Kann man Extrasystolen hören? Schwindel, Panik und Benommenheit
Ein Betroffener schreibt: Ich habe seit zwei Jahren ein pulssynchrones Pochen im linken Ohr, und dadurch nehme ich das Herzstolpern, wenn ich es habe, auch wahr. Es ist genau, wie du es erklärst, der Schlag setzt kurz aus, und der nächste ist spürbar stärker. Als ich nicht wusste, was es ist, habe ich mich erschrocken.
Sind es wirklich Extrasystolen, wirklich ein Herzstolpern? Ohne einen Patienten gleichzeitig am EKG und mit seinem Bericht vorliegen zu haben, lässt sich keine genaue Aussage treffen. Wir bewegen uns in Wahrscheinlichkeiten und statistischen Mustern.
Warum das Ohr mit dem Herzschlag pocht
In der Nähe der Ohren und der Nervenfasern, die das Hören ermöglichen, liegen auch Blutgefäße, die den Hörmechanismus reizen können. Dazu kommen Stress, Belastung, schlechte Ernährung, zu wenig trinken oder überreizende Substanzen wie Koffein und Nikotin, dann entsteht schon mal so ein pulssynchrones Pochen. Man sollte das immer einordnen: Typische Kopfschmerzen hinten, der okzipitale Teil, oder Nackenschmerzen, die morgens mit Unwohlsein auftreten, dazu wiederholtes, teils unstillbares Nasenbluten, können in der Summe auf eine Hypertonie, also Bluthochdruck, hindeuten, den man abklären müsste.
Warum du deinen Herzschlag kaum beurteilen kannst
Der Herzschlag ist etwas, das wir nicht kontrollieren sollen und auch nicht können. In zwei Videos zeige ich, wie man über Atemtraining den Puls indirekt senkt, über Bande, ich kann mir nicht einfach vornehmen, nur noch 60 Mal pro Minute zu schlagen, aber über Atem und Entspannung geht es indirekt. Und umgekehrt treibe ich im Selbstexperiment durch künstliche Hyperventilation, Atemfrequenz über 20 bis 30 pro Minute, den Puls im Liegen von den 80ern auf über 106, ohne mich zu bewegen.
Bei Dingen, die wir nicht kontrollieren können, gibt es keine echten Feedbackmechanismen. Wir brauchen Finger, Arme, Beine, um uns zu bewegen, deshalb liegen dort Schmerz- und Hitzerezeptoren dicht beieinander, am Rücken dagegen weit auseinander. Empfindungsrezeptoren, die melden, wie es um den Herzschlag steht, brauchen wir nicht, weil wir ihn ohnehin nicht steuern. Deshalb bin ich erst mal skeptisch, wenn jemand sagt, ich spüre, dass mein Herz aussetzt. Manche spüren es tatsächlich, und ab etwa 20.000 Extrasystolen am Tag geht man dem sehr akribisch nach und bringt Behandlungsmöglichkeiten ein. Beim beschriebenen Gefühl, der Schlag setzt aus und der nächste ist stärker, kann es sein, dass du es wirklich so empfindest, viel wahrscheinlicher ist aber, dass dein Körper dir das suggeriert, während der Impuls im Hintergrund synchron weiterläuft.
Zuerst abklären, dann nicht googeln
Die fachärztliche Abklärung ist immer maßgeblich. Jedes neu auftretende Symptom, ein neuer Knubbel, ein komisches Gefühl in der Herzgegend, ein Ausschlag, gehört zuerst fachärztlich abgeklärt. YouTube und Google sind heikel, bei jedem gegoogelten Symptom kommen die beklopptesten Dinge heraus, ich war einmal fast glücklich, dass ich schwanger bin. Wir sind in solchen Momenten verletzbar und suggestibel und glauben schnell, was uns aufgezeigt wird. Besser: einen Hausarzt mit EKG, vielleicht Belastungs-EKG, nach seiner Einschätzung fragen. Die meisten, die dieses Video schauen, spüren das nicht zum ersten Mal, oft ist schon abgeklärt.
