Generalisierte Angststörung und Panikattacken: Wo ist der Zusammenhang?

Eine generalisierte Angststörung und eine Panikattacke beziehungsweise Panikstörung unterscheiden sich nach ICD-10 in unterschiedliche Diagnosen. Der mögliche Hintergrund ist bei den Betroffenen aber der gleiche oder sogar derselbe. Damit sind wir direkt bei der Frage: Gibt es einen Zusammenhang? Man liest ja immer wieder, Panikattacken gehörten nicht zum Muster der generalisierten Angststörung.

Diagnose ist nicht Ursache

Volkstümlich heißt es gern: Man erkrankt an einer Depression, da kann man nichts für, und wenn man nichts dafür kann, kann man auch nichts dagegen tun. Genau da muss man differenzieren. Der ICD-10 ist deskriptiv. Er sagt nicht: Der Patient hat eine Depression und bekommt dadurch die Symptome. Er sagt: Zur Diagnose müssen mindestens so und so viele Kriterien erfüllt sein. Ein rein beschreibender Charakter. Trotzdem hält sich bei Laien wie Fachleuten der Glaube, eine Depression sei etwas, wofür man nichts kann, ähnlich beim Burnout.

Wenn du aber über Jahre einen Job machst, den du so nicht machen möchtest, ständig 150 Prozent gibst und trotzdem nie „ankommst", dabei Partnerin, Kinder und Urlaub verpasst, landest du irgendwann in einem depressiven Zustand. Eine Depression macht in der heutigen Sicht nicht depressiv. Warum jemand depressiv ist, steht nicht im ICD-10, dort steht nur, wann man die Diagnose stellen darf. Auch die alte Idee, ein Neurotransmitter-Ungleichgewicht (vor allem Serotonin und Noradrenalin) löse die Symptome aus, ist nicht abschließend geklärt: Macht das Defizit die Depression, oder macht depressives Denken auch das Ungleichgewicht? Deshalb ist meine Haltung zu Antidepressiva differenziert, es geht nicht um richtig oder falsch, sondern darum, dass du als Betroffener mitdenken darfst.

Auch eine generalisierte Angststörung ist keine Ansteckung

Eine generalisierte Angststörung fängt man sich nicht ein. Sie kann diagnostiziert werden, wenn die Kriterien erfüllt sind, das hat nichts mit „Erkranken" zu tun. Nach ICD-10 stehen generalisierte Angststörung und Panikstörung in zwei verschiedenen Diagnosen, und rein diagnostisch haben Panikattacken mit dem GAS-Muster zunächst nichts zu tun.

Woran merkt man eine generalisierte Angststörung? Jemand erlebt Ängste in einer gewissen Ausprägung, und diese spielen nicht nur in einer isolierten Region eine Rolle, sondern in mehreren Lebensbereichen, es kommt zur Generalisierung, anders als bei einer isolierten Phobie.

Wie Angst entsteht

Menschen sagen: Ich bin gesund, habe Geld, Familie, einen tollen Job, und trotzdem diese Ängste. Wichtig: Ein Gefühl, und dazu zähle ich die Angst, ist in der Regel ein Reaktionsmuster auf Dinge, die du vorher erlebt hast. Deine Angst ist keine Krankheit, sondern eine Reaktion auf etwas, das vorher passiert ist. Unser Kopf verarbeitet Informationen hauptsächlich visuell und auditiv. Angst ist ein Feedback auf Vorgänge in deinem Kopf, die man von außen weder sehen noch hören kann.

Bei der generalisierten Angststörung entwickeln sich mit der Zeit Reaktionsmuster auf die eigenen Gedanken. Deshalb ist es zuerst wichtig zu verstehen, wie der Kopf Informationen verarbeitet, und dann, dass das Problem gar nicht das eigentliche Problem ist. Es besteht nicht, weil ich Angst verspüre, sondern wegen des angstauslösenden Bildes und der Art, wie ich damit umgehe, und genau das dürfen wir umtrainieren. Niemand soll sich seine Angst abtrainieren, aber jeder darf lernen, anders mit seinen Gedanken umzugehen. Jede Befürchtung ist im Grunde ein noch nicht definiertes Ziel.

Der gemeinsame Hintergrund

Und das hat sehr wohl mit Panikattacken zu tun. Bei Angst dominieren körperlich die Stresshormone, die Katecholamine erhöhen Herzfrequenz und Schlagkraft, wirken gefäßverengend, zentralisieren das Blut, und uns wird schwindelig. Diese Symptomatik ist entweder, wenn sie den ganzen Tag da ist, die generalisierte Angststörung, oder an den Spitzen besonders hoher Stresshormonausschüttung, in die man sich immer weiter hineinsteigert, die Panikattacke. Diagnostisch lassen sich generalisierte Angststörung, isolierte Phobie, Panikstörung, larvierte Panikstörung (nur mit Schwindel) und eine reaktive depressive Symptomatik gut trennen. Vom Hintergrund her haben sie aber alle denselben Ursprung.

Kurze Frage, kurze Antwort: Generalisierte Angststörung und Panikattacke sind nach ICD-10 unterschiedliche Diagnosen, der mögliche Hintergrund ist bei den Betroffenen aber der gleiche oder sogar derselbe.

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