So helfen dir Ziele bei Schwindel, Panik und Benommenheit
Kira schreibt: Allein der Gedanke daran, ein Ziel zu erreichen, erzeugt eine sofortige innere Abwehrhaltung. Ich habe aktuell eine depressive Episode und durch diese Abwehr das Gefühl, da nicht wieder rauszukommen. Hast du einen Tipp? Gern, und zuerst ein wenig Werbung für das Thema Ziele.
Warum Ziele so wertvoll sind
Ziele bringen uns in Bewegung und geben Orientierung. Beim Treffen von Entscheidungen zum Beispiel: Wir haben Angst, die falsche zu treffen und sie zu bereuen. Dabei bereuen wir gar nicht falsche Entscheidungen, sondern die Chancen, die wir nicht genutzt haben. Deshalb würde ich nicht in richtig und falsch denken, niemand kann in die Zukunft und zurück reisen, deine Zukunft ist noch nicht geschrieben. Über meine Ziele kann ich entscheiden, welchen Weg ich gehe, denn eine Entscheidung, die mich meinem Ziel näher bringt, ist eine gute. Und Ziele motivieren: Unser Gehirn verändert sich von allein ungern, es verändert sich vor allem, wenn etwas so gut ist, dass es Lust bekommt, oder so schmerzhaft, dass Nichtstun ein großes Problem würde. Ziele bringen Energie, Orientierung und Leitung.
Widerstand gehört dazu
Liebe Kira, auch wenn du großen Widerstand dagegen spürst, kümmern wir uns genau darum. Viele erleben einen Stillstand, weil es noch kein Ziel, keinen gewünschten Soll-Zustand gibt. Und sobald du über Ziele nachdenkst, kommt die Abwehr. Dieser Widerstand ist okay. Unser Gehirn weiß, dass wir mit dem bisherigen Leben überlebt haben, seine Hauptaufgabe ist das situative Überleben, es gibt uns das vor, was im Moment hilft, nicht unbedingt, was langfristig glücklich macht. Für fast alles Erlebenswerte, das mit Veränderung einherging, habe ich erst Widerstand bekommen. Kommt gar kein Widerstand, sind wir meist zu nah am Gewohnten. Zu viel ist aber auch nicht gut. Wir suchen also keinen Weg ganz ohne Widerstand, sondern einen mit einem angemessenen Maß.
Die Kraft innerer Sprachmuster
Ein Punkt, auf den ich stark achte, sind Sprachmuster. Wir sagen oft im Präsens „ich habe dieses Problem" und qualifizieren damit unwissentlich unsere Situation, wir geben dem Gehirn einen Speicherauftrag: ja, das ist so, speicher das ab. Besser ist „ich hatte früher das Problem, dass", so gibst du Veränderung mit hinein. Genauso vermeide ich oft das Wort „aber", weil es meist ein Widerspruch ist. Du reagierst stark auf das Wort „müssen". Es wäre zu banal, einfach „dürfen statt müssen" zu sagen, aber nimm es als Perspektive: Achte auf deine inneren Sprachmuster und probier kreativ andere Begriffe aus, um zu sehen, wie dein Kopf reagiert.
Depression ist ein deskriptiver Begriff
Depression oder depressive Episode ist ein rein deskriptiver Begriff. Nicht weil jemand erkrankt ist, bekommt er Symptome, sondern wenn genug Symptome da sind, nennen wir es so. Die Zusammenhänge sind meist nicht linear, sondern in Kreisläufen gelagert. Vielleicht treten die Abwehrmechanismen im Zusammenhang mit Antriebslosigkeit auf, vielleicht ergibt sich aus Antriebslosigkeit und Abwehr die Episode. Interessant ist, die Zusammenhänge für sich herauszuarbeiten und zu schauen, wo man Kreisläufe durchbrechen kann.
Nicht abschalten, das Nächste anschalten
Zum „Wie komme ich da raus": Distanz kommt meist nicht aus Distanz, sondern aus Nähe. Können wir nicht loslassen, hat das oft einen guten Grund, wir wüssten nicht, worauf wir fallen. Viele fragen, wie sie abends abschalten. Mir fehlt dafür oft gar kein Ritual, weil ich es anders mache. Aus den Strukturen der Rettungscrew habe ich gelernt: Der Melder geht, und du bist im nächsten Einsatz, du legst das Alte ab, indem du das Neue beginnst. Ich schalte nicht ab, ich schalte das Nächste an, natürlich liegen dafür auch angenehme Inhalte bereit. Es geht nicht darum, wie du da rauskommst, sondern wie du in einen neuen, gewünschten Zustand hineinkommst.
Und damit sind wir wieder beim Ziel. Schau dir dieses Video an und arbeite gleichzeitig ein Stück in den Widerstand hinein, um einen Umgang zu erproben. Keine Ziele zu haben ist keine Lösung, und die bisherige Suche war für dich auch keine. Ziele sind wie ein Muskel, den du trainierst: langsam die Belastung hochfahren, es braucht Zeit. Fahr erst die Ambition zurück, finde einen Zugang, arbeite dann in den Widerstand hinein, damit du dich mit Zielen künftig so beschäftigen kannst, wie sie gemeint sind: von guten, großen Bildern vor dem inneren Auge zu profitieren und Zielbildung mit einem guten Gefühl zu verbinden.
Wie du trotz innerer Abwehr einen guten Zugang zu deinen Zielen findest, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
Du spürst starke Abwehr, wenn es um Ziele geht, gerade in einer depressiven Phase? Lass uns behutsam einen Zugang finden. Ich begleite dich in der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.
Dies ist ein sensibles Thema. Wenn es dir psychisch gerade sehr schlecht geht, wende dich bitte an deinen Arzt oder an eine Beratungsstelle, in akuten Krisen an die Telefonseelsorge (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222).