Kommt meine Atemnot vom Magen? Was hinter subjektiver Luftnot steckt

Ein Zuschauer namens Marco hat mir zum Thema subjektive Atemnot geschrieben. Sinngemäß fragte er: Ich denke, bei mir kommt es vom Magen. Kann das sein? Die kurze Antwort: Das kann sogar sehr gut sein. Und weil das eine Frage ist, die viele Menschen mit Angst- und Symptomthemen beschäftigt, schauen wir sie uns etwas genauer an.

Was subjektive Luftnot überhaupt bedeutet

Subjektive Luftnot heißt, dass jemand das Gefühl hat, nicht genug oder nicht gut Luft zu bekommen, wir das aber nicht objektivieren können. Über eine Messung wie einen SpO2-Sensor am Finger oder sogar über eine Blutgasanalyse lässt sich in dem Moment oft nicht nachweisen, dass ein messbarer Handlungsbedarf besteht.

Wichtig ist mir an dieser Stelle ein klarer Hinweis: Luftnot ist immer auch ein Bild, das man ärztlich abklären muss. Erst wenn das geschehen ist, macht es Sinn, den psychosomatischen Anteil in Ruhe zu betrachten. Die möglichen Hintergründe reichen über eine breite Palette, aber in der Regel sind die meisten davon sehr unangenehm und zugleich sehr ungefährlich. Das ist schon einmal eine gute Nachricht.

Trotzdem ist es ein sehr störendes Erleben. Viele Betroffene beschreiben eindrücklich dieses Gefühl von Lufthunger: dieses Luftziehen, das Gähnen, der Drang, noch einmal tief einzuatmen, um endlich dieses befriedigende Atemgefühl zu bekommen. Und es kommt einfach nicht.

Der Zusammenhang mit Panik, Unruhe und Stress

Aus meiner Erfahrung ist subjektive Luftnot zunächst sehr eng mit den klassischen Symptomen wie Panik, innerer Unruhe und innerem Zittern verbunden. Manche berichten zusätzlich von einer Schwindelbenommenheit. Bei vielen Menschen dieser Symptomkategorie passt es früher oder später ins Bild, auch einmal ein solches Phänomen zu erleben. Das ist unangenehm und erschreckt oft, aber wenn man näher hinschaut, findet man in der Regel schnell heraus: Ruhig Blut, wir können etwas daran tun.

Die Herangehensweise ist dabei dieselbe wie bei Panik oder Schwindel. Wir wollen herausfinden, warum dein System mit diesen Symptomen antwortet, denn auch sie haben eine Vorgeschichte. Entweder gibt es im äußeren Umfeld Belastungsfaktoren, die eine Stressreaktion auslösen und vermehrt Stresshormone ausschütten. Oder, und das reicht schon, jemand erlebt diese Stressoren nur auf der mentalen Ebene. Es muss im Außen nichts sein, was dich real gefährdet. Sobald es in deiner Aufmerksamkeit, in deinem Denken, in deinem Bewusstsein ist, reagiert dein System darauf. Kopf und Körper wollen immer eine Antwort geben, und diese Antwort ist ziemlich uniform: Dann schütten wir eben noch mehr Stresshormone aus.

Die Schere: wenn der Puls unerwartet steigt

Ein Bild, das ich in der Praxis gern nutze, ist eine Schere, die aufgeht. Stell dir vor, du sitzt am Schreibtisch mit einem Puls von 80, alles entspannt. Jetzt sitzt du am Schreibtisch mit einem Puls von 95. Das fühlt sich nicht mehr entspannt an, die Schere geht auf. Woher die Erhöhung kommt, wissen wir im Moment noch nicht, aber sie fühlt sich unangenehm an.

Diese Schere lässt sich schlecht nach unten schließen, den Puls kann man sich nicht einfach herunterzwingen, höchstens indirekt. Deshalb versuchen wir eher, die Schere nach oben zu schließen: bewusst in Bewegung kommen. Im Zweifel herausfinden, woher es kommt, vor allem aber aktiv werden, damit sich die Schere wieder schließt.

