Das Problem-Regal: Wie du Ordnung in deine Gedanken bringst

Wenn ich einen neuen Klienten kennenlerne, tauschen wir zuerst Informationen aus: Was führt ihn zu mir, welche Strategien hat er bisher versucht, was hat nicht funktioniert, welche äußeren Umstände spielen mit hinein. Und nähert man sich nach der ersten Sitzung dem Thema, merkt man schnell, dass vor allem Unordnung in Bezug auf die eigenen Gedanken eine große Rolle spielt.

Die Lego-Metapher

Dazu habe ich ein Modell entwickelt, das ich zunächst Problem-Regal genannt habe. Stell dir vor, in meinem Regal steht eine Kiste mit einem Lego-Haus, das ich einmal gebaut, dann umgebaut habe und nun komplett neu aufbauen will. Ich nehme die Kiste heraus, wenn ich daran arbeiten möchte, und fange an, die Steine einzeln auseinanderzunehmen. Habe ich keine Lust mehr, stelle ich die Kiste zurück. Beim nächsten Mal nehme ich sie im selben Zustand wieder heraus und baue weiter ab, bis alle Steine lose in der Kiste liegen. Dann nehme ich die Anleitung und baue das Konstrukt neu auf. In der Kiste ist keine Unordnung, keine fremden Teile, nur die Steine und die Anleitung dieses einen Hauses.

Das Schöne daran: Ich kann isoliert nur diese eine Kiste herausnehmen, und ich kann die Arbeit jederzeit pausieren, indem ich sie zurückstelle und meinem Alltag nachgehe. Genau diesen Vorteil wollen wir uns als Ordnungsprinzip erarbeiten, terminierbare Systeme, eine klare Abgrenzung eines Themas von anderen, um mich isoliert und konzentriert um eine Sache zu kümmern.

Das Problem-Regal in der Therapie

Übertragen auf den therapeutischen Prozess heißt das: Der Klient schafft für sich diese Ordnung. Oft stelle ich die Aufgabe, ein Problem-Regal aufzustellen. Man malt sich zu Hause ein Regal mit vielen Fächern auf und füllt sie. Häufig steht darin: Ich drehe mich im Kreis, weil ich beruflich weiterkommen will und immer wieder dieselben Probleme erlebe, ich habe etwas in meiner Partnerschaft zu klären, ich weiß nicht, was ich studieren soll, ich habe Ängste, etwa ein Verkehrsmittel zu verpassen oder aus einer Situation nicht flüchten zu können.

Dass ein Klient sich so strukturiert, hilft mir sehr, weil ich mich mit ihm gezielt um einzelne Bereiche kümmern und sie isoliert zu Ende denken kann. Und es passiert fast immer etwas Interessantes: Der Klient macht sich zum ersten Mal eine Gesamtübersicht, eine Art eigene Befundung, eine Bilanz der eigenen psychischen Lage, das war im bisherigen Leben oft noch nie passiert. Dabei stellt er fest, dass sich Themen überschneiden, dass ein Problem an mehreren Stellen auftaucht und man es in eine gemeinsame Kiste packen kann. So reduziert sich die gesamte befürchtete Menge an Problemen.

Warum sich die Perspektive verändert

Mit einer differenzierteren Darstellung verändern sich die Perspektiven. Wer erstmals eine Gesamtübersicht über das hat, was ihn im Alltag stört, gibt seinem Gehirn die Möglichkeit, von sich aus Strukturen weiterzuentwickeln, für einzelne Bereiche Lösungsstrategien bereitzuhalten oder entspannter mit den Themen umzugehen. Häufig entsteht ein Impuls: Ich kümmere mich darum, dort ist alles klar, dann müssen wir nicht mehr so stark Alarm schlagen. Das hilft zu Beginn einer Intervention oft sehr.

Vom Problem zum Stärken-Regal

Im weiteren Verlauf gehe ich gern vom Begriff Problem weg. Menschen kommen zu mir, um Probleme loszuwerden. Beschränken wir uns nur darauf, bleiben wir im Mittelmaß, weil wir noch gar nicht anfangen, die Stärken zu polieren, wo es nach oben keine Begrenzung gibt. Deshalb darf das Problem-Regal auch schnell umbenannt oder von vornherein anders benannt werden: Welche Themen beschäftigen mich, wo habe ich noch keine Lösungsstrategien? Und oft zeigt sich, dass eine Lösungsstrategie nichts ist, was man sich hart erarbeiten muss, sondern etwas, das das Gehirn von allein liefert, sobald ich eine andere Perspektive anbiete.

Wie du dir ein Problem-Regal aufstellst und Ordnung in deine Gedanken bringst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.

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