So linderst du Schwindel, Benommenheit und Derealisation

Kerstin, eine treue Zuschauerin, schreibt: Deine Videos helfen mir jeden Tag, ich verstehe so vieles, um besser damit umzugehen. Ich habe den Schwindel fast nur, wenn ich sitze, hier bei meiner Arbeit. Es ist nicht stressig, ich bin im Büro, aber wir sind zum Mindestlohn in einem Autohaus beschäftigt, ich schaffe es gerade so, die Miete zu zahlen. Die Kollegen sind toll, aber mit dem Arbeitsplatz an sich kann ich mich nicht identifizieren. Ich lerne das Umdenken und traue mich langsam, mehr zu wagen.

Was persönliche Integrität bedeutet

Liebe Kerstin, du hast eine gute Zusammenfassung gegeben, auf die ich gezielt antworten kann. Ich erkläre kurz den Begriff der persönlichen Integrität (P&I). Das ist ein Basiswerkzeug, das ich mir gebaut habe, als ich mich mit der Gefühlsentstehung beschäftigt habe (siehe das Video, wie ein Gefühl entsteht). Die Entstehung lässt sich auf wenige Faktoren herunterbrechen. Es ist wie in einem schweren Sturm: Das größte Problem ist die Windgeschwindigkeit, natürlich fliegen auch Gegenstände und Scheiben werden eingedrückt, aber das Hauptproblem ist der Wind, und zuerst schaut man darauf, nicht auf die Randfaktoren.

Der wichtigste Punkt: Wir erleben vor allem eine Reaktion auf die Dinge, die ich im Kopf habe, nicht unbedingt auf die Welt um mich herum. Ich kann in der schönsten Welt leben und voller Sorgen sein, und in der schlimmsten Welt leben und mich wohl fühlen, weil ich mich dahin trainiert habe. Die wichtigsten Wahrnehmungsmodalitäten sind die Bilder vor dem inneren Auge und das Auditive, das Hören, fühlen, riechen und schmecken sortiere ich eher nach hinten.

Für mein Modell habe ich die Grundstruktur eines amerikanischen Autors genommen, der ein Buch geschrieben hat, die sechs Säulen des Selbstwertgefühls, und darin die persönliche Integrität beschreibt. Sie sagt rudimentär: Du machst die Dinge, die du machen möchtest, und lässt die Dinge, die du lassen möchtest. Klar, die Arbeit kann einem egal sein, aber trotzdem zieht es einen irgendwohin. Das ist meine Botschaft an dich: Mach mehr von den Dingen, die du machen möchtest. Ich weiß aus dem Alltag, dass du Dinge machst, die du gerne tust, und dass dich das Meer zieht. „Man muss viel mehr Meer haben", das wäre ein guter Werbeslogan für ein Nordseebad.

Der strategische Faktor hinter guten Gefühlen

Die persönliche Integrität ist der strategische Faktor. Operativ ist, welche Bilder ich gerade im Kopf habe und welche inneren Stimmen, Befürchtungsgedanken kommen gern auf der auditiven Ebene. Entscheidend aber ist die langfristige Ebene: Was mache ich beruflich, wo lebe ich? Mache ich zunehmend Dinge, die ich gar nicht machen möchte, und sind die Dinge, die ich erleben möchte, kaum präsent oder greifbar, dann habe ich langfristig keine gute Grundlage für gute Gefühle, ein indirekter Faktor. Und bin ich grundsätzlich nicht gut drauf, bin ich aktiv schlecht gelaunt, das ist mehr als nur eine schlechte Grundlage.

Über genau dieses Thema sprechen wir die ganze Zeit. Viele Menschen in elf Jahren Praxis sagten sinngemäß, mir geht es so schlecht und ich weiß nicht, woran es liegt. Dann redet man anderthalb Stunden und kann ihnen den vollen Eimer vor Augen führen: Sie haben doch gerade gesagt, dass Sie unter der Beziehung leiden, dass der Beruf so ist, wie er ist. Oft fühlt man sich gefangen. Nicht wenige haben an diesem Punkt die Zusammenarbeit beendet und ihr Leben nicht verändert, weil sie so tief in ihren Glaubensmustern steckten, dass sie sich nicht herausbringen konnten, zumindest damals nicht. Von einigen habe ich später wieder gehört, denn wir kommen in Bewegung, wenn der Schmerz zu groß zu werden droht, und dann haben wir noch einmal angesetzt, und es hat sich etwas verändert.

Triff die Entscheidung aktiv

Der wichtige Punkt ist, die Entscheidung für sich aktiv zu treffen. Warte nicht darauf, dass dein Kopf das macht, das müssen wir selbst tun, aktiv mit uns sprechen. Werde dir bewusst: zu viele Dinge im Alltag, auf die ich keinen Bock habe, zu wenig Dinge, die mir Freude machen, das ist der Nährboden für die Ausbildung einer psychischen Störung. Die meisten Störungen bauen darauf auf, dass wir unzufrieden sind oder aufkommende Verarbeitungsmechanismen als krankhaft bewerten, unser Kopf bewertet automatisch, und wir lassen das so stehen, das macht uns mit der Zeit zu schaffen.

Der erste Schritt ist, mehr Bewusstsein dafür zu schaffen, wie es um deine persönliche Integrität steht. Schau dir dazu das Video an, wie ein Gefühl entsteht, auch aus einer drei Jahre zurückliegenden Perspektive. Heute würde ich es anders formulieren: Damals sagte ich, wir reden den ganzen Tag mit uns, heute würde ich sagen, wir hören den ganzen Tag die Stimme, die zu uns spricht, und reden kein bisschen mit uns. Versuch zu verstehen, wie es um dich steht, und das Spannende ist, du weißt eigentlich ziemlich genau, was dich stört.

Die Glaubenssätze, die Veränderung verhindern

Der zweite Schritt: Was hindert dich konkret daran, etwas zu verändern? Da wirst du verstärkt auf negative Glaubenssätze stoßen, auf eine Sprache im Kopf, die dich abbringt. Unser Kopf geht immer in den Gegenargumentationsmodus: Ich sage, wir machen das, und er überlegt, was schiefgehen könnte, ich sage, wir lassen es, und er sagt, überleg mal, was wir verpassen. Das ist normal, der Kopf sortiert immer das Gegenbeispiel, er formuliert limitierende Glaubenssätze, die uns abhalten sollen, etwas zu verändern. Schau dir das Video an, darum veränderst du dich nicht. Diese Glaubenssätze herauszuarbeiten ist entscheidend. Du kannst nicht bei einem Therapeuten eine Störung oder Depression „heilen" und danach plötzlich das Leben deiner Träume leben, aber du kannst herausfinden, wie dein Gehirn dich davon abhält, das Leben deiner Träume zu leben, und genau daran arbeiten.

Wie du deine persönliche Integrität stärkst und die limitierenden Glaubenssätze aufdeckst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.

Dein Schwindel tritt vor allem dort auf, wo du dich nicht wohlfühlst, und du möchtest an den Ursachen arbeiten? Nach ärztlicher Abklärung begleite ich dich gern. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

Schwindel und Benommenheit lass bitte zuerst hausärztlich oder fachärztlich abklären, bevor du von einer psychogenen Ursache ausgehst.

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Zuschauerfragen #1: Schwindel, Panik und Benommenheitsgefühl

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