30 Jahre Stress und negatives Denken (massive Folgen)
Ein Zuschauer, der sich schon einmal wegen Bluthochdruck gemeldet hatte, schreibt: 25 Jahre als Polizeireporter für eine große Tageszeitung, rund um die Uhr einsatzbereit, Unfälle, Mord, Totschlag, das volle Programm. Das hat seinen Preis, und jetzt, wo ich es langsamer angehen lasse, finde ich nicht mehr zurück zur inneren Ruhe.
Wir sind auf Überleben gebaut, nicht aufs Glücklichsein
Im Kontext unserer biologischen Evolution hinken wir rund 50.000 Jahre hinterher, während die soziale Evolution in den letzten 10.000 Jahren enorm Fahrt aufgenommen hat. Wir haben uns eine Welt mit immer weniger Lebensgefahr gebaut, aber diese soziale Evolution hat nicht im Fokus, dass wir lange, gesund und glücklich leben. Dieses Leben macht uns nicht von selbst glücklich, wir sind gewissermaßen dazu verdammt, ständig ein wenig nachzuhelfen, und das dürfen wir lernen. Unser Körper will überleben und sich reproduzieren, das lange, gesunde und glückliche Leben müssen wir selbst gestalten.
Niemand erklärt uns vorher, dass ein Job uns auch krank und unglücklich machen kann. Die 40-Stunden-Woche, in Deutschland 38,5 Stunden, ist nicht das ermittelte Optimum für den Menschen, sondern das Resultat jahrzehntelanger Arbeitskämpfe. Die echte Zeit für sich selbst sind oft nur Minuten am Tag. Bei mir ist das so, zwei Praxisstandorte, zwei Kinder, wenig klassische Zeit für mich, aber mein Job macht mir viel Spaß, und man begeistert andere am besten, wenn man selbst begeistert ist. Deshalb bin ich selbstständig geworden, statt mich nachts im Urlaub ins Freizeitparkzentrum zu setzen, weil es da WLAN gibt, um Urlaubsanträge zu verschicken. Das ist kräftezehrend, aber unterm Strich das Beste, was ich machen konnte. Viele Menschen leben ihr Leben im Blindflug, dabei leben wir nur einmal, müssen gehen, wissen nicht wann, und kommen nicht wieder.
Wie unser Gehirn lernt
Unser Gehirn will ständig lernen und Dingen Bedeutung zuschreiben. Schau dir das Video an, Autofahren, ohne darüber nachzudenken: unbewusste Inkompetenz (du weißt als Kind gar nicht, dass du nicht fahren kannst), bewusste Inkompetenz (erste Fahrstunde), bewusste Kompetenz (du kannst es, musst aber über alles nachdenken), unbewusste Kompetenz (du fährst, ohne nachzudenken). Das nennt man auch alltagsdissoziative Situation, wir tun etwas, ohne dass es unseren bewussten Fokus braucht. Das Gehirn speichert sich wiederholende Reize als Struktur ab, weil es als einer der größten Energieverbraucher am wenigsten Energie braucht, wenn es autark, unterbewusst arbeitet.
Bei dir hast du viele Jahre lang Trainingszustände erlebt, zumindest in der letzten Zeit wurden „böse" Dinge antrainiert, die nicht neu überschrieben wurden. Das typische Beispiel: Warum wache ich morgens auf und suche direkt nach meiner Symptomatik? Nicht, weil du gestern etwas falsch gemacht hast, sondern weil du gestern nichts anderes bewusst programmiert hast, sodass du heute kein anderes Ergebnis erwarten konntest. Wir trainieren unserem Körper das Suchen nach Symptomen gewissermaßen mit an, und der Kopf hält den Kurs, bis wir eine neue Ebene darübersetzen. Dazu passt die Neuroplastizität, die moderne Gehirnforschung, die seit gut 20 Jahren besser versteht, wie Erinnern und Denken funktionieren.