Der paradoxe Weg: zuwenden statt wegschieben
Bei den meisten Menschen lässt sich das Phänomen nicht klar benennen, Überreizung, Stress, zu viel Koffein, zu wenig Ausgleich, Entspannung und Harmonie verändern die Wahrnehmungsempfindlichkeit. Oft ist es gar nicht so, wie man glaubt zu spüren, aber das Phänomen ist da. Energie folgt dem Fokus: Steckt ein echter Krankheitshintergrund dahinter, lässt du beim Arzt abklären und behandeln, das ist meist gut machbar. In den meisten Fällen aber gilt, schenkst du dem deine Aufmerksamkeit und fragst dauernd „was ist das, was, wenn es mich umbringt", richtest du deinen Fokus die ganze Zeit darauf und tust dir keinen Gefallen.
Deshalb die paradoxe Empfehlung: In den Momenten, in denen das Problem erkennbar wird, wende dich ihm zu, statt es wegzuschieben. Denn oft bestehen Probleme nicht, weil wir ein Problem haben, sondern weil wir zuerst versuchen zu flüchten, das ist das eigentliche Problem. Wendest du dich dem Phänomen zu, kannst du besser analysieren, welche Befürchtungsbilder du vor dem inneren Auge siehst, welche inneren Stimmen da sind, welche Gefühle folgen. So erarbeitest du eine konkrete, subjektive Ebene und verstehst, was in deiner Welt gerade abläuft. Denn die Welt ist nicht, wie sie ist, sondern wie wir sie bewerten, schau dir das Reframing-Video an. Deine erste Bewertung ist eine dramatisch geprägte Bewertung deines dramatisch denkenden Gehirns, aber es ist dein Kopf, dein Herz, da kannst du mitreden. Du entscheidest mehr und mehr, wie du die Dinge siehst.
Das Ass in den Ärmel stecken
Nutze das, was du über dich sammelst, um dich auf die nächste Situation vorzubereiten. Willst du ein Ass aus dem Ärmel ziehen, musst du es vorher reinstecken. In der Situation selbst stehst du unter Strom und kannst nichts aus dem Handgelenk schütteln, was du nicht vorbereitet hast. Überleg dir nach einer belastenden Situation, wie du beim nächsten Mal reagieren möchtest, zum Beispiel eine Affirmation: Das war nur eine Empfindung, mein Herzschlag geht normal und gesund weiter, und ich richte meinen Fokus auf die Dinge, die mir wichtig sind. So baust du dir ein kleines Notfallpaket und kannst deinen Fokus bewusst auf anderes richten, denn Energie folgt dem Fokus. Ohne etwas Vorbereitetes, auf das du den Fokus richten kannst, bleibst du am Alten kleben.
Langfristig: warum bist du so suggestibel?
Auf lange Sicht lohnt die Frage, warum du gegenüber diesen Bewertungen so suggestibel bist. Schau in dein Leben: Wie steht es um deine persönliche Integrität, machst du, was du möchtest, lässt du, was du lassen willst? Wie sieht deine Ernährung aus, wie viele psychotrope Substanzen nimmst du täglich zu dir, Koffein, Nikotin, vielleicht Cannabinoide? Schwindel ist häufig ein larviertes Phänomen einer Panikstörung, und auch eine stark ausgeprägte Introspektionsfähigkeit, dieses starke Achten auf den Körper, darfst du als Phänomen aufgreifen: Dein Kopf sagt dir sinngemäß nicht „mach genau das", sondern „bitte nicht mehr so weiter wie bisher, du darfst Dinge verändern". Nimm die Symptomatik als Indiz, dass etwas viel Größeres oder ganz anderes dahintersteckt als wirklich dein Herz.
Wie du dir dein „Notfallpaket" aus Affirmationen baust und den Fokus verschiebst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
Dein Herz ist abgeklärt, und das Pochen und Stolpern bestimmt trotzdem deinen Tag? Nach ärztlicher Abklärung begleite ich dich gern. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.