Hypochondrie und Krankheitsangst: Herzneurose und Herzphobie

Ein Erfahrungsbericht: Könntest du etwas zu Herzangst beziehungsweise Herzneurose sagen, ist das eine Art Hypochondrie? Ich habe eine angeborene Aortenklappeninsuffizienz, die einmal jährlich beim Kardiologen überprüft wird, mich aber nicht in meiner Leistungsfähigkeit beeinträchtigt und keiner Medikation bedarf. Trotzdem kontrolliere ich ständig meine Kreislaufparameter, weil ich meinen Herzschlag intensiv spüre, und habe dann das Gefühl, mein Puls ist zu hoch oder ich bin nicht belastbar, das resultiert in Panik. Es fühlt sich an, als würde meine Insuffizienz schlimmer und mein Herz versagt, aber nicht immer, es gibt auch gute Tage.

Und Ludwig klinkt sich ein: Wegen Angstgedanken über Puls und Blutdruck bekam ich beim Sport eine Panikattacke, vorher war beim Kardiologen alles gut. Seitdem kann ich meinen Puls nicht mehr richtig wahrnehmen, und die veränderte Wahrnehmung löst wieder Angst über die Gesundheit des Herzens aus.

Nicht erkrankt, sondern gedankliche Mechanismen

Ein zentraler Punkt: Folgt nicht dem Gedanken, ihr wärt an einer Herzneurose erkrankt und bekämt deshalb Probleme, sondern ihr erlebt gedankliche Mechanismen, die euch zu schaffen machen. Unser Denken auf der Ebene der Emotionsverarbeitung läuft über Bilder vor dem inneren Auge und auditive Satzstrukturen im Kopf, nicht die Dinge um euch herum, sondern die in eurem Kopf. Schau dir das Video an, wie ein Gefühl entsteht, eines der zentralen Modelle. Im NLP spricht man von mehreren Wahrnehmungsmodalitäten, sehen, hören, fühlen, schmecken, riechen, für die Gefühlsentstehung sind meist Bilder und Hören entscheidend, was keiner von außen teilen kann. Viele kassenzugelassene Therapeuten arbeiten nicht mit dieser Ebene, deshalb kommt man oft nur mit Glück an die Kernproblematik. Wir müssen den Zugang zur eigenen gedanklichen Präsenzebene finden: welche Bilder, welche auditiven Befürchtungsmechanismen hörst du tagein, tagaus?

Warum dein Kopf Szenarien erzeugt

Wenn du einen „Träger" hast, etwa eine jährlich überwachte Aortenklappeninsuffizienz, mit der man statistisch gesehen sehr alt werden kann, guckst du einfach mehr drauf. Warum kommen trotzdem Befürchtungsgedanken? Weil das die Aufgabe deines Kopfes ist. Eine Sache, die ich im Herzneurose-Video noch nicht so deutlich gesagt habe: Dein Kopf geht gern in Szenarien, er verbindet erlebte Inhalte mit einer Gefahrenkomponente. Das sieht man an Träumen. Die Schlafforschung sagt heute, wir träumen weniger, um Inhalte zu verarbeiten, sondern über erlebte Inhalte, an die eine Gefährdungskomponente geknüpft wird, sodass sich das Gehirn im Schlaf sensibilisiert. Das Gehirn kann dabei nur Erlebtes verwenden, es kann keine Gesichter von nie gesehenen Menschen konstruieren. Und dasselbe macht es tagsüber: Du schneidest etwas und hast ein Bild, wie du dir in die Hand schneidest. Deine Kinder spielen, und du siehst das Brotmesser auf dem Tisch und räumst es weg. Du joggst und hast ein Bild, wie ein Kind das andere schubst. Das ist der Kopf, der seinem Auftrag, Szenarien darzustellen, bravourös nachkommt.

