17 Jahre Schwindel ohne Befund: „Ich kann nicht an eine psychische Ursache glauben"

Stefan schreibt: Ich leide seit 17 Jahren unter Schwindel, Benommenheit, Herzstolpern, Herzrasen, Verdauungsproblemen und vielem mehr. Bei unzähligen Untersuchungen wurde nie etwas Organisches gefunden, und auch viele Therapien, ambulant, stationär und in der Tagesklinik, brachten keine Besserung. Ich kann und will nicht an eine rein psychische Ursache glauben. Auf die Frage, ob ich ohne Symptome glücklicher wäre, sage ich klar: zu hundert Prozent. Die Symptome behindern mich überall, sie haben eine Familie zerstört, ich beschreibe mein Leben als Zustand zwischen Leben und Tod, jeder Tag ist ein Kampf.

Lieber Stefan, das ist keine schöne Geschichte, und solche Erfahrungsberichte sind in diesem Kontext leider typisch, nicht die Ausnahme. Die Frage ist, was man an dieser Schnittstelle tun kann.

Warum bisherige Therapien oft nicht helfen

Ich weiß nicht, welche Ansätze du ausprobiert hast. Häufig liegt es daran, dass sie den klassischen, wissenschaftlich etablierten Verfahren folgen. Was ich hier vorstelle, sind eher moderne Erkenntnisse aus der Hirnforschung und aus Bereichen wie dem neurolinguistischen Programmieren, dazu bin ich systemisch, also familientherapeutisch, ausgebildet. Heute geht man ein Stück weit anders an die Sache heran, aber das ist in der kassenzugelassenen Psychotherapie und in vielen Kliniken noch nicht angekommen. Neue Verfahren brauchen sehr lange bis zur Kassenzulassung, die systemische Therapie hat weit über zehn Jahre gebraucht. Und es gibt keinen schnellen Einzelfehler, den man behebt, und zack ist alles gut, so funktioniert es nicht.

Der körperliche Anteil, und was man nicht von außen sieht

Ein Faktor ist die körperlich-stoffliche Ebene: Beim Schwindel spielen Stresshormone eine Rolle, und unser Gehirn kann sich mit der Zeit regelrecht auf Schwindel „trainieren", ohne dass eine explizite Ursache im Raum steht. Deshalb lohnt es, die Dinge zu beobachten, die man von außen nicht sieht: Welche Belastungen bekommst du auf der gedanklichen Ebene mit? Nicht das, was ein Therapeut in der Tagesklinik beim Specksteinschnitzen thematisieren kann. Wir Menschen denken vor allem in Befürchtungs- und Sorgenmustern, und auf dieser Ebene finden sich meist viele Gedanken, die von allein kommen, negativ-dramatisch sind und schwer zu verändern.

Die Skepsis ist selbst ein typischer Gedanke

Du bist skeptisch, dass es psychisch ist, und vermutest doch etwas Organisches. Genau das ist eine sehr häufige Gedankenbelastung. Unser Gehirn sucht nach kausalen Zusammenhängen und will recht behalten, wir hören am liebsten denen zu, die bestätigen, was wir ohnehin denken, und sozialmediale Einflüsse verstärken bestehendes Gedankengut eher, als dass sie neues zulassen. Diesen Gedanken, „ist es nicht doch anders als alle behaupten", haben wir alle.

Und ich sage das mit Respekt vor deiner Lage: Du hast unzählige Untersuchungen hinter dir, körperlich wie psychologisch, und niemand konnte dir konsequent helfen. Das ist mies, das würde ich als Betroffener genauso empfinden.

Was hast du zu verlieren, was zu gewinnen?

Wichtig bleibt: Neu auftretende Symptome immer erst ausdiagnostizieren, vor allem organisch. Dazu habe ich ein Video gemacht, „Ist meine Störung vielleicht doch organisch". Und dann betrachte es nüchtern: Wenn du noch einen Versuch mit einem modernen, physiologisch fundierten Ansatz wagst, statt mit dem altbackenen „Deine Ängste sind unlogisch", dann riskierst du Lebenszeit, die du ohnehin verlierst, wenn du es nicht probierst, und zu gewinnen hast du sehr viel. Ich kenne dich nicht und konnte dich nicht untersuchen, aber in der Thesenbildung sage ich: Am wahrscheinlichsten ist ein „kopfmäßiger" Hintergrund, weil das statistisch am ehesten zu erwarten ist. Wahrscheinlich ist bei vielen, selbst nach zehn, zwanzig oder dreißig Jahren, einfach noch nicht mit dem richtigen Modell an die Sache herangegangen worden.

Versuch also, mit den Ansätzen zu Schwindel, Benommenheit und Panik deine eigene Situation anzugehen. Du hast im Prinzip nichts zu verlieren und eine ganze Menge zu gewinnen.

Wie Stress, Wahrnehmung und langjährige diffuse Symptome zusammenhängen und wie du sie angehst, beschreibe ich ausführlich in meinen Büchern und Hörbüchern → hier ansehen.

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