Ist die Halswirbelsäule der Auslöser? Schwindel, Panik und Benommenheit (HWS)
Eine Betroffene fragt: Ich habe alle möglichen Symptome, bis auf eine HWS-Fehlstellung wurde trotz zahlreicher Untersuchungen nichts gefunden. Die einen Ärzte sagen HWS, also Halswirbelsäule, die anderen sagen Psyche. Gibt es überhaupt HWS-bedingten Schwindel? Zusätzlich habe ich oft Kreislaufbeschwerden beim schnelleren Aufstehen, auch da wurde nichts gefunden, bis auf etwas niedrigen Blutdruck. Kann das durch die Psyche ausgelöst sein?
Welche Schwindelform überhaupt?
Die typische Schwindelform in unserer Kategorie ist eher psychogen, nicht der neurogene Schwindel aus dem Nervensystem. Man unterscheidet Gangunsicherheitsschwindel, Schwankschwindel und Drehschwindel. Der Drehschwindel ist der unangenehmste, kommt aus dem Vestibularsystem und spielt etwa beim Morbus Menière eine Rolle, da überlegst du nicht, ob du Schwindel hast, da liegst du am Boden und musst dich übergeben. Bei den meisten hier geht es aber um Schwankschwindel, nicht auf links/rechts beschränkt, auch nach vorne/hinten oder diagonal, auf jeden Fall dreht sich nicht alles.
Gibt es HWS-bedingten Schwindel?
Ja, Schwindel kann aus der Halswirbelsäule kommen. Aber Schwindel und HWS werden oft zu schnell in Verbindung gebracht, und man darf nicht alles glauben, was an Behandlungsmethoden kursiert (Atlaskorrektur und Ähnliches). Benommenheitsgefühle können aus der HWS kommen, aber auch mit der Blutzirkulation zusammenhängen. Viele berichten mir: Ich wurde eingerenkt, zwei Wochen später war der Schwindel wieder da, obwohl der Nacken problemlos ist. Wichtig ist die quantitative Komponente. Ein „schiefstehender Wirbel" liegt meist gar nicht vor, eher zieht eine einseitig trainierte Muskulatur an einem Wirbelkörper. Lass die HWS ruhig checken, aber in den meisten Fällen kann ein Orthopäde nach meiner Erfahrung nicht helfen.
Ein eindrücklicher Fall
Eine Frau mittleren Alters nahm mit schwerer Symptomatik kurz vor einer HWS-Operation (operativ mit Zement) Kontakt auf, um eine fünfte Meinung einzuholen. Ich fragte, ist das Problem früher schon aufgetreten? Ja, vor der ersten Schwangerschaft. In der Schwangerschaft symptomfrei, danach auch, jetzt Menopause und der Schwindel wieder da. Ab zum Endokrinologen, hormonell eingestellt, Schwindel weg. Es gibt also auch organisch bedingten Schwindel, der nicht den Drehschwindel betrifft, aber in diese Kategorie fällt, wo der Hintergrund häufig psychogen ist. Deshalb ist die differenzierte Ausdiagnostizierung immer wichtig.
Hat jemand wirklich HWS-Beschwerden oder eine hormonelle Dysregulation, die Symptome erzeugen, wird das in den nächsten vier Wochen in der Regel nicht deutlich schlimmer. Man darf sich also Zeit geben und abklären, ob nicht doch eine psychogene Genese dahintersteckt. Schwindel kann aus der HWS kommen und sollte einmal ausdiagnostiziert werden, aber wenn ein Arzt keinen Befund sieht, lohnt es, auch bei anderen Baustellen zu suchen. Wir Menschen finden es manchmal einfacher, wenn uns jemand sagt „es ist der Nacken", dann müssen wir uns nicht um die eigenen Themen kümmern, aber da müssen wir langfristig hin, denn ungelöste Probleme verursachen Probleme.
Wenn wir dem Symptom einen Namen geben
Unsere Energie folgt immer unserem Fokus. Vielleicht hat die Betroffene Kreislaufbeschwerden, vielleicht aber auch etwas anderes, das sie so bezeichnet. Geben wir einem Symptom einen Namen, brennt sich das ein, „ich habe gerade Kreislaufbeschwerden", dabei ist es vielleicht nur die Verdauung, eine Luftblase im Darm, die bei empfindlichen Menschen (bei mir mit etwas Reizdarmsymptomatik ebenso) sofort ein Unwohlsein macht, das wir als Kreislauf interpretieren, was es aber meist nicht ist.
Ein Beispiel: Ich hatte gestern Abend in einer Sitzung den „Verschlucker des Todes" am Tee, es kam zur Nase hoch, ich japste nach Luft und sah überall kleine Sternchen und Lichtblitze, eine vagale Dysregulation, bei der der Körper kurz in eine Rekalibrierung geht. Ich bewerte das aber nicht als „oh Gott, ein Rußregen als Zeichen einer Netzhautablösung", sondern als: Ich habe mich gerade verschluckt. Diese Symptomatik kenne ich also von mir selbst, ich gebe ihr nur bewusst einen anderen Namen und damit eine andere Bewertung als jemand anderes.
Auch der niedrige Blutdruck: Meist ist nicht das eigentliche Problem, dass der Blutdruck wirklich oft so niedrig ist, sondern man hat Empfindungen, denen man einen bestimmten Namen gegeben hat.
Nicht der Schwindel ist das Problem, sondern die Bewertung
Kann es die Halswirbelsäule sein? Grundsätzlich ja, aber es sollte immer ausdiagnostiziert und im Zweifel an eine andere Fachdisziplin übergeben werden. Entscheidend ist die Bewertung des Phänomens: Ein Schwindel, eine Benommenheit, eine Paniksituation, das diffuse Gefühl, einen halben Zentimeter neben sich zu stehen (ob das eine Derealisation ist, dazu ein anderes Video), das ist nie das eigentliche Problem. Nicht der Schwindel ist das Problem, sondern die Art, wie wir ihm in der Vergangenheit Bedeutung zugeschrieben haben.
Viele Betroffene erleben, dass der Hausarzt nur eine Art Vorfilter ist: könnte orthopädisch sein, könnte hormonell sein, haben Sie viel Stress, vielleicht zum Psychologen. Findet der Orthopäde nichts, heißt es „vielleicht psychisch", findet der Endokrinologe nichts, „waren Sie schon woanders". Es wird viel geschoben, und so finden Patienten oft lange keinen zufriedenstellenden Weg. Auf den Punkt gebracht: In wenigen Fällen kann es wirklich isoliert von der HWS kommen, aber auch dann ist nicht die HWS das Problem, sondern wie der Patient damit umgeht. Bei einer psychogenen Genese ist der wichtige Punkt, dass der Betroffene lernt, diesem Ding künftig aktiv eine andere Bedeutung zu geben.
Wie du deinen Symptomen bewusst eine andere Bedeutung gibst, statt sie zu bekämpfen, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch bzw. Hörbuch „Schluss mit Symptomen" → hier ansehen.
Deine HWS ist abgeklärt, und du vermutest mehr dahinter? Nach ärztlicher Abklärung begleite ich dich gern. In der Onlinetherapie von Bonn aus, deutschlandweit und online. Buch dir hier deinen Termin.
Schwindel, Kreislaufbeschwerden und HWS-Symptome gehören zuerst fachärztlich abgeklärt (Hausarzt, Orthopäde, HNO/Neurologe, bei hormonellem Verdacht Endokrinologe), bevor du von einer psychogenen Ursache ausgehst.