Schneller Puls, Extrasystolen und Bisoprolol: Was steckt wirklich dahinter?

Eine Zuschauerin, Manuela, hat geschrieben, dass sie seit drei Tagen auch in Ruhephasen immer wieder ein extra schnelles Herz bemerkt, mit viel Stress und Aufregung dabei. Der Hausarzt hat ein Langzeit-EKG gemacht, alles in Ordnung, außer dass der Puls sehr schnell ist. Sie nimmt seit drei Wochen Bisoprolol und fragt: Kann Stress verursachen, dass das Herz Extraschläge macht?

Vorab, wie immer bei Medikamenten: Der Arzt, der ein solches Präparat verschreibt, ist der Fachmann und sollte bei allen Rückfragen dazu zu Rate gezogen werden. Was hier folgt, ist Hintergrundwissen.

Meist nicht das Herz, sondern die Wahrnehmung

Zunächst lässt sich das oft auf eine erhöhte Introspektionsfähigkeit zurückführen. Nach Definition ist das Auftreten von Extrasystolen, also ein Extraschlag an einer Stelle, wo eigentlich keiner hingehört, vollkommen normal und gesund. Erst ab mehreren tausend am Tag geht man dem medizinisch nach. Viele glauben, eine einzelne Extrasystole zu spüren. Bei den meisten, die ich begleiten konnte, zeigte das Langzeit-EKG die Extrasystolen zu bestimmten Uhrzeiten sehr gut, und auf Nachfrage sagten die Leute: Davon habe ich nichts gemerkt. Was man zu spüren glaubt, sind also oft gar nicht real aufgetretene Extrasystolen, sondern eine erhöhte Wahrnehmung, die uns etwas spüren lässt, wo eigentlich kein echter Reiz vorliegt.

Nach Leitlinie ist Stress einer der Haupthintergründe: Schlafentzug, Aufregung, höhere Belastungen und vor allem der Konsum psychotroper Substanzen wie Kaffee, Tee oder Energydrinks. Hast du im Alltag etwa acht Extrasystolen und trinkst Kaffee, sind es vielleicht zwölf bis zwanzig. Die medizinisch relevante Grenze liegt erst bei mehreren tausend.

Der Fokus entscheidet

Das Phänomen hat stark mit dem Fokus zu tun: Unsere Energie folgt immer unserem Fokus. Was wir wahrzunehmen glauben, hat meist keine reale Grundlage, sondern spielt sich im Kopf ab. Deshalb dürfen wir lernen, den Fokus davon weg auf andere Dinge zu richten, denn Distanz entsteht nicht aus Distanz von etwas, sondern aus Nähe zu etwas. Der Versuch, einfach nicht mehr darauf zu achten, funktioniert nicht, denk jetzt nicht an einen blauen Elefanten.

Zur Frage nach dem Medikament

Der schnelle Puls im EKG wäre als Sinustachykardie einzuordnen, ein erhöhter Herzschlag im normalen Sinusrhythmus. Manuela hat nichts von einer weiteren Differenzierung geschrieben, das ist erst einmal ein gutes Zeichen. Bisoprolol ist eines der Präparate, die typischerweise gegen Bluthochdruck eingesetzt werden. Es pendelt die Herzaktivität etwas herunter, was auch bei einer Tachykardie hilft, ist vordergründig aber ein Blutdruckmittel. Ohne das genaue Krankheitsbild lässt sich das schwer einschätzen, und deshalb gehört die Frage zum verordnenden Arzt.

Viel wichtiger finde ich die Frage nach der Indikation: Wie kommt es, dass jemand über den Tag verteilt zu hohe Pulswerte hat? Statistisch gibt es kaum Erkrankungen, die als isolierte Tachykardie in der Breite auftreten, bei denen also „zu schneller Puls" schon die ganze Erkrankung wäre. Hättest du wirklich eine Herzerkrankung, würde man sie nicht nur mit einem Medikament herunterpendeln, sondern dir einen Therapievorschlag machen, etwa eine Katheteruntersuchung mit Verödung bei bestimmten organischen Veränderungen. Wichtig ist deshalb, dass du in einer weiteren Abklärung eine genaue Ursache aufgezeigt bekommst. Vermutlich ist auch bei dir ein eher alltagsbezogener Hintergrund greifbarer als eine echte Herzerkrankung.