Der Melder-Reflex und die Schieflage im Flugzeug
Ein Beispiel für antrainierte Reflexe: In der Notfallrettung hatte ich die Routine, links das Portemonnaie, rechts Handy und Melder. Vor Kurzem stand ich beim Renovieren in einer alten Rettungsdiensthose, und meine Hand ging wie von selbst an die Stelle, wo der Melder saß, ein antrainierter Reflex, der nur bei dieser Hose auftaucht.
Und die Metapher mit dem Flugzeug: Stelle ich den Steuerknüppel zur Seite und lasse ihn dann los, bleibt das Flugzeug in der Schieflage und fliegt schief weiter, es stabilisiert sich nicht von allein. Ich muss bewusst gegensteuern, mit Höhen- und Querruder. Genauso trainieren wir uns negative gedankliche Strukturen an, sind in Schieflage und bekommen entsprechende Ergebnisse: Wir stellen uns Fragen, auf die wir keine Antwort haben, fühlen, ob die Zunge taub ist, bis wir sie uns taub denken. Wenn du es schaffst, ein Symptom zu denken, schaffst du es auch, etwas anderes zu denken. Mach nicht den Fehler zu glauben, du hast gestern etwas falsch gemacht, du hast nur noch keine Neuprogrammierung, keine Kursänderung reingesetzt.
Der Trainingsplan
Du brauchst neues Denken, neue Konstrukte, neue Gedankenmuster, das bringt dich auf einen anderen Kurs. Konstruier dir einen Trainingsplan: Heute gehe ich mehrfach durch, was morgen früh als Erstes passieren soll, wenn ich aufwache. Wir glauben an das, was wir am häufigsten gesagt und gehört haben. Es geht dabei nicht darum, das Negative hundertprozentig wegzutrainieren, der Melder-Reflex wird wiederkommen, und das ist nicht schlimm. Fährt ein Polizeiauto vor mir mit Blaulicht an, geht mein Finger reflexartig in die Mittelkonsole, ein antrainierter Reflex. (Aus dem Rettungsdienst kenne ich auch den gefährlichen Lenkhaken, bei dem der Letzte in der Kolonne das Blaulicht erst spät im Rückspiegel sieht und ruckartig reinzieht.)
Im Rettungsdienst habe ich gelernt: Abschalten heißt nicht, hier oben wieder leer zu sein, sondern neu einschalten, die Einsatzbereitschaft wiederherstellen, der Melder ist zu 100 Prozent scharf. Darauf trainieren wir hin. Es geht nicht darum, einen Tinnitus, eine Glaskörpertrübung, den Blutdruck-Filter oder das Herzstolpern wegzutrainieren, sondern immer wieder einen neuen Fokus auf andere, unverfängliche Inhalte. Für den Moment ist der wichtigste Mensch der, der mir gegenübersitzt, ein Trainieren auf das Hier und Jetzt. Immer wenn dein Symptom hochkommt, darfst du dir etwas zurechtgelegt haben, das du aus dem Ärmel ziehst, um in dem Moment, wo du unter Strom stehst, den Fokus auf etwas anderes zu richten.
Versuchst du, „weniger oft auf ein Symptom zu achten", scheiterst du höchstwahrscheinlich. Lern, den Fokus bewusst auf andere Dinge zu richten, die zumindest auf einer neutraleren Ebene stehen. Das können deine Ziele sein, schau dir das Video an, so kommst du auf gute Ideen für deine Ziele, denn dein Kopf liefert ohnehin ständig gute Ideen für dein Leben. Welcher Inhalt das genau ist, ist weniger relevant, und aus der Distanz kann ich dich nicht genau treffen, wie bei meinem Buch für den Humboldt Verlag, bei dem ich den einzelnen Leser nicht kenne und trotzdem versuche, jeden gut abzuholen. Deshalb ist es so wertvoll, wenn Kommentatoren sich zurückmelden, dann können wir gemeinsam visualisieren, konkretisieren und neue Perspektiven setzen.
Wie du dir deinen Trainingsplan baust und den Fokus auf unverfängliche Inhalte und Ziele richtest, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
Nach Jahren im Dauerstress findest du nicht mehr zur Ruhe und möchtest umtrainieren? Nach ärztlicher Abklärung begleite ich dich gern. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.