Schwindel, der von jetzt auf gleich kommt: Was steckt dahinter?

Ein Zuschauer beschreibt Schwindel, der scheinbar von null auf jetzt kommt, egal ob beim Essen, beim Fernsehen oder beim Zurruhekommen, dazu Benommenheit, Angstzustände, Panikattacken, Schweißausbrüche und Verspannungen.

Zuerst abklären lassen

Ein Schwindel, der von jetzt auf gleich kommt, hat eine bedrohliche Komponente und sollte immer erst fachärztlich ausdifferenziert werden. Schwindelattacken, bei denen Menschen umkippen und liegen bleiben, können in Richtung Morbus Menière (mit Drehschwindel) gehen, und auch ein akuter Schlaganfall kann eine Rolle spielen. Hier gehen wir aber von einem störenden Schwindel aus, nicht vom neurologisch relevanten Drehschwindel.

Zwei typische Hintergründe

Erstens kommt der Schwindel oft gar nicht plötzlich: Er ist die meiste Zeit unterschwellig da, dann passiert etwas, das Fass läuft über, und er steigt über die Reizschwelle. Es fühlt sich plötzlich an, war es aber nicht. Zweitens kann er tatsächlich schnell entstehen: Stresshormone werden entweder chronisch-latent leicht erhöht oder in konkreten Belastungssituationen im Schwall ausgeschüttet, und man rutscht schnell in eine Hyperventilation, die die Hirngefäße verengt (Vasokonstriktion). Dazu kommt die Sensibilisierung: Wir kennen das Problem, sind auf der Lauer und fragen morgens schon, ist es heute da? Damit laden wir es immer wieder ein.

Warum es keinen schnellen Tipp gibt

Einen schnellen Tipp gegen Benommenheit und Schwindel gibt es meist nicht. Hypnotherapie wird gern eingesetzt, aber die Wahrscheinlichkeit, damit dauerhaft die Denkmuster zu verändern, ist eher gering, ich habe selbst eine Hypnotherapieausbildung und verlasse mich lieber auf die aktive, bewusste Regulierung von Gedanken. Meist steckt im Leben des Menschen etwas dahinter: Befürchtungsbilder, innere Befürchtungen und die persönliche Integrität, also die Frage, mache ich die Dinge, die ich will, und lasse ich, was ich nicht will? Eine ausgewogene persönliche Integrität ist eine gute Grundlage für ein gutes Gefühl.

Die beschriebenen Symptome sind typisch für eine Panik- und Stressreaktion, eine lavierte Panikstörung im Sinne eines isolierten Schwindelphänomens. Auch eine depressive Episode versteht man heute eher als Reaktion auf eine unzufriedenstellende Lebensführung als über den rein medikamentösen Weg.

Warum Ruhigbleiben ein Fehler ist

Stresshormone sind ein Überlebensmechanismus: Der Körper will rennen oder kämpfen können. Bleibst du sitzen, wirken die angefluteten Hormone an den Rezeptoren weiter, bis sie sich nach etwa zwei Stunden von allein abbauen. Muskelaktivität dagegen verstoffwechselt Stresshormone. Also nicht stillhalten, sondern in Bewegung kommen. Kommt in einer Prüfung die Angst hoch, geh auf Toilette und mach auf dem Weg Kniebeugen, Froschsprünge, aktiviere große Muskelgruppen, und ein Kaugummi suggeriert dem Körper, wir essen gerade, es besteht keine Lebensgefahr.

„Auf die Atmung achten", aber richtig

Auf die Atmung zu achten ist nicht verkehrt, denn viele sind in einer latenten Hyperventilation unterwegs: dauerhaft leicht zu schnelles Atmen senkt den CO2-Spiegel, das verschlechtert den pH-Wert und verengt die Hirngefäße. Der Fehler ist aber, unstrukturiert auf die Atmung zu „achten", denn dann fokussierst du auf etwas Automatisches und machst es größer. Besser ist eine strukturierte Atemübung, etwa mit der Apple-Watch-Funktion „Atmen" (vier Atemzüge pro Minute). Du kannst auch in eine Tüte atmen, um CO2 zurückzugewinnen, keine Sorge: In der Ausatemluft sind noch etwa 17 Prozent Sauerstoff. Übrigens: Dass einem nach einer Weile kalt wird, blasse Haut und später ein Schweißausbruch, kommt von der Zentralisierung des Blutes und der Minderdurchblutung der Peripherie.

Sprich darüber

Zusammengefasst ist das eine sehr typische, in aller Regel sehr ungefährliche Symptomatik. Trotzdem gilt, je nach Beschwerden immer zuerst einen Arzt draufschauen lassen, statt sich auf jemanden im Internet zu verlassen. Und sprich über deine Beschwerden, sie sind weit verbreitet, oft hörst du dann, das kenne ich auch. Denn ein Benommenheitsgefühl kommt nicht ohne Grund, im Hintergrund steht immer etwas, um das man sich kümmern sollte.

Wie Stress, Fokus und plötzlicher Schwindel zusammenhängen und was in der Akutsituation wirklich hilft, beschreibe ich ausführlich in meinen Büchern und Hörbüchern → hier ansehen.

Du kennst diesen plötzlichen Schwindel und die Panik dahinter und möchtest daran arbeiten? Ich begleite dich in der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

<!-- SEO-DATEN -->

Zurück
Zurück

Schwankschwindel mit Übelkeit, Angst und Panik: Nicht abschalten, sondern anschalten

Weiter
Weiter

Nach dem Einrenken wieder Schmerzen: Warum die Chiropraktik oft nicht dauerhaft hilft