Warum unser Körper überreagiert

Unser Körper ist heute noch derselbe wie vor 50.000 Jahren, mit zwei Kernaufgaben: überleben und sich reproduzieren. In uns steckt ein starkes Fight-or-Flight-Prinzip, das nur digital kennt: Lebensgefahr da oder nicht da. Seit rund 10.000 Jahren hat sich unsere soziale Entwicklung aber weit vom Genom entfernt. Unser Kopf hat weiter ständig das Überleben im Fokus, obwohl unsere Umwelt längst entschärft ist.

Wir reagieren also auf Belastungen, Ängste und Befürchtungsmuster. Gerade diffuse Befürchtungen, was ist, wenn ich krank werde, einen Unfall habe, operiert werden muss, sind oft die schlimmsten, weil Körper und Kopf nicht wissen, wie viel Gefahr wirklich besteht. Dann werden Stresshormone ausgeschüttet: Herzschlag und Atmung beschleunigen sich, damit die Muskulatur genug Blut und Sauerstoff für die Flucht bekommt. Dass diese Auslöser nicht mehr lebensgefährlich sind, ist bei unserem Kopf noch nicht angekommen. Schau dir die Eingangsszene von James Bond an, fünfzehn Minuten Verfolgungsjagd, und dein Puls geht mit, obwohl du weißt, dass es nicht real ist.

Was du langfristig tun kannst

Für dich heißt das: Die Stresseinflüsse im Alltag sind ein sehr wahrscheinlicher Hintergrund für deine erlebten Extrasystolen, ob im EKG sichtbar oder subjektiv gespürt. Die Situationen, die deinen Puls immer wieder hochtreiben, sind die Dinge, die du langfristig lösen solltest. Du wirst Angst vor Dingen haben, die sich auf deiner inneren Ebene abspielen, in Bildern und Selbstgesprächen, und viele angstauslösende Gedanken, denen du noch nichts entgegensetzen kannst. Vielleicht tust du im Alltag immer wieder Dinge, die du gar nicht möchtest, und andere, die du möchtest, aber nicht umsetzt. Das sind keine guten Voraussetzungen, um Tag für Tag ruhig zu bleiben.

Die meisten heutigen Erkrankungsmuster sind nicht wirklich Erkrankungen des Körpers, sondern über die Gedanken antrainiert, die wir immer wieder denken, und gesellschaftlicher Natur, geprägt von dem, was von uns erwartet wird. In einem längeren therapeutischen Prozess ginge es zunächst darum, eine selbstreflexive Basis zu schaffen und zu erkennen: Was zwickt mich den ganzen Tag, und worauf bekomme ich mehr Zugriff, um es umzudeuten und in den Griff zu bekommen.

Im Grunde hast du es richtig gemacht und über die ärztliche Abklärung herausgefunden, dass kein bedrohliches körperliches Krankheitsbild vorliegt. Für das, was obendrauf kommt, ist der Hausarzt therapeutisch kaum noch der Ansprechpartner. Und da kassenzugelassene Psychotherapeuten oft 10 bis 18 Monate Wartezeit haben, ist man vorerst darauf angewiesen, sich selbst zu helfen. Genau dafür möchte ich dir kleine Werkzeuge an die Hand geben.

Wie Stress, Wahrnehmung und die Angst vor Herzsymptomen zusammenhängen und wie du daran arbeitest, beschreibe ich ausführlich in meinen Büchern und Hörbüchern → hier ansehen.

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Habe ich Extrasystolen? Warum dein Herz springt und wie du aus der Angst herauskommst

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