Sind meine Symptome Schwäche oder Warnung? Schwindel, Panik, Benommenheit
Eine Zuschauerin schreibt: Meine Schwachstelle ist der Kopf. Wenn ich mich aufrege, spüre ich es im Hals, als würde ich anfangen zu stottern, und gleichzeitig Schmerzen im Hinterkopf oberhalb des Nackens. Keiner konnte eine Antwort finden, es wurde ein MRT des Kopfes gemacht, aber nichts festgestellt. Jedes Mal, wenn ich unter enormem Druck stehe oder mich angegriffen fühle, fühle ich diesen Schmerz.
Du hast offenbar schon oft eine Antwort gesucht. Dass dir bisher niemand eine gegeben hat, wundert mich wenig, und ich kann dir keine konkrete Antwort geben, ich habe kein MRT und bin nicht bei dir. Aber ich kann dir ein paar Inhalte aufzeigen, die dir vielleicht helfen, deine Situation zu verändern.
Das symptomatische Landschaftsbild
Die Symptome klingen sehr stark nach einer stresshormoninduzierten Situation. Es ist nicht die typische panikattackenartige Situation mit innerem Fluchtmechanismus oder spürbarem Herzschlag, sondern eine sehr ausgeprägte Introspektionsfähigkeit, wie wir sie bei Patienten mit Panik, Benommenheit und Schwindel kennen. Organisch mag es eine Nachvollziehbarkeit geben, warum es in diesen Situationen zum Schmerz im Kopf kommt. Wichtiger aber: Selbst wenn dir organisch gezeigt würde, was genau dazu führt, verschwindet das Symptom nicht, und den Rest des Lebens „Dramatik zu verwalten" ist keine Lösung.
Warum der Nacken bei Druck schmerzt
Wir sind Säugetiere und schützen in Stresssituationen sensible Bereiche. Stehen wir den ganzen Tag unter latentem Druck, ziehen wir die Schultern hoch, um den verwundbaren Bereich, die große Halsschlagader (Carotis), zu schützen. Dadurch spannt die Muskulatur dauerhaft an. Dazu kommt oft zu wenig trinken (unter etwa zweieinhalb Litern, je nach Person), das verändert den Muskeltonus und die Schmerzwahrnehmung, und auch Koffein spielt eine Rolle. Du bist fachärztlich bereits sehr gut untersucht worden, deshalb lohnt es sich, auf anderen Ebenen, etwa in einem coachenden oder therapeutischen Ansatz, zu schauen, ob du diese Introspektion etwas verlernen und den Fokus in Zukunft auf unverfängliche Themen richten kannst. Merke dir: Distanz kommt nicht aus der Distanz, sondern aus Nähe zum Neuen.
Druck und Angriff: wir suchen die Schuld bei uns
Spannend finde ich, dass du von enormem Druck schreibst und davon, dich angegriffen zu fühlen. In unserer Gesellschaft scheint das zunehmend Normalität zu werden. Wir sollten uns das aber nicht gefallen lassen und nicht in Kauf nehmen, dass daraus eine solche Symptomatik entsteht. Manchen hilft schon die Frage: Dürfen diese Stressoren bei Ihnen solche Schmerzen auslösen? Eine Frau, der ständig auf der Nase herumgetanzt wurde, traf daraufhin eine Entscheidung, ich habe sie nie wieder gesehen, weil alles funktionierte. Manchmal geht das schnell, manchmal dauert es länger.
Aus deinem Kommentar lese ich heraus, dass du noch nicht so im Blick hast, dass man manchmal lernen sollte, mit Menschen und Situationen anders umzugehen. Lösen Druckmomente oder das Angegriffensein viel in dir aus, darfst du dich auch fragen: Wie kommt es, dass ich da immer noch zugegen bin? Sehr häufig passiert dann etwas: Wir suchen die Schuld bei uns, „ich kriege das nicht hin, das kann doch nicht sein, dass ich so verunsichert bin". Das ist die Ebene des Selbstwertgefühls (siehe das Video, wie ein Gefühl entsteht). Nicht weil das Selbstwertgefühl im Keller ist, gehen wir im Kopf schlecht mit uns um, sondern weil wir darauf trainiert sind, übel mit uns umzugehen, resultiert daraus ein niedriges Selbstwertgefühl. Wir neigen dazu, uns selbst anzupacken, statt den tatsächlichen Stressor herauszuarbeiten und zu sagen, bei dieser Nummer spiele ich nicht mehr mit.
Dein Kopf ist keine Schwachstelle, sondern dein Alarmsignal
Und damit zurück zum Anfang, „meine Schwachstelle ist der Hinterkopf". Das ist keine Schwäche, das ist das beste Alarmsignal, das du in deiner Situation haben kannst. Dein Hinterkopf sagt, pass auf, das wollen wir nicht. Lernst du, diese Schmerzen als Sprache zu verstehen, erkennst du, dein Kopf will dir etwas sagen. Ob Kopfschmerzen in bestimmten Situationen, Schwindel, Panik, eine Angststörung oder Depression, es ist der gleiche Mechanismus.
Weil die ärztliche Abklärung keinen Befund ergeben hat, würde ich deine Kopfschmerzen aus der Distanz so interpretieren: ein Warnsignal, dass du dich gegen deine persönliche Integrität, gegen deine inneren Bedürfnisse stellst. Du erlebst viele Situationen, die du so nicht erleben möchtest, und das verstellt den Blick auf das, was du eigentlich erleben willst. Der Kopf sagt über den Schmerz nicht „mach genau dieses Leben", sondern „so bitte nicht mehr weiter", ein kleines Signal. Dein Kopf ist also keine Schwachstelle, du darfst dankbar sein, dass er dir so konkrete Signale sendet, und anfangen, anders damit umzugehen.
Wie du die Sprache deiner Symptome verstehst und wieder zu deiner persönlichen Integrität findest, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
Deine Symptome treten unter Druck und Angriff auf, und du möchtest sie als Warnsignal verstehen lernen? Nach ärztlicher Abklärung begleite ich dich gern. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.