Keine Depression, nur große Angst davor? Was wirklich dahintersteckt

Jemand schreibt: Psychologen und Psychiater sagen, es liege keine Depression vor, nur eine große Angst davor. Dazu Symptome wie Derealisation, Unruhe bei Gesprächen, schlechte Konzentration und kein Appetit. Kann das alles an einer generalisierten Angststörung (GAS) plus ADS liegen? ADS ist dabei quasi der kleine Bruder der ADHS, ohne ausgeprägte Hyperaktivität.

Psychiater und Psychotherapeut, ein normales Doppelpack

Dass jemand eine Psychologin und einen Psychiater hat, ist heute normal. Der Psychiater macht meist die Medikamenteneinstellung und wenig Psychotherapie, viele haben seit Jahren keine Kapazität mehr für neue Psychotherapiepatienten. Daneben steht dann ein Psychotherapeut, eine Psychologin, ein ärztlicher Psychotherapeut oder jemand wie ich als Heilpraktiker für Psychotherapie.

Warum „nur die Angst davor" schwierig ist

Eine große Angst vor einer Depression macht keine Depression im Sinne der Diagnosekriterien. Aber eine tief sitzende Angst mündet mit der Zeit in depressive Denkmuster, und dann lässt sich das kaum noch trennen. Wichtig ist, den Begriff Depression zu differenzieren. Der ICD-10 führt unter F32 die depressive Episode (leicht, mittel, schwer). Dort steht nicht: Weil jemand eine Depression hat, treten Symptome auf. Es ist umgekehrt: Wenn genug Kriterien über eine gewisse Zeit erfüllt sind, darf man die Diagnose vergeben. Eine Depressionsdiagnose ist also nur ein beschreibender Faktor. Deshalb ist es fast egal, ob du eine leitliniengetreue Depression hast, du hast Beschwerden, die man angehen sollte.

Man liest hier heraus: Trotz Psychologin und Psychiater steckt dieser Mensch noch in seiner Symptomatik. Dann nimmt man gern Begriffe wie generalisierte Angststörung oder ADS dazu. Nur: Niemand erkrankt an einer generalisierten Angststörung und hat deshalb generalisierte Angst. Sondern wenn wir die Facetten gemäß Leitlinie sehen, nennen wir es so. Die Einschätzung der behandelnden Fachleute stelle ich nicht infrage, das hülfe niemandem.

Wir fürchten nicht die Welt, sondern die Bilder im Kopf

Wir haben nicht Angst vor dem, was um uns herum passiert. Unser Gehirn verarbeitet vor allem, was wir vor dem inneren Auge sehen und was wir innerlich hören. Menschen sagen oft: Ich habe Ausbildung, Beruf, Familie, Gesundheit, und trotzdem diese Angst, also stimmt etwas mit mir nicht. Erzähl mir lieber von den Bildern in deinem Kopf. Dann heißt es: Ich sehe täglich, wie meine Selbstständigkeit vor die Hunde geht, was ist, wenn meinem Kind etwas passiert, wenn ich pleitegehe. Das ist nicht krank. Unser Kopf denkt dramatisch, nicht zielorientiert, er ist ein Schutzmechanismus und will dich nicht zu dem führen, was du lieber möchtest, sondern zu dem, wovor du weniger Angst hast.

Deshalb setze ich meist bei der Psychoedukation an: Wie verarbeitet dein Kopf Informationen? Und wie viel Vertrauen schenkst du den Bildern vor deinem inneren Auge? Selbstvertrauen ist nicht bei drei von zehn, es ist immer voll da, nur oft für die inneren Katastrophenbilder. Genau hier darfst du einen neuen Weg ausprobieren.

Warum die Symptome dazu passen

Symptome wie Derealisation, Unruhe und schlechte Konzentration sind normal, wenn Angst und die damit verbundene Stresshormonausschüttung immer wieder ins Leben grätschen, auch der geringe Appetit gehört dazu. Ohne erkennbaren Grund weinen zu müssen tritt bei Stresshormonanfälligkeit und im Hintergrund einer depressiven Symptomatik ebenfalls auf, manchmal so stark, dass man es als Affektinkontinenz einordnet. All das hat einen ernsthaften Hintergrund, und all das kann man klar angehen.

Deine Symptome sind nicht Ausdruck einer Krankheit, sondern Ausdruck von Prozessen in Kopf und Körper, die für beide noch das beste Mittel sind, mit deinem aktuellen Leben umzugehen. Ändern sollten das also nicht allein Psychologe, Psychiater oder Medikamente, sondern du selbst darfst darüber nachdenken. Es lohnt sich zu verstehen, wie der Kopf Befürchtungen verarbeitet, denn unser Leben besteht aus lauter Befürchtungen. Und es lohnt sich, den Sinn des Lebens zu betrachten: Unser Kopf will überleben und sich reproduzieren, während du lange, gesund und glücklich leben willst, zwei unterschiedliche Dinge.

Manches bekommt man vielleicht nicht ganz weg, ein adultes ADS etwa kann lange begleiten, und manche Symptome bringen einen sekundären Krankheitsgewinn mit. Aber du musst nicht einfach damit leben, wie es ist. Überdenk die Herangehensweise, probiere einen moderneren Ansatz und schau vor allem darauf, was hier oben konkret passiert. Wenn du lernst, hier oben zuzuhören und mitzusprechen, fangen die Dinge an, sich zu verändern.

Wie Angst, Bewertung und die Bilder im Kopf zusammenhängen und wie du daran arbeitest, beschreibe ich ausführlich in meinen Büchern und Hörbüchern → hier ansehen.

Du steckst trotz Diagnosen und Behandlung in deiner Symptomatik fest und möchtest einen neuen Weg ausprobieren? Ich begleite dich in der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

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