Nach dem Einrenken wieder Schmerzen: Warum die Chiropraktik oft nicht dauerhaft hilft

Damian schreibt: Ich hatte monatelang Schmerzen in Brust und Rücken sowie Taubheit, alles ärztlich abklären lassen. Dann ab zum Chiropraktiker, ein, zwei Tage zuvor hatte ich beim Joggen das Gefühl eines Kreislaufkollapses. Dazu kamen die typische Benommenheit und ein komisches Gefühl, und ich habe immer noch Schmerzen, der Nacken ist verspannt. Ist das normal nach dem Einrenken, und hat es überhaupt etwas gebracht, wenn ich noch Schmerzen habe?

Ein typischer Verlauf

Es gibt Verfechter, die sagen, Schwindel und Nacken hingen immer stark zusammen, man müsse nur einrenken und habe nie wieder ein Problem. Das habe ich bei keinem einzigen Patienten und bei mir selbst seit Jahren nie dauerhaft erlebt. Das Gefühl beim Joggen ist eine sogenannte subjektive Synkopenneigung, die viele kennen, sie ist nichts Schlimmes, aber im Moment sehr unangenehm und passt gut zu Panik, Stresshormonausschüttung und der Fokussierung auf körperliche Phänomene.

Warum das Symptom durch Fokus groß wird

Unser Gehirn könnte alle Körperphänomene wahrnehmen, hält die meisten aber aus dem Bewusstsein heraus, weil wir sie zum Leben nicht brauchen. Haben wir aber einmal einen starken Impuls bekommen, einen Extraschlag, ein Herzstolpern, ein komisches Gefühl, fokussieren wir darauf und trainieren uns an, es ständig zu suchen. Unsere Energie folgt unserem Fokus. Und selbst wer fest überzeugt ist, es müsse etwas Organisches sein, hat oft trotzdem etwas Antrainiertes im Fokusbereich. Trotzdem gilt: neue Symptome immer ärztlich abklären lassen.

Was beim Einrenken wirklich passiert, und die Gefahr

Osteopathie und Chiropraktik sind keine schulmedizinisch anerkannten Verfahren, richtig ausgeführt aber meist nicht schädlich. Vorsicht ist bei ruckhaftem Einrenken geboten: Im Halswirbelbereich verlaufen Blutgefäße, und wer die Technik nicht beherrscht, kann ein Gefäß verletzen, was im schlimmsten Fall die Sauerstoffversorgung des Gehirns beeinträchtigt. Sei also vorsichtig mit zu kräftigen, in den Schmerz gehenden Manipulationen.

Wichtig zum Einordnen: Ein hörbares, entlastendes Knacken lässt sich bei den meisten Menschen fast täglich erzeugen. Ich baue selbst Bewegungsabläufe ein, bei denen die Wirbelsäule knackt, das ist mehr oder weniger physiologisch und kein Zeichen einer Pathologie. Man sollte also nicht zu viel ins Einrenken hineinlesen, sonst müsste man alle drei Tage hin.

Warum es kurz hilft und dann zurückkommt

Nach dem Einrenken geht es besser, weil man sich befreit fühlt und viele andere Gedanken groß im Fokus hat, das Symptom laviert schnell. Es kommt wieder, weil die Ursache nicht behoben ist, vor allem aber, weil die antrainierten Fokusbestandteile sich nicht an einem Tag umtrainieren lassen. Schau dir dazu das Video „Autofahren, ohne darüber nachzudenken" an, es greift die Neuroplastizität auf: Unser Gehirn ist auf das trainiert, worüber wir am häufigsten nachdenken. Wir sind, was wir am häufigsten gedacht haben.

Was für dich das Richtige ist

Geh gern einmal die Woche zum Physiotherapeuten und lass prüfen, ob organisch etwas korrigiert werden kann, etwa ungleich trainierte Muskulatur, die wieder synchronisiert werden muss. Das Wichtigere aber ist, der gedanklichen Ebene mehr Aufmerksamkeit und mehr Kontrolle zu geben: Wo dein Gehirn Befürchtungen liefert, gib ihnen eine Zielorientierung, wo es Sorgen aufbereitet, wende dich ihnen zu und fange an, Dinge zu lösen.

Fast immer steckt derselbe Hintergrund dahinter: Wir tun Dinge, die wir nicht wollen, tun Dinge, die wir wollen, noch nicht, und tragen Sorgen ohne guten Umgang mit ihnen. Wir alle fürchten eine schlechte Zukunft, aber kaum jemand hat gelernt, eine positive Zukunft aktiv zu denken. Glück ist nicht die Abwesenheit negativer Gedanken, sondern die Fähigkeit, mit ihnen umzugehen, und Gesundheit ist nicht die Abwesenheit von Krankheit.

Dass schnell ein neues, komisches Gefühl auftaucht, zeigt, dass du stark aufs Beobachten fokussiert bist, hilft mir das? Ähnlich wie bei Homöopathie oder Akupunktur gilt: Nimm etwas nicht in der ständigen Erwartung, dass die Symptome weniger werden, denn dieses Kontrollieren verhindert den Effekt. Du hast selbst einen guten Plan beschrieben: Beim nächsten Impuls, etwas zu googeln, erst hinsetzen, Sorgen aufschreiben und Fragen entwickeln, die dir helfen. Das bringt Distanz und hält dich von Google fern, das als ungefilterter Mechanismus gefährlich sein kann.

Kurz: Das Einrenken hat im Moment durchaus etwas bewegt, aber das Grundproblem bleibt. Nimm von Einrenkversuchen zur reinen Symptomlinderung eher Abstand. Als Technik von Fachleuten kann es ein Wohlgefühl bringen, aber unterscheide sauber: organisch beeinflussbare Phänomene auf der einen Seite und deinen gedanklichen Fokus auf der anderen, den es umzulenken gilt.

Wie Fokus, Wahrnehmung und körperliche Symptome zusammenhängen und wie du deinen Fokus umtrainierst, beschreibe ich ausführlich in meinen Büchern und Hörbüchern → hier ansehen.

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