliert und dadurch Symptome entstehen, nur wie ändert man das? Hyperventilation ist grundsätzlich ein eher körperlich-anatomisches Thema. Die Atmung wird über Automatismen, komplexe Strukturen und Rezeptoren vom Atemzentrum ganz von allein gesteuert, sie läuft also weitgehend unbewusst ab. Das heißt aber auch: Eine Hyperventilation kann im Hintergrund ablaufen und ist unserem bewussten Zugriff kaum zugänglich.
Warum das Thema so wichtig ist
Wir beschäftigen uns viel mit Schwindel, Benommenheit und Derealisation. Eine Hyperventilation, also zu viel Belüften, macht dieses subjektive Atemnotgefühl: Ich kriege zu wenig Luft und habe doch irgendwie das Bedürfnis, tief durchzuatmen, dazu manchmal Hustenreiz und innere Unruhe. Das ist zunächst ein Automatismus, bei dem der Körper auf etwas reagiert, und das ist nichts Krankhaftes, ein Hyperventilationsmodus gehört als Reaktionsmechanismus durchaus dahin, auch wenn man ihn situativ untersuchen sollte.
Ein möglicher Auslöser ist die gedankliche Belastung. Es gibt aber auch andere Aspekte, etwa das Roemheld-Syndrom, bei dem einem von unten ein Stück Luft weggenommen wird. Zentral ist die körperchemische Ebene: Die Atmung reguliert mit unseren pH-Haushalt. Bei einer Hyperventilation atmen wir schneller und atmen dabei vermehrt CO2 ab. CO2 ist nicht nur ein Abfallstoff, sondern vor allem ein Pufferstoff, ohne den wir beim pH-Wert ein Problem bekommen. Weil dann weniger CO2 im Blut ist, melden die Rezeptoren an den Blutgefäßen Entwarnung, und es kommt zur Vasokonstriktion, die Gefäße ziehen sich zusammen. So entstehen, auch bei latenten Hyperventilationszuständen, eine verminderte Durchblutung im Gehirn und damit Schwindel, Benommenheit und das Gefühl, einen halben Zentimeter neben sich zu stehen.
Situative Ebene: die Atmung herunterpendeln
Was kann man tun, wenn das im Hintergrund abläuft? Zuerst schauen, ob es überhaupt eine Hyperventilation ist und woher sie kommt, medizinisch findet man in der Regel keinen klaren Auslöser. Häufig erleben wir Belastungen auf der inneren Verarbeitungsebene, die mit einer Stresshormonausschüttung beantwortet werden. Diese Stresshormone beschleunigen die Herzfrequenz und treiben die Atmung nach oben, und schon sind wir in der Hyperventilation.
Die erste, situative Möglichkeit: die Atemgeschwindigkeit verringern. Ich habe ein Video, das die Auswirkungen einer beschleunigten Atmung zeigt, und eines, das zeigt, was langsames, tieferes Atmen mit dem Puls macht. So gibst du deinem Körper einen Impuls, sich wieder einzupendeln. Ich bin kein großer Freund davon, direkt an der Atmung herumzutrainieren, denn dann müsste man erst verlernen und neu lernen. Sinnvoller ist meist eine situative Atemübung, damit die Atemfrequenz herunterpendelt und du wieder in einen angenehmeren Bereich kommst. Den Puls können wir nicht aktiv steuern, aber über die Atemfrequenz erholt er sich meistens von allein mit.
Strategische Ebene: die Auslöser finden
Auf der zweiten, strategischen Ebene schaust du: Gibt es Auslöser, die ständig Stresshormone reinbringen? Da machen wir den Klassiker und versuchen zunächst zu verstehen, welche gedanklichen Muster auf deiner inneren Verarbeitungsebene dafür sorgen, dass dein Gehirn Stresshormone ausschüttet. Dazu passt mein Video zum Thema Selbstwirksamkeit, in dem ich am Anfang das Beispiel mit dem Teller Spaghetti erzähle, denn unser Kopf kann allein auf Gedanken hin Stresshormone ausschütten. Du kannst dann eine Art Befürchtungstabelle anlegen, um herauszufinden, welche Kandidaten dich immer wieder unter Stress setzen.
Manchmal gibt es aber auch den Fall, dass die Stressbelastung da ist, ohne dass man klare auslösende Gedanken erkennt. Was man dann macht, erkläre ich in einem gesonderten Video.
Zusammengefasst
Im Kontext von Hyperventilation kannst du zwei Dinge tun: situativ eine Atemübung, die Puls und Atmung wieder herunterbringt, und auf lange Sicht die Auslöser aufdecken, die sich auf der kognitiven Verarbeitungsebene zeigen, damit du ein Bild davon bekommst, in welchen Situationen das immer wieder passiert.
Wie Hyperventilation, Stress und die Gedanken dahinter zusammenhängen und wie du auf beiden Ebenen ansetzt, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Panik" → hier ansehen.
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