30 Jahre Schwindel, Angst und Panik

Eine Zuschauerin schreibt: Ich habe seit 30 Jahren eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), mit Angst- und Panikattacken, Depressionen, heftigen psychosomatischen Beschwerden, seit Monaten heftigem Schwindel und Sehstörungen. Der Schwindel kam von ständig blockierten Halswirbeln, heute war ich wieder zum Ausrenken, nur ein halbseitiger Wirbel, der eigentlich nicht so heftigen Schwindel verursachen dürfte, der Wirbel wurde entblockt, und trotzdem bleibt der Schwindel. Ich bin mit meinen Kräften am Ende, habe verschiedenste Therapien gemacht und war in meiner Verzweiflung gestern sogar bei einem europäischen Schamanen, geholfen hat nichts, der Schwindel ist immer noch da. Gibt es überhaupt noch Hoffnung?

Das Schamanen-Thema ist gar nicht so uninteressant

Das mit dem Schamanen ist ein recht intensiv fokussierter Bestandteil, ähnlich wie im lösungstherapeutischen, systemischen Herangehen, das ich gelernt habe. Es gibt Kulturen, in denen junge Männer als Initiation in den Wald gehen und als Männer, transformiert, zurückkehren. Bei uns in der zentraleuropäischen Struktur fehlt oft jemand, der uns erklärt, wie das Leben funktioniert.

Du befürchtest seit über 30 Jahren, dass etwas ganz Schlimmes passiert, und du kannst es 30 Jahre befürchten. Beim Einrenken gilt: Der Chiropraktiker kann jede Woche wieder einrenken, die gleichen Muskeln ziehen die Knochen zurück, deshalb hilft es auf lange Sicht nicht. Die ärztliche Abklärung, vielleicht sogar ein MRT, ist sinnvoll, aber zu sagen „das kommt definitiv aus dem Nacken, man muss nur einrenken", lässt sich so nicht beobachten (siehe das Video, kommt der Schwindel vom Nacken?).

Ich werde nach 30 Jahren nicht derjenige sein, der sagt, mach einfach nur das und alles ist gut. Wir glauben nicht an das, was richtig ist, sondern an das, was wir am häufigsten gehört haben, deshalb funktioniert auch die Heilung in einer einmaligen Hypnosesitzung meist nicht.

Vorsicht beim Thema Trauma

Zur PTBS: Man unterscheidet die akute Belastungsreaktion von der posttraumatischen Belastungsstörung, die erst nach Monaten diagnostiziert wird. In der Praxis wollen Menschen oft erzählen, was passiert ist, das gehört dazu. Deshalb erkläre ich zuerst das Setting und gehe psychoedukativ vor, du bekommst das Video, wie ein Gefühl entsteht. Unser Gehirn verarbeitet vor allem visuell und auditiv, unser Denken ist, Bilder sehen und den ganzen Tag mit sich reden. Ich ordne die Begriffe so: Selbstvertrauen hängt vor allem mit dem visuellen Kanal zusammen, Selbstwertgefühl mit dem auditiven Selbstbewertungskontext, und dazwischen das Selbstbewusstsein, also wie bewusst wir uns sind, ob wir nur passiv zuhören und zuschauen oder mitgestalten. Therapie heißt auf lange Sicht, mehr Selbstbewusstsein zu trainieren.

Man muss sich beim Trauma vorsichtig bewegen: Wir haben in Deutschland und weltweit kein verlässlich erwartbares Handwerkszeug, um Trauma zu verarbeiten, das ist ein Problem der breiten therapeutischen Basis. Glaub also bitte nicht, dass die kassenerstattete Psychotherapie eine erwartbare Hilfe garantiert, sie hilft den meisten, aber man kann es nicht versprechen. Es gibt Verfahren wie EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing), das laut Studienlage auch ohne die Augenbewegungen gut funktioniert, solche Dinge gibt es und sie wirken, aber es gibt kein verlässliches Instrument, auf das du dich verlassen kannst, dass dir damit auf jeden Fall geholfen wird.

Die Zustände deines Lebens differenzieren

Du hast viel erlebt, es gibt viele Ansatzpunkte, aber das Wichtigste zuerst ist, die verschiedenen Zustände deines Lebens zu differenzieren. Es gab einen Zeitpunkt vor dem Trauma-Einfluss, egal ob es mit einem Trauma losging oder sich einschlich, da war es noch in Ordnung. Irgendwann stehen wir hier und sagen, ich wäre lieber wie früher. Das ist knifflig, ähnlich wie bei Antidepressiva: Das Mittel soll machen, dass man wieder wie früher ist, aber „wie früher" war ja oft der Zustand, der die Indikation begründet hat.

Wichtig ist eine valide Beobachtungsbasis. Woher weißt du eigentlich, dass du traumatisiert bist? Über die Wahrnehmungskanäle: Ein Großteil unseres Erlebens lässt sich darüber definieren, welche Bilder ich im Kopf sehe und welche inneren Worte ich höre, oder eben nicht. Heute, mit Trauma, habe ich andere Bilder und innere Stimmen als vor dem Trauma. Sagst du, du brauchst ein Verarbeitungswerkzeug, heißt das indirekt, ich wäre dann anders, vielleicht wie früher, auf jeden Fall anders als heute. Die Frage ist, wie definiert sich dieses zukünftige Anders, und das lässt sich genauso definieren: Welche Gedanken siehst du den ganzen Tag, was sprichst du mit dir, welche Verhaltensweisen hast du, und welche sind im Kontrast zu heute oder früher abwesend?

Das ist ein großer Prozess, stark komprimiert. Wichtig ist, dir bewusst zu werden: Mein Erleben lässt sich differenzieren über, welche Bilder sehe ich und welche nicht, welche Gefühle sind da und welche nicht, welche Verhaltensweisen sind da und welche nicht, und das über alle drei Zeiträume, früher, heute, Zukunft. Das Zukünftige ist am schwersten, besonders nach Jahren der Symptome. Deshalb geht man am besten in kleinen Schritten vor und schaut erst mal nach hinten: Wie hast du dich früher wahrgenommen, wie bist du an Probleme herangegangen, welche Kompetenzstrategien und Lösungsstrukturen hattest du? Und ist es wirklich der Trauma-Einfluss, der dich heute limitiert, oder gibt es viele andere Einflüsse, die mit der Zeit dafür gesorgt haben, dass dein heutiges Erleben so ist, wie es ist? Es ist gar nicht unbedingt nur ein Trauma.

Wie du die Zustände deines Lebens über Bilder, innere Stimmen und Verhalten differenzierst und Schritt für Schritt wieder einen Weg findest, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.

Du trägst seit vielen Jahren eine schwere Last und möchtest einen neuen Ansatz finden? Ich begleite dich gern, achtsam und in deinem Tempo. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

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30 Jahre Stress und negatives Denken (massive Folgen)

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Kann man Extrasystolen hören? Schwindel, Panik und Benommenheit