Schwankschwindel mit Übelkeit, Angst und Panik: Nicht abschalten, sondern anschalten
Eine Zuschauerin schreibt: Ich habe Schwankschwindel mit extremer Übelkeit, erst kommt das Gefühl, dann die Angst, dann die Panik, ich kann das Haus nicht mehr ohne Angst verlassen oder einkaufen, nichts geht mehr ohne Panikattacken. Auch du wirst eine Hintergrundgeschichte haben und vermutlich eine verständliche Grundlage dafür, dass diese Symptome gerade so auftreten.
Diagnose beschreibt, sie erklärt nicht
Die Symptomatik, gerade mit Übelkeit, ist relativ typisch für eine Panik- oder Angststörung. Wichtig: Eine Panikstörung, soziale Phobie oder Agoraphobie bedingt nicht, dass die Symptome auftreten, sondern wenn wir bestimmte Symptome eingrenzen und beobachten, dürfen wir die Diagnose vergeben. Das sagt aber nichts darüber, woher die Symptomatik kommt. Symptome sind in der Regel nicht Ausdruck einer Krankheit, sondern Ausdruck erlernter Denkmuster.
Was Agoraphobie bedeutet
Mit dem Wenigen, was du geschrieben hast, würde eine Agoraphobie ganz gut passen. Der Begriff kommt vom griechischen agora, dem Marktplatz, und meint Platzangst, nicht zu verwechseln mit der Raumenge der Klaustrophobie, sondern ursprünglich die Angst vor großen, weiten Plätzen und vor weiten Reisen alleine. In der heutigen Definition steht vor allem die Angst im Vordergrund, in einer Situation nicht flüchten zu können, dass der Gesundheitszustand kritisch werden könnte und dass einem etwas Peinliches widerfährt.
Erst das Gefühl, dann die Angst
Du schreibst, erst kommt das Gefühl, dann die Angst, dann die Panik. Zwischen Gefühl (Schwindel, Übelkeit) und Angst liegt oft scheinbar wenig, tatsächlich aber wahrscheinlich eine sehr schnelle, meist innerlich gehörte, dramatische Bewertung deines Gehirns. Angstauslösende Denkprozesse laufen mit hoher Geschwindigkeit ab, überleg mal, ob du mit der gleichen Angst reagieren würdest, wenn du alles in Zeitlupe erleben würdest. Dieses Modell ist über die Zeit gewachsen und zu antrainierten Strukturen geworden, heute läuft die Angst oft nur noch über schnelle Assoziationen.
Kreisläufe durchbrechen
Es sind Kreislaufprozesse: Eine antrainierte Angst kommt hoch, ein Gefühl entsteht, darauf setzen sich angstbezogene Gedanken, die wieder körperliche Reaktionen und Gefühle machen, die wieder negatives Denken auslösen. Um da einzugreifen, müssen wir einen Unterschied einbauen. Deshalb: Wenn ich dir etwas empfehle, dem du sofort zustimmst, entspricht es wahrscheinlich deinen alten Denkmustern, und genau die waren der Grund für das Problem. Ein guter Tipp darf sich also erst mal nach Widerstand anfühlen, weil er ein Stück weit quer zu den alten Mustern liegt.
Refokussieren: Distanz kommt aus Nähe
Der erste Ansatz ist Refokussierung: Lerne, im Alltag den Fokus bewusst auf bestimmte Dinge zu setzen und sie mit der Zeit größer zu machen. Wichtig ist Distanz zu Gedanken und körperlichen Symptomen, aber Distanz kommt nicht aus der Distanz. Wenn du versuchst, aufzuhören, auf deinen Körper zu achten, geht das schief. Distanz kommt aus Nähe zu etwas anderem.
Nicht abschalten, sondern anschalten
Abschalten funktioniert nicht. Sich vorzunehmen, „ich muss jetzt abschalten", heißt, sich vom alten, stressigen Zustand distanzieren zu wollen. Besser ist, das Nächste, was kommt, anzuschalten und groß zu machen. Wenn ich nach einem langen Praxistag nach Hause komme, die Kinder ins Bett bringe, noch eine Kleinigkeit esse, dann muss ich den Tag nicht erst „wegtherapieren", weil das, was vor mir steht, einerseits etwas Schönes ist und andererseits etwas, worauf ich trainiert bin, die Dinge, die vor mir stehen, groß zu machen. Nach ärztlicher Abklärung lohnt sich zudem ein Therapiebeginn, der nicht rein diagnostisch, sondern an den Denkmustern ansetzt.
Wie Angst, Kreisläufe und das Refokussieren zusammenhängen und wie du sie durchbrichst, beschreibe ich ausführlich in meinen Büchern und Hörbüchern → hier ansehen.
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