Der Alltag mit Panik: Warum der Kreislauf so schwer zu durchbrechen ist
Eine Zuschauerin namens Sarah hat mir zu meinem Buch „Schluss mit Panik" eine richtig gute Frage gestellt. Sinngemäß schrieb sie: Könntest du mal über den Alltag sprechen, nicht über die Attacke selbst, sondern darüber, wie man sich Tag für Tag fühlt, auch ohne akute Panikattacke? Welchen Rattenschwanz das mit sich zieht und warum es so schwerfällt, diesen Kreislauf zu durchbrechen?
Eine großartige Frage, über die ich stundenlang sprechen könnte. Ich möchte hier zwei Gedanken mit dir teilen.
Eine Frage, die ich an die Community zurückgeben möchte
Zu diesem Thema gibt es viele Erfahrungsberichte, in denen ich über meine eigenen Symptome, Herausforderungen und meinen Umgang damit spreche. Solche Berichte sind wichtig, wenn man gerade selbst in diesem Rattenschwanz steckt: Sie schaffen Wiedererkennung, und sie zeigen, dass eine Geschichte ein gutes Ende nehmen kann, dass Veränderung möglich ist und dass eine positive Dynamik durch das eigene Zutun erarbeitbar ist.
Genau deshalb möchte ich Sarahs Frage an die Community zurückgeben. Vielleicht magst du für dich einmal formulieren: Was erlebst du in deinem Alltag mit Panik, mit Unruhe, mit innerem Zittern, mit Schwindel, mit Benommenheit oder mit Derealisation? Wie gestaltet sich, in wenigen Worten, dein Alltag mit den Symptomen und dem Leidensdruck, den du persönlich erlebst?
Das ist eine spannende Herausforderung, weil wir dabei genau dort hinschauen, wovor wir am meisten Angst haben, und uns den Dingen zuwenden, bei denen wir vielleicht am wenigsten Mut zum Hinsehen haben. Wenn viele Menschen ihre Erfahrungen teilen, entsteht ein vielfältiges Bild davon, wie sich das normale Alltagsleben mit solchen belastenden Symptomen tatsächlich anfühlt.
Warum sich Symptome verschieben, statt einfach zu verschwinden
Der zweite Gedanke ist mir besonders wichtig. Panikattacken oder starke innere Unruhezustände sind eine Antwort, die in aller Regel auf eine Vorgeschichte reagiert. Wir finden fast immer heraus, was im System los ist, sodass jemand mit genau diesen Symptomen reagiert. Aber bis jemand die passenden Informationen zur Hand hat und der Groschen fällt, kann viel Zeit vergehen, und in dieser Zeit kann ein breites Spektrum an Symptomen auftreten.
Deshalb ist die Frage der Zuordnung so wichtig: Woher kommt das eine Symptom, warum ist das andere plötzlich da, warum falle ich nach einiger Zeit wieder zurück?
Panik ist quasi die stärkste Reaktion auf die Belastungen und Vorgeschichten in unserem Leben. Und Dinge verändern sich. Vielleicht fällt ein Belastungsfaktor in der Umwelt weg, vielleicht verändert sich innerlich etwas, vielleicht veränderst du sogar aktiv etwas. Wenn das passiert, was sehr wahrscheinlich ist, dann bist du nicht mehr in derselben Summe von Belastungsfaktoren, die dein System ursprünglich mit Panik reagieren ließ. Es reicht dann einfach nicht mehr für eine volle Panikreaktion.
Und jetzt passiert etwas Spannendes: Wenn es nicht mehr für Panik reicht, lässt durch den fehlenden Schmerz oft auch die Motivation nach, weiter am Ball zu bleiben und etwas zu verändern. Das Thema Belastung, Unzufriedenheit und der Gedanke „Eigentlich müsste und würde ich gern etwas verändern" liegen wieder brach.
Der Symptomsprung
Es reicht dann vielleicht nicht mehr für Panikspitzen, aber es reicht mehr als genug dafür, dass wir weiterhin Symptome haben, Spannungen und Belastungen spüren, nur eben nicht mehr im klassischen Panikkontext. Ich erkläre das meinen Klientinnen und Klienten gern mit dem Begriff des Symptomsprungs. Wir haben dann nicht kleinere oder seltenere Panikattacken, sondern einen Sprung hin zu Schwindelbenommenheit, zu Derealisation, zu diesem Gefühl, einen Zentimeter neben sich zu stehen.
Wenn du mit Panik oder Unruhe zu tun hast, kennst du das wahrscheinlich: Es gab Phasen, in denen es besser war, in denen du aber vielleicht andere Symptome erlebt hast, häufig irgendetwas aus dem Bereich Benommenheit und Dösigkeit, dieses leicht benommene, leicht schwindelige Gefühl bis hin zum phobischen Schwankschwindel. Es können aber auch viele andere Symptome entstehen, und genau das ist der Hintergrund dieses Themas.
Die gute Nachricht
Bei praktisch jedem dieser Symptome lässt sich erklären, woher es kommt, warum es so unangenehm ist und wie du lernen kannst, anders damit umzugehen. In der Regel finden wir dabei auch heraus, dass es sehr unangenehm, aber sehr ungefährlich ist. Diese Schleife müssen wir aber erst einmal ziehen, dieses Verstehen, damit echte Veränderung möglich wird.
Geh dafür einmal in deine eigene Situation: Wo erlebst du im Alltag die größten Herausforderungen, Probleme und Belastungen? Wo zeigen sie sich über Symptome oder über Schwierigkeiten, Dinge umzusetzen? Und im umgekehrten Sinne: Wo hast du die größten Wünsche, dass sich in deinem Leben etwas verändert? Genau dort liegt der Ansatzpunkt.
Wenn du an deinem Alltag mit Panik und den dahinterliegenden Mustern arbeiten möchtest: Ich gehe darauf ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Panik" ein → hier ansehen.
Du möchtest verstehen, warum dein System immer wieder mit Symptomen reagiert, und diesen Kreislauf durchbrechen? Ich begleite dich in der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.