Die automatisierte Bewertung

Dazu kommt, Punkt zwei, eine automatisierte, negativ angehauchte Bewertung: Das Gehirn bewertet sich selbst als krankhaft. Es denkt größtenteils automatisiert und lässt uns glauben, wir dächten das alles selbst. Diese Automatismen dürfen wir unterbrechen, schau dir das Video an, so helfe ich euch bei euren Befürchtungen und Sorgen (Befürchtungstabellen), und fang an, deine konkreten Herz-Befürchtungen aufzuschreiben. Es sind diese Bewertungen, die aus den normalen, gesunden Fähigkeiten deines Kopfes irgendwann das Pathologische machen. Der Gedanke selbst ist nicht krankhaft, aber darauf baut mit der Zeit eine Belastungskomponente auf, die einen krankhaften Belastungsstand ausmachen kann. Um da Veränderung reinzubringen, trainierst du, deine eigenen Gedanken mehr zu kontrollieren, also überhaupt mitzubekommen, was dein Gehirn vordenkt, und dann selbst Gedanken dranzuhängen. Ihr geht nämlich nicht zum Kardiologen, weil ihr diese Beschwerden habt, sondern weil euer Kopf eine dramatische Bewertung in Aussicht stellt.

Schritt für Schritt

Erstens: Verstehen, dass unser Denken in inneren Bildern und auditiven Strukturen abläuft, die von außen nicht nachvollziehbar sind, und dass das Gehirn als normaler Prozess Szenarien präsentiert. Zweitens, ganz dominant: die automatisierten, dramatischen Bewertungen auf diese Szenarien, die uns zu schaffen machen. Da greifen wir ein. Ihr seid nicht an einer Herzneurose erkrankt, weshalb ihr Angstgedanken habt, ihr habt eine Kombination aus beidem.

Und es ist egal, ob wir über die Herzneurose sprechen, über eine klassische Krankheitsangst oder über die Angst, Angehörige zu verlieren, dass den Kindern etwas passiert, oder über andere aufdringliche Befürchtungen, es sind immer ähnliche Mechanismen. In psychisch angespannten Situationen und je nach Erfahrung können die Erlebnismuster krasser und die Reaktionen stärker werden, wir sind nicht statisch an oder aus. Bei mir sind es meist Alltagsgedanken zu meinen Kindern, zur Praxis, zu euren Fragen, und in bestimmten Situationen Bilder aus 15 Jahren Notfallrettung und acht Jahren Säuglingsrettung. Da bleiben auch Bilder, mit denen man aber gut klarkommen kann, wenn man lernt, damit umzugehen.

Nicht messen, refokussieren

Das wichtigste Video für euch erklärt, dass ihr lernen dürft, auf einen anderen gedanklichen Fokus zu springen, zu refokussieren und eure eigenen Muster zu erkennen. Viele greifen bei Herzängsten auf apparative Diagnostik zurück, Blutdruck und Puls messen, weil die Geräte heute billig sind. Vor 13 Jahren kostete ein Pulsoximeter noch rund 150 Euro, heute steht es für 19,90 im Discounter, die Mess-Affinität ist also groß. Aber hilft dir das? Es gibt keinen Messwert, der zuverlässig deeskalierende Gedanken entstehen lässt, die euch Ruhe bringen, das müsst ihr selbst machen. Deshalb ist es wichtiger, als vielfach zum Arzt zu rennen oder auf Medikamente und Geräte zu hoffen, die eigenen gedanklichen Muster zu entlarven und euch zu fragen, wie oft ihr dazu neigt, eure Beschwerden zu filtern und zu kontrollieren. Dieses Kontrollieren ist ein Feedbackmechanismus auf eure gelernten Strukturen, vor allem aber ein Mechanismus, der eure Herzangst immer weiter aufrechterhält, und den dürfen wir unterbrechen.

Fang an, wirklich mit dir zu sprechen, und probier die Befürchtungstabellen: Schreib die konkrete Befürchtung eins zu eins auf. Dein Kopf wird antworten, du solltest das Logische tun, aber was ist, wenn es nicht funktioniert, so agiert er immer. Beispiel: Ich plane eine Reise, der Kopf sagt, Infektionsgefahr, keine Versorgung vor Ort, was, wenn etwas passiert, ich sage die Reise ab, und was sagt der Kopf als Nächstes? Du hast gar nicht überlegt, was du Schönes verpasst. So geht es hin und her, und genau da lernst du einzugreifen.

Wie du vom Messen und Kontrollieren zur Arbeit an deinen Bildern und Bewertungen kommst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.

Dein Herz ist abgeklärt, und trotzdem bestimmt die Angst deinen Tag? Nach ärztlicher Abklärung begleite ich dich gern. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

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