Puls von 100 auf 80: Was eine Atemübung wirklich mit dem Körper macht

In meinen Videos spreche ich oft ähnliche Tipps an: Was kannst du im Moment von Panik, Schwindel, Derealisation oder Benommenheit tun? Ein Punkt, auf den ich immer wieder komme, ist, in Bewegung zu kommen, dazu Kaugummikauen und vor allem eine Atemübung. Der Hintergrund: Durch eine bewusste, langsamere Atemfrequenz geben wir dem Körper die Möglichkeit, wieder mehr CO2 zu produzieren, den pH-Wert ins Gleichgewicht zu bringen und die Vasokonstriktion im Kopf ein Stück weit zu durchbrechen. Deshalb habe ich einfach mal einen Live-Versuch gemacht.

Der Ausgangspunkt: Puls bei 100

Zuerst der Blick auf meinen aktuellen Puls. Ich hatte gerade drei Sitzungen am Stück, es ist früher Abend, ich habe viel Kaffee und mal wieder zu wenig Wasser getrunken. Und siehe da: Meine Pulsfrequenz liegt bei exakt 100 Schlägen pro Minute.

Vier Atemzüge pro Minute

Jetzt gehe ich in meine Atemübungs-App, auf der Apple Watch heißt sie einfach „Atmen". Ich habe sie so eingestellt, dass ich nur noch vier Atemzüge pro Minute mache, also über etwa 15 Sekunden einen kompletten Atemzug. Das ist eine Frequenz, die wir im Alltag gar nicht kennen, solche Werte haben wir eher im Tiefschlaf. Ich habe für mich gemerkt: Wenn ich das gelegentlich mache, bringt es wieder etwas Luft rein.

Das Ergebnis: von 100 auf 80

Nach nur drei Minuten ist der Puls von 100 direkt auf 80 heruntergegangen. Das ist nicht überraschend, aber auch nicht wenig. Nach fünf Minuten wäre ich vermutlich bei etwa 76 gelandet, einen so niedrigen Ruhepuls habe ich aktuell nicht, weil ich gerade nicht so gut im Training bin. Wichtig ist mir, diese Differenz einmal sichtbar zu machen.

Interessant: Nach etwa der Hälfte der Atemzüge, wo ich anfangs noch Mühe hatte, mich auf die niedrige Frequenz einzulassen, wurde ich von allein langsamer, als die Uhr vorgab. Die Uhr signalisiert das über eine optische Rückkopplung, eine Blume, die sich langsam öffnet und schließt, und vor allem über ein Vibrieren: ansteigend fürs Einatmen, abfallend fürs Ausatmen, dann eine kleine Pause. Ein sehr schönes Instrument, um aus einem konkreten Erregungszustand wieder etwas Ruhe zu finden.

Warum das die Ursache nicht ersetzt

Natürlich gibt es Situationen, in denen ich schon weiß: Ich bin so aufgeregt, mit einem 120er-Puls, dass ich in dem Moment kaum runterkomme, dann ist das eben so. Die meisten Situationen sind aber händelbar.

Oft werde ich gefragt, ob Meditations- und Atemtechniken auch bei Schwindel und Panikattacken helfen. Das Prinzip zeigt der Versuch: Der Puls geht runter. Mein Credo lautet aber, dass es Gründe gibt, warum der Puls vorher immer wieder so hoch springt und warum ich so stark auf diese inneren Werte reagiere. Würden wir nur versuchen, den Puls durch Entspannungstechniken herunterzuführen, würden wir die Ursachen, die diese Panik- oder Schwindelsituationen überhaupt erst auslösen, auf lange Sicht nicht ausschalten. Die Atemübung ist also ein sehr wirksames Akutwerkzeug, aber sie ersetzt nicht die Arbeit an der Basis.

Wie Atmung, Puls und die tieferen Ursachen von Schwindel und Panik zusammenhängen und wie du an der Basis arbeitest, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Panik"hier ansehen.

Du möchtest nicht nur den Puls senken, sondern an den Ursachen deiner Panik oder deines Schwindels arbeiten?Ich begleite dich in der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

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