Kann der Tod eines Angehörigen eine Derealisation auslösen?

Susann hat sich auf ein Hypochondrie-Video gemeldet: Ich habe diese Probleme seit vier Jahren. Da ist mein Papa in meinem Beisein gestorben, und nach Feststellung seiner Krankheit ging es sehr schnell zu Ende. Mich belastet das noch heute, und genau da hat es begonnen, jedes kleine Symptom auf die Goldwaage zu legen und immer vom Schlimmsten auszugehen.

Krankheit und Tod werfen uns aus der Bahn

Das Thema Krankheit und Tod kann uns ordentlich aus der Bahn werfen, und da passiert etwas mit jedem von uns, mit dem einen mehr, mit dem anderen weniger, vieles hängt von den persönlichen Begebenheiten und Umgangsformen ab. Ich habe ein Video gemacht zu der Frage, warum der eine eine Angststörung bekommt und der andere nicht, obwohl beide ähnliche Einflüsse haben.

Eine Randnotiz zum Thema Tod: Es hilft unserem Kopf oft, den Verstorbenen auch gesehen zu haben. Ich will das nicht generalisieren, aber es hilft häufig, den Menschen auch im Tod zu sehen, weil das Gehirn es anders verarbeitet, wenn wir wahrnehmen, dass der Mensch, wie wir ihn im Leben kannten, in dieser Form nicht mehr da ist. Das zeigt auch die Studienlage.

Das erstauslösende Ereignis ist oft eine Illusion

Du hast keine Frage gestellt, trotzdem gehe ich darauf ein. Oft können wir ein erstauslösendes Ereignis reflektieren, der eine hatte die erste Panikattacke auf der Autobahn, der andere die erste Derealisation, bei dir der Beginn der Symptome im Kontext des Todes deines Vaters. Häufig ist das aber nur eine Illusion: Der Tod hat es nicht ausgelöst, aber durch den Tod sind Dinge verstärkt und stärker in den Vordergrund gerückt worden, auch die biochemische Stoffwechsellage verändert sich in solchen Momenten.

Zur Abgrenzung: Eine Halluzination ist, etwas zu sehen, was nicht da ist. Sehe ich kleine Kreaturen und weiß, dass sie nicht existieren, ist das eine Pseudohalluzination. Und wenn ich denke, da steht jemand auf der Gondel, und es ist nur der Handlauf, dann verkenne ich etwas Reales, das ist die Illusion. In vielen Situationen ist dieses erstauslösende Ereignis eine Illusion, weil wir etwas beobachten, aber die Zusammenhänge und Hintergründe verkennen.

Symptome kommen nicht plötzlich

Wir haben den Eindruck, die Symptomatik halte plötzlich Einzug, meist entwickelt sie sich aber mit der Zeit, deshalb fällt es schwer zu verstehen, woher sie kommt. Unser Körper sagt uns mit der Symptomatik nicht „mach dies, verändere dein Leben so", er sagt uns gar nichts. Der Körper ist Fleisch, Blut und Wasser, er hat keine abgekapselte Identität, die uns Vorgaben gibt, er handelt rein intuitiv und situativ, um das Überleben zu sichern. Das Symptom ist eine Benutzungserscheinung: So wie wir Körper und Kopf benutzen, entsteht Reibungsenergie oder Betriebswärme, und die spüren wir. Man kann es als Hinweis interpretieren, mach bitte nicht mehr so weiter wie bisher.

Der Tod des Vaters bringt dann das Fass zum Überlaufen, die Situation auf der Autobahn ist nur der letzte Tropfen, entwickelt hat es sich im Hintergrund längst. Deshalb würde ich zunächst nicht an der Trauerarbeit ansetzen, sondern die Landschaft dahinter überprüfen: Gibt es im Drumherum greifbarere Aspekte, die besser erklären, warum die Dinge so sind?

Wir pathologisieren uns oft selbst

Die meisten Symptome basieren darauf, dass irgendwo Unzufriedenheit eine Rolle spielt und dass unser eigener Kopf uns und unsere Symptome pathologisiert. Viele haben eigentlich nichts, hören aber über Monate und Jahre immer wieder, wie krank und schlimm sie angeblich sind, und das macht am Ende krank. Dass der Kopf vom Schlimmsten ausgeht, ist dabei völlig normal, so normal wie, dass du dich morgens streckst oder nachts einfach weiteratmest, statt aufzuhören zu schnaufen. Der Kopf denkt in Worst-Case-Szenarien, das gehört dazu. Wir dürfen herausarbeiten, dass wir uns oft selbst pathologisieren. Ich hoffe, das gibt dir ein bisschen Perspektive.

Wie du das erstauslösende Ereignis einordnest und die Landschaft dahinter verstehst, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.

Nach einem Verlust legst du jedes Symptom auf die Goldwaage und möchtest verstehen, was wirklich dahintersteckt? Ich begleite dich gern. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.

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