Warum mehr Atmen die Luftnot verstärkt

Bei der subjektiven Luftnot läuft ein ähnlicher Prozess ab: Die vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen beschleunigt auch die Atemfrequenz. Ich glaube übrigens nicht daran, dass wir „falsch atmen" und uns das erst mühsam neu antrainieren müssten. Der Körper hat so viele Mechanismen, dass das Atmen am besten funktioniert, wenn es sich selbst regulieren kann.

Wenn nun aber durch Belastung mehr Stresshormone im Organismus sind, sich die Atmung beschleunigt und der Gasaustausch steigt, ziehen wir zwar immer weiter Sauerstoff, was kaum ins Gewicht fällt, gleichzeitig aber auch CO2 aus dem Blut. Und CO2 ist ein wichtiger Pufferstoff, der den pH-Wert des Blutes beeinflusst. Genau darauf reagiert unser Körper sehr sensibel, und genau das erzeugt Symptome in Richtung subjektiver Luftnot. Wir haben dann das Gefühl, noch mehr atmen zu müssen, damit das befriedigende Gefühl endlich kommt, und machen es damit oft sogar schlimmer.

An dieser Stelle kann eine Atemübung helfen, etwa in eine Tüte zu atmen, um wieder mehr CO2 zuzuführen. Vor allem aber gilt auch hier: Komm in Bewegung. Dein Körper wird gerade einen Grund für seine Reaktion haben.

Der Magen und das Römheld-Syndrom

Und damit zu Marcos eigentlicher Frage. Körperliche Auslöser sind meiner Erfahrung nach selten isoliert zu betrachten. Kommt es also „nur" vom Magen? In der Regel hast du eher ein Mischbild: Der Magen spielt vielleicht eine Rolle, gleichzeitig braucht es oft auch eine etwas erhöhte, leicht hypochondrische Ader, um verstärkt in sich hineinzuhorchen und schneller auf das zu reagieren, was der Körper anbietet.

Am Magen und Darm gibt es viele mögliche Störungen: Beschwerden, die man auf den Magen oder den Dünndarm bezieht, eine Laktoseintoleranz, eine Fruktoseunverträglichkeit und so weiter. Viele dieser Aspekte lassen sich unter dem Begriff Römheld-Syndrom zusammenfassen. Und dieser Begriff sagt schon viel: Es ist keine Krankheit im klassischen Sinn, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Ursachen, die zu einem ähnlichen Resultat und damit zu ähnlichen Symptomen führen.

Beim Römheld-Syndrom haben wir unterhalb des Zwerchfells eine Raumforderung, die vor allem Platz nach oben einnimmt und dadurch die Lunge etwas nach oben verschiebt. Sie kann sogar ein wenig die Herzspitze mit eindrücken. Das ist die wahrscheinlichste Erklärung, warum eine subjektive Luftnot tatsächlich auch mit dem Magen zusammenhängen kann.

Beschreibung ist noch keine Ursache

Wichtig ist aber der nächste Gedanke: Wir haben damit vielleicht eine physikalische Beschreibung, Raumforderung, Mittellinienverschiebung, Zwerchfell nach oben, aber noch keine eigentliche Ursache. Also darf man auch hier wieder Ruhe hineinbringen. Wahrscheinlich ist es etwas Kombiniertes. Du kannst dich vielleicht ein bisschen besser ernähren, mehr Wasser trinken, kleinere Portionen essen und deinen Stress herunterfahren, damit die Magenschleimhaut nicht dauernd gereizt ist.

Vor allem aber dürfen wir erkennen, welche Muster uns auffallen, damit wir für uns verstehen: Ja, es ist vielleicht der Magen, an dem ich eine Problematik im Zusammenhang mit meinen Symptomen verorten kann. Aber es ist womöglich nur eine Lokalisation, die wir als Korrelation betrachten dürfen, nicht zwingend als alleinige Ursache. „Es kommt vom Magen" stimmt vielleicht, meist lässt sich aber deutlich mehr herausfinden.

Dein nächster Schritt

Wenn du solche Erkenntnisse über dich sammelst, ist fast noch wichtiger, wie du in der Folge damit umgehst. Schreib viel mit, versuche deine Beobachtungen strukturiert zu erfassen. Wenn du in ärztlicher Betreuung bist, sprich mit deinem Arzt darüber. So wird aus einer beunruhigenden Vermutung Schritt für Schritt ein Bild, mit dem du wirklich arbeiten kannst.

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