Psychosomatische Verspannungen, wann verschwinden sie wieder?

Ein Zuschauer fragt: Was sagst du zu psychosomatischen Verspannungen, wann gehen die wieder weg? Es ist besser geworden, aber nicht ganz weg, seit vier Jahren, und hat das auch mit Ängsten zu tun?

Für viele Betroffene ist das eine schwierige Frage, weil sie oft seit Langem Symptome haben, die von keinem Arzt zufriedenstellend eingeordnet wurden. Dann kommt aus ihrer Sicht vielleicht zu schnell der Satz, dann müssen wir wohl zum Kopfdoktor, diese psychosomatische Komponente.

Was psychosomatisch wirklich heißt

In der Diagnostik findet man den Hinweis, dass eine organisch anmutende Problematik ohne organischen Befund beobachtet werden kann, ein Symptom, das man somatisch feststellt, aber ohne Ursache dazu. Die somatoforme Störung nach ICD-10 wird zudem erst nach zwei Jahren Symptomdauer festgestellt, das trifft primär auf viele gar nicht zu. Häufig bleibt die Erklärung bei „das sind vielleicht psychosomatische Beschwerden", und das ist für viele ein unbefriedigendes Wissensloch, man fühlt sich abgestempelt.

Dabei ist der Prozess relativ simpel: Man hat Stressoren, die mit einer Stresshormonausschüttung einhergehen, das bringt zum Beispiel den Magen zu vermehrter Säureausschüttung, es entsteht eine gereizte Magenschleimhaut bis zum Geschwür. Etwas aus dem Psycho-Kontext wird somatisiert.

Wie Gedanken Verspannungen erzeugen

Verspannungen haben Auslöser. Ich gehe davon aus, dass irgendwelche gedanklichen Präsenzen, bildhaft oder auditiv, das A und O sind. Solche Präsenzen bringen unser System dazu, zu reagieren, über Stresshormonausschüttung. Dabei ist es nicht themenspezifisch, es ist nicht so, dass eine Zukunftsbefürchtung Nackenverspannungen macht und die Angst vor dem Verlassenwerden etwas anderes, sondern jede Form belastender Gedanken kann diese Ausschüttung bewirken. Das bringt uns in ein Getriebensein und innere Unruhe, und es kann zu einem erhöhten Muskeltonus kommen. Die Muskulatur wird stärker angefahren, du würdest „verkrampft" sagen. Der Muskel verkrampft nicht wirklich, aber der höhere Tonus erzeugt den Eindruck von Belastungsschmerzen, gerade im Nacken werden Muskeln einseitig belastet, und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass es „knackt".

Dazu kommt: Wir sind Säugetiere und schützen sensible Bereiche. Lebst du den ganzen Tag unter Gedanken, die dich scheinbar in Gefahr bringen, ziehst du automatisch die Schultern hoch, diese dauerhafte Anspannung macht die Verspannungsbeschwerden. Verspannungen psychosomatischer Natur sind also vor allem Anspannungszustände, die sich aus einer gedanklichen Präsenzebene ableiten. Dazu kommen typische Faktoren wie zu viel Kaffee, Alkohol, Zigaretten und vor allem zu wenig trinken. Eine nennenswerte körperliche Erkrankung steckt in der Regel nicht dahinter, wir sprechen von einem Symptom oder Syndrom, nicht von einer pathologischen Krankheit.

Warum es nicht von allein weggeht

Kannst du durch andere Gedanken die Verspannung wieder lösen? Das ist komplexer. Wenn das Angespanntsein auf gedanklichen Präsenzen aufbaut, was in vielen Fällen mindestens eine, vielleicht sogar die zentrale Rolle spielt, dann geht es von allein nur weg, wenn sich die gedanklichen Präsenzen von allein verändern, und die Wahrscheinlichkeit dafür ist nicht groß. Durch Medikamente geht es auch nicht weg: Medikamente machen nicht, dass du anders denkst. Psychopharmaka sorgen vordergründig dafür, dass dein Gehirn die erlebten Inhalte nicht mehr so stark emotional bewertet. Der psychosomatische Verspannungsansatz geht theoretisch von allein nicht weg, weil die Ursache meist keine temporäre Angelegenheit ist.

Was du tun kannst

Schau, ob es auf deiner inneren Verarbeitungsebene Kandidaten gibt, auslösende Stressoren, die dein Denken beeinflussen. Dafür hilft eine Befürchtungstabelle. Findest du dort keine, gibt es wahrscheinlich trotzdem Hintergründe, etwa ein Job, den du nicht gern machst, oder ein Partner, den du nicht so toll findest. Schau dir das Video an, wie ein Gefühl entsteht, und grase deine persönliche Integritätsebene ab. Findest du Kandidaten, gilt: Sobald du lernst, anders mit deinen Befürchtungen, Szenarien und Stressoren umzugehen, kommt Entlastung. Es geht nicht darum, weniger Stressoren oder negative Gedanken zu erleben, sondern anders mit diesen Inhalten umzugehen. Kommen die Anspannungszustände genau daraus, wird es zunehmend entlastend, wenn du das lernst.

Wie du erkennst, welche Gedanken deine Verspannungen auslösen, und anders damit umgehst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.

Du hast seit Längerem psychosomatische Verspannungen und möchtest an den Auslösern arbeiten? Nach ärztlicher Abklärung begleite ich dich gern. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.