Warum du nicht jedem Symptom hinterherdiagnostizieren solltest, am Beispiel Schwindel

In diesem Beitrag leite ich her, warum es nicht immer sinnvoll ist, einem Symptom hinterherzudiagnostizieren, am Beispiel Schwindel. Schwindel kennt jeder, vom Im-Kreis-Drehen bis zum Zuvielgetrunken. Viele Patienten leiden aber unter längerfristigem oder chronifiziertem Schwindel, ohne dass sich eine organische Ursache findet. Eine typische organische Ursache wäre ein Morbus Menière, eine Mittelohrerkrankung, die mit einem Drehschwindel einhergeht.

Schwankschwindel und eine schnelle Übung

Die meisten Betroffenen erleben einen Schwankschwindel. Eine Übung dagegen: bewusst einen eigenen Schwindel in der anderen Achse erzeugen. Schwankst du gefühlt von links nach rechts, versuch, von hinten nach vorne zu schwanken. Vom Gehirn erzeugter Schwindel lässt sich durch eine andere Fokussierung überlagern, denn das Gehirn kann nicht zwei Schwindel gleichzeitig machen, das bringt zumindest kurzfristig Linderung.

Wo kommt der Schwindel her?

Wichtiger ist die Frage nach der Herkunft. Haben wir Befürchtungen, dürfen wir Ziele darauf setzen, uns also ausdenken, was stattdessen passieren soll. Bei körperlichen Problemen ist das schwierig: Wie fühlt sich „ohne Schwindel" an? Unser Gehirn kann nicht nicht verarbeiten. „Ich hätte gern weniger Schwindel" ist so hilfreich wie „hoffentlich hast du keinen Stau", man sieht dann viele rote Rücklichter, nicht die freie Straße. Das alte Prinzip: Denk jetzt nicht an einen rosa Elefanten. Wir brauchen also eine Zieldefinition: Was soll anstelle des Schwindels passieren?

Psychogener Schwindel als larvierte Panikstörung

Schwindel aus einem endogenen Prozess ohne organische Ursache hat oft den Hintergrund einer larvierten Panikstörung: Die Panikstörung tritt fast isoliert nur über das Phänomen Schwindel nach außen. Eine Panikstörung hat viele mögliche, meist ungefährliche Symptome, Herzklopfen bis unters Kinn (Palpitationen), innere Unruhe, Kaltschweißigkeit, teils Brustschmerz, den viele als Herzinfarkt fehldeuten. Manchmal ist der Schwindel eine Vorstufe, manchmal wechseln sich Herzsymptome und isolierter Schwindel ab.

Der entscheidende Gedanke: Panikstörung, Depression und Angststörung wollen uns nicht sagen „mach genau das", sondern „bitte mach nicht mehr so weiter wie bisher". Ein Schwindel ist ein panikattackenartiges Phänomen, eingegrenzt auf Schwindel, mit genau dieser Botschaft. Evolutionsbiologisch will der Körper uns schützen und gibt ein Symptom, um zu sagen: Pass auf. Deshalb geht man in die Tiefe: Gibt es Konflikte oder Problemmuster, die der Betroffene kaum noch wahrnimmt?

Rote und grüne Punkte

Im Alltag hat jeder negatives, dramatisch geprägtes Denken, die kleinen roten Punkte. Viele deuten das als Zeichen einer Störung, dabei ist unser Kopf schlicht nicht fürs positive Denken gemacht, besonders im „Könnte-Modus". Das ist nicht das Problem. Problematisch wird es, wenn wir die vielen kleinen Baustellen unbearbeitet lassen: Der Körper kommuniziert mit der Zeit, dass es keine Lösung gibt, und daraus baut sich auf, was wir dann Depression oder Panikstörung nennen. Also: erst den Blick darauf richten, wo im Alltag etwas nicht stimmt. Probleme entstehen, weil wir Dinge tun, die wir lassen sollten, und Dinge lassen, die wir tun sollten.

Der naheliegende grüne Punkt „wer negativ denkt, soll positiv denken" greift zu kurz, denn negative Gedanken haben einen stärkeren Impact, man spricht von Verhältnissen von fünf zu eins oder zehn zu eins. Ein einzelner positiver Gedanke kann dagegen nicht anstinken. Nutze deshalb zwei Hebel: quantitativ häufiger positiv und zielorientiert denken und qualitativ stärker. Statt „Was ist, wenn ich nie die passende Frau finde" also: Ich möchte diese Partnerschaft finden und gemeinsam aufbauen, und ich bereite mich konkret auf die Selbstständigkeit vor, die ich eigentlich will.

Vom negativen Denken entkoppeln

Mit der Zeit darfst du dich davon entkoppeln, dein positives Denken nicht mehr davon abhängig zu machen, dass dein dramatisches Gehirn dich dazu einlädt. Merke: Dramatisches Denken gehört zum gesunden Gehirn, es will immer negativ denken, und wer sich davon kontrollieren lässt, wird eher depressiv. Nimm die Gedanken selbst in die Hand. Stell dir zum Beispiel einen „Wecker", der dich regelmäßig an deine Ziele und deine positive Zukunft erinnert, oder mach dir einen Ziele-Plan.

Kurz: Wenn ein Symptom wie Schwindel, isolierte Übelkeit, Kopf- oder Bauchschmerzen ohne organischen Hintergrund auftaucht, und ebenso bei Depression, Panikstörung und anderen psychosomatischen Mustern, schau immer auch an die Basis. Was passiert im Alltag auf der inneren Verarbeitungsebene, welche Bilder und inneren Sätze sind da? Bauen wir diese Baustellen zu Ende und kommen zu Lösungen, kann ein körperliches Symptom wie der Schwindel mit der Zeit verschwinden.

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Schwankschwindel mit Übelkeit, Angst und Panik: Nicht abschalten, sondern anschalten