Sind meine Gedanken krank? Warum belastende Gedanken kein Krankheitszeichen sind
In diesem Beitrag gehen wir der Frage nach, die viele beschäftigt: Sind meine Gedanken krank? Resultieren sie aus einer Krankheit, aus einer Störung? Es gibt natürlich immer Ausnahmen, manche haben eine psychische Störung entwickelt, teils über die Zeit durch Medikamente mitgeprägt, wo sich diese Modelle nicht eins zu eins übertragen lassen. Hier geht es aber darum, wie es bei den meisten Menschen ist.
60.000 Gedanken am Tag
Ich finde das Gedankenexperiment spannend: Stell dir vor, du könntest mit einer Art Tracker jeden einzelnen Gedanken eines Tages aufzeichnen. Ein wissenschaftlicher Ansatz besagt, wir denken am Tag etwa 60.000 Gedanken, von denen nur ungefähr 3.000, also etwa fünf Prozent, neu sind. Dinge aus der Kindheit spielen also meist keine dominante Rolle dafür, warum heute etwas in deinem Kopf ist, sondern Dinge von gestern. Du denkst heute, was du gestern gedacht hast, gestern wegen vorgestern, und so weiter zurück. Natürlich arbeiten wir irgendwann Muster heraus, die auch die Kindheit oder andere Zeitpunkte repräsentieren, aber im Kern gilt: Deine heutigen Gedanken sind da wegen gestern, und morgen sind sie wie heute, wenn du keine Unterschiede einbaust. Genau darum geht es: heute Unterschiede einbauen, um morgen Veränderung zu erleben.
Deine Gedanken passen zu deinen Symptomen
Checkst du einen ganzen Tag lang deine Gedanken, findest du viele in Richtung Befürchtungen, Sorgen, Perspektivlosigkeit, Angst und Selbstkritik. Die Kernfrage: Sind diese Gedanken Ausdruck von Krankheit? Bei den allermeisten Menschen gehen die Gedanken, die wir finden, mit der erlebten Symptomebene relativ adäquat einher, die Symptome passen gut zu den Gedanken, die wir herausfiltern. Das widerspricht der historischen Sicht, die Ängste als unlogisch und irrational erklärt. Wir haben Angst in Bezug auf das, was auf unserer inneren Verarbeitungsebene passiert und von außen nicht sichtbar ist, nicht vor dem, was andere von außen erkennen, sondern vor dem, was wir innerlich gesehen oder gehört haben.
Trainingszustand statt Störung
Sind diese Gedanken also da, weil du krank bist? Bei den allermeisten Menschen, und du gehörst wahrscheinlich dazu, sind die belastenden Gedanken kein Ausdruck einer Störung, sondern Ausdruck eines Trainingszustandes. Sie sind da, weil du noch nicht umtrainiert hast.
Es gibt in aller Regel keinen Ursprung des negativen Denkens, den wir behandeln könnten, auch nicht mit Psychopharmaka. Mit Antidepressiva verändert sich in der Regel nicht der Inhalt deines Denkens, die Gedanken werden dir eher ein bisschen egaler, und dazu gibt es sehr unterschiedliche Patientenberichte. Nach heutigem Kenntnisstand der Gehirnphysiologie gibt es bei den meisten von uns, Ausnahmen ausgenommen, keine Grunderkrankung, die das negative Denken bedingt.
Deshalb: Stell dir vor, du könntest jeden Gedanken deines inneren Erlebens tracken. Was du findest, ist kein Ausdruck einer Krankheit, sondern eines Trainingszustandes. Und daraus ergibt sich die Notwendigkeit zu trainieren.
Warum belastende Gedanken ein Trainingszustand sind und wie du sie umtrainierst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
Du fragst dich, ob deine Gedanken krank sind, und möchtest lernen, sie umzutrainieren? Ich begleite dich in